Moderate Töne beim Fan-Gipfel
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Fans beraten über Stadionsicherheit
Moderate Töne beim Fan-Gipfel
Beim Fan-Gipfel zum Thema Gewalt im Fußball ist offenbar eine Annäherung aller Seiten gelungen.
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"Wir wollten die Beschimpfungen hinter uns lassen. Das ist ganz gut gelungen", sagte Sprecher Christian Arbeit von Gipfel-Gastgeber Union Berlin. "Heute ist kein Feiertag in Berlin, doch vielleicht wird es ja noch einer. Es geht hier um verbale Abrüstung", meinte der designierte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig und kassierte Applaus. 250 Fan-Vertreter von 49 Klubs aus den ersten vier Fußball-Ligen diskutierten mehrere Stunden das Brennpunkt-Thema im VIP-Zelt des Fußball-Zweitligisten.
Rettig fordert auch Verständnis von den Fans
Angesichts der Brisanz hatte Rettig beim 1. FC Union angefragt, ob er den Fan-Gipfel besuchen könne und bemühte sich zwei Monate vor seinem eigentlich Job-Start um Diplomatie. "So eine Veranstaltung ist in unserem Sinne. Wir werden die Gespräche in den kommenden Wochen fortsetzen", betonte der ehemalige Manager des FC Augsburg.
Kernpunkt der Debatte war wieder das Konzeptpapier "Sicheres Stadionerlebnis" der DFL. Mehrere Klubs wie Union Berlin, FC St. Pauli, VfL Wolfsburg oder der VfB Stuttgart hatten den ersten DFL-Entwurf abgelehnt. Am 12. Dezember will die DFL das Papier auf seiner Mitgliederversammlung beschließen. Reinhard Rauball will vom Zeitplan nicht abrücken. "Wir sollten an dem Ziel 12. Dezember festhalten", sagte der Liga-Präsident.
"Dieses Papier sollte in die Tonne gekloppt werden. Es darf keine Abstimmung geben, da dieses Konzept keine Akzeptanz hat. Man sollte bei Null anfangen", erklärte Sven Brux. Der Sicherheitsbeauftragte des FC St. Pauli schlug vor, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die paritätisch besetzt ist. Dafür gab es sehr viel Applaus.
Zeit von Befehl und Gehorsam vorbei
"Ich bin überzeugt, dass wir bis dahin eine Lösung haben. Letztendlich lieben alle Klubs den Fußball", sagte Rettig. Auch die Ausschreitungen beim Pokalspiel zwischen Hannover 96 und Dynamo Dresden am Mittwochabend (31.10.2012) könnten das nicht verhindern. "Das ist wieder Wasser auf die Mühlen derer, die in der Debatte nur das Negative sehen", sagte Rettig. "Die Zeit von Befehl und Gehorsam ist vorbei. Wir brauchen moderne Management-Methoden. Die Fans müssen mit einbezogen werden", so Rettig. Seine Botschaft: "Nur wenn wir gemeinsam sprechen, kommen wir weiter."
Die Fans zeigten Verständnis für die Lage der DFL, wollten die Kritik der jüngsten Vergangenheit aber nicht ausblenden. "Wir müssen über unsere Klubs stärker an den Debatten beteiligt werden", forderte Sig Zelt vom Union-Fanklub "Eiserner Virus". Die Kritik von Liga-Boss Reinhard Rauball an Union Berlin wegen des Fernbleibens beim Sicherheitsgipfel bezeichnete Zelt als "höchst demokratie-feindlich". Das war schon die schärfste Aussage im ersten Teil der Diskussion.
Lebenszeichen der Fans
Dass es einen Anstieg der Gewalt beim Fußball gebe, wie es propagiert wird, wollte der HSV-Fanbeauftragte Ranau nicht unterschreiben. "Auch in den 1990er Jahren gab es Gewalt - sie war sogar noch schlimmer", sagte er. "Wir haben gerade eine Hysterie, die keinem etwas bringt. Wir sollten aufeinander zugehen und zusammen Spielregeln erarbeiten, die von beiden Seiten akzeptiert werden. Dazu brauchen wir jedoch den Dialog. Und zwar auf Augenhöhe."
Der DFL-Fanbeauftragte Thomas Schneider begrüßte diese Forderung. "Dieser Fangipfel ist ein deutliches Lebenszeichen der Fans. Wir sollten die Fans mehr zurate ziehen", sagte Schneider. "Es ist dringend erforderlich, die Diskussion wieder mehr zu versachlichen", meinte Ligapräsident Rauball: "Dafür sind weitere intensive Gespräche mit allen Beteiligten, darunter natürlich die Fans und die Polizei, elementar."
Gesichtsscanner nur eine Seifenblase?
Der Brandenburger Fan Helge Meves machte sich die Mühe, die Rolle der Politik in der seit Monaten anhaltenden Debatte zu beleuchten. Dabei fiel ihm auf, dass auch die Politiker nicht zur Versachlichung der Diskussion beitragen. So sei ständig die Rede vom Einsatz eines Gesichtscanners, ohne dass es dafür eine rechtliche Grundlage gebe.
Zeitgleich zum Fan-Gipfel wurde beim turnusmäßigen Treffen zwischen DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, Ligapräsident Reinhard Rauball sowie dem Bundesvorsitzenden Bernhard Witthaut von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) auch in Frankfurt über die Sicherheit-Problematik diskutiert. Witthaut zeigte sich enttäuscht, dass kein Polizei-Vertreter beim Fan-Gipfel eingeladen wurde. "Das ist traurig", sagte der GdP-Chef.
Das wies Christian Arbeit, Sprecher des gastgebenden 1. FC Union Berlin, zurück: "DFB- und DFL-Vertreter haben gezeigt, dass man keine Einladung brauchte. Alle hätten kommen können."
sid/dpa | Stand: 01.11.2012, 19:10