Japan zum ersten Mal Weltmeister
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USA unterliegen im Finale
Japan zum ersten Mal Weltmeister
Von Bernhard Böth
Die USA haben das WM-Endspiel im Griff, müssen gegen extrem passive Japanerinnen aber in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen. Beim US-Team versagen die Nerven, Japan holt erstmals den Titel.
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Die Japanerinnen behielten in einem äußerst spannenden WM-Finale in Frankfurt mit 5:3 nach Elfmeterschießen die Oberhand. Die USA verpassten am Sonntagabend dagegen die Chance, sich zum dritten Mal die WM-Krone aufzusetzen. In der regulären Spielzeit hatte Alex Morgan (69. Minute) die USA in Führung geschossen, Aya Miyama (81.) gelang für Japan der Ausgleich.
Als Abby Wambach in der Verlängerung zur erneuten Führung traf (104.), wähnten sich die USA auf der Siegerstraße, Homare Sawa rettete die Japanerinnen mit ihrem Treffer jedoch ins Elfmeterschießen (117.). Dort sorgte Saki Kumagai vor gut 48.800 Zuschauern in der ausverkauften WM-Arena für die Entscheidung, Torhüterin Ayumi Kaihori parierte zudem zwei Elfmeter. "Wir hätten unsere Chancen nutzen müssen", kritisierte US-Trainerin Pia Sundhage ihr Team und hatte dabei sicherlich die drei Aluminiumtreffer im Hinterkopf. "Wir haben immer an uns geglaubt", sagte dagegen Japans Spielführerin Sawa, die als beste WM-Torschützin ausgezeichnet wurde (fünf Treffer).
USA am Drücker, Japan viel zu passiv
Zunächst deutete vieles auf einen US-Sieg hin: Das Team nutzte die Unsicherheiten in der japanischen Abwehr und kam in den ersten 20 Minuten zu mehreren Großchancen. Lauren Cheney, Carli Lloyd und Wambach brachten den Ball aber nicht im Tor unter. Während das US-Team dem ersten Treffer entgegensteuerte, prägten Stoppfehler und Abstimmungsprobleme das Spiel der Japanerinnen. Der zaghafte Beginn der Elf von Norio Sasaki passte durchaus zu den bisherigen WM-Auftritten des Weltranglistenvierten, diese extrem passive Rolle überraschte jedoch so manchen Beobachter. So dauerte es eine gute halbe Stunde, ehe Kozue Ando das erste Mal gefährlich vor US-Torfrau Hope Solo auftauchte.
Und die USA? Die Mannschaft von Trainerin Sundhage musste sich in der ersten Hälfte nur den Vorwurf gefallen lassen, dass sie auch die weiteren hochkarätigen Tormöglichkeiten nicht im Kasten unterbringen konnte. Wambach traf mit einem sehenswerten Schuss nur die Unterkante der Latte, Cheney setzte einen Kopfball knapp über das Tor von Kaihori.
Konter führt zur hoch verdienten US-Führung
Die Japanerinnen, die in der Schlussviertelstunde der ersten Hälfte besser ins Spiel fanden, mussten nach dem Seitenwechsel eine weitere Schrecksekunde überstehen. Die eingewechselte US-Stürmerin Morgan setzte den Ball an den Pfosten und sorgte damit für den zweiten Aluminiumtreffer der Sundhage-Elf.
Japan leistete jetzt deutlich mehr Gegenwehr, kam in der Offensive aber nicht zur Entfaltung. Als sich nach einer guten Stunde beinahe die Möglichkeit zu einer sehr guten Torchance geboten hätte, pfiff die deutsche Schiedsrichter Bibiana Steinhaus die konternden Japanerinnen zurück - zu Unrecht, wie sich hinterher herausstellte. Auf der Gegenseite setzte Wambach mit einem Flugkopfball ein weiteres Ausrufezeichen, ehe nach gut 70 Minuten der aus US-Sicht längst überfällige erste Treffer fiel: Megan Rapinoe schickte die 22 Jahre alte Morgan, die die künftige Frankfurterin Kumagai abschüttelte und aus 16 Metern einnetzte.
Ausgleich fällt aus heiterem Himmel
Die Japanerinnen schienen besiegt - und waren zehn Minuten vor dem Abpfiff der regulären Spielzeit wieder im Spiel: Nach einer Fehlerkette in der US-Abwehr, Rachel Buehler und Ali Krieger bekamen den Ball nicht weg, war Aya Miyama zur Stelle und musste aus kurzer Distanz nur noch einschieben. Bei der Elf von Trainer Sasaki, die sich mit dem Ausgleich in die Verlängerung rettete, kehrte die Hoffnung auf den ersten WM-Titel zurück.
Erstmals Weltmeister: Japan hat den Pokal.
Doch auch in der Verlängerung gaben die Amerikanerinnen den Ton an, scheiterten aber zunächst erneut an ihrer Abschlussschwäche. Nach 104 Minuten war es US-Angreiferin Wambach, die mit ihrem vierten Turniertreffer für die vermeintliche Entscheidung sorgte: Nach einer maßgerechten Flanke von Morgan musste die Starstürmerin nur noch den Kopf hinhalten.
Als alles auf die US-Amerikanerinnen als WM-Sieger 2011 hinauslief, schlugen die Japanerinnen drei Minuten vor dem finalen Abpfiff zurück: Sawa traf aus kurzer Distanz zum 2:2 und rettete ihr Team, das das Spiel nach Rot für Azusa Iwashimizu (120./Notbremse) mit zehn Spielerinnen beendete, ins Elfmeterschießen. Hier versagten bei Shannon Boxx, Lloyd und Tobin Heath die Nerven, während Kumagai die Japanerinnen schließlich zum ersten WM-Titel schoss.
"Jetzt sind wir die Nummer eins der Welt", sagte Sawa nach der Übergabe des WM-Pokals. Die USA trauerten dagegen den vielen vergebenen Chancen hinterher, zudem versagte zweimal der Defensivverbund. "Wir haben Japan ein paar Geschenke gemacht", ärgerte sich Krieger. Die Ex-Frankfurterin sah am Ende dieses spektakulären Finalabends jedoch das Positive: "Wir freuen uns, dass wir Silber haben."
Stand: 17.07.2011, 23:59