Mainz bricht in Anderlecht zusammen

RSC Anderlecht - 1. FSV Mainz 05 6:1

Mainz bricht in Anderlecht zusammen

Von Christian Hornung

Dem 1. FSV Mainz 05 droht nach einer ganz schwachen Vorstellung in der Europa League das Aus nach der Gruppenphase. In Anderlecht patzte das Team von Martin Schmidt gleich mehrfach in der Defensive - auch nach vorn ging wenig.

Am Ende der Partie stand ein 6:1 (1:1)-Erfolg des RSC zu Buche, an dem der Bundesligist maßgeblich selbst Schuld trug. Auch wenn die 05er am Ende deutlich mehr Ballbesitz hatten, stellten sie sich bei den Kontern der Anderlechter viel zu sorglos an, legten ihren Gegenspielern sogar immer wieder die Chancen selbst auf. Bei den wenigen eigenen zielgerichteten Aktionen ließ Mainz ebenfalls die letzte Konsequenz und Genauigkeit vermissen.

Viel Zug zum Tor

Der Mainzer Suat Serdar

Der Mainzer Suat Serdar

Beide Teams hatten die Partie ohne allzulange Aufenthaltszeiten im Mittelfeld begonnen - es ging zügig Richtung Torabschluss. Anderlechts Alexandru Chipciu traf in der 3. Minute nach einem Solo nur das Außennetz, kurz danach verfehlte auf der anderen Seite Jhon Cordoba nach einer Ecke von Yunus Malli per Kopf nur um Zentimeter das Gehäuse. Danach wurden beide Teams präziser - aber auch die Torhüter halfen kräftig mit.

Besonders kurios war der Führungstreffer der Belgier in der 9. Minute: Nicolae Stanciu marschierte über die rechte Außenbahn, schlug den Ball fast von der Seitenauslinie hart nach innen, was Mainz-Keeper Jonas Lössl offenbar kolossal überraschte: Die Kugel schlug im kurzen Eck ein, Lössl hielt sofort schuldbewusst die Hände vors Gesicht.

Ausgleich durch de Blasis

Seine Kollegen brauchten aber nicht lange, um den Schock zu verkraften. Nach einer Viertelstunde verlängerte RSC-Mittelfeldspieler Emmanuel Sowah einen Einwurf von Daniel Brosinski unfreiwillig, aber absolut präzise vor die Füße von Pablo de Blasis - und der traf mit einem auch nicht gerade unhaltbaren Flachschuss aus zwölf Metern zum Ausgleich.

Danach verflachte die Partie, die Passquote sank auf beiden Seiten, oft flipperte der Ball zwischen beiden Teams hin und her. Einen dieser Querschläger im Mittelfeld nutzten die Gastgeber dann aber zur erneuten Führung, wobei die Mainzer aber auch wieder ordentlich assistierten: Gleich drei 05er rannten bei einem Anderlecht-Konter über die rechte Seite in Richtung der eigenen Torlinie und boten dadurch Stanciu im Rückraum Platz ohne Ende - den der Rumäne mit einem Flachschuss ins linke Eck dankend annahm (41.).

Doppelter Querschläger

Im zweiten Durchgang hätte die Mainzer Offensive die Unpässlichkeiten ihrer Kollegen schnell korrigieren können, doch de Blasis scheiterte gleich zweimal aus guter Position. Verdient wäre der Ausgleich aber nicht gewesen, denn die Mainzer Fehlerquote in allen Mannschaftsteilen wurde immer schlimmer. Nach einer guten Stunde folgte dafür die Quittung: Leon Balogun produzierte bei einem Klärungsversuch einen Querschläger im eigenen Strafraum, auch Giulio Donati konnte die Kugel nur noch vor die Füße von Youri Tielemans befördern, der dann mit einem präzisen Schlenzer aus 18 Metern Lössl keine Chance ließ.

In der Folgezeit versuchten die Mainzer noch einmal, Druck aufzubauen. Doch vor allem Malli (68. und 70.) und Cordoba (72.), der nach perfekter Vorarbeit von Jairo aus zwei Metern Entfernung an RSC-Torhüter Davy Roef scheiteterte, waren vor dem gegnerischen Tor einfach zu harmlos. Auf der Gegenseite konnte der FSV sogar noch froh sein, nach einem erneuten Ballverlust von Stefan Bell nicht noch früher den vierten Gegentreffer zu kassieren: Lössl rettete gegen den frei durchgestarteten Lukasz Teodorczyk.

Völliger Zusammenbruch

Das 4:1 war aber nur aufgeschoben: Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit köpfte Teodorczyk an Balogun und Lössl vorbei den Ball in die Maschen, in 92. Minute schob Massimo Bruno die Kugel gegen die nun völlig zusammenbrechenden Mainzer auch noch zum 5:1 ein. Das Desaster war aber damit noch nicht beendet: In der vierten Minute der Nachspielzeit traf Teodorczyk per Hand-Elfmeter auch noch zum 6:1.

"Das war die höchste und schlimmste Niederlage, seit ich Trainer in Mainz bin", sagte ein frustrierter Trainer Martin Schmidt. "Nach dem 1:4 hat es uns das Spiel total zerschossen. Das war eine Katastrophe und darf uns nicht passieren." Und Sportdirektor Rouven Schröder ergänzte: "Wir haben heute sehr viel Lehrgeld bezahlt. Jetzt gilt es, die Fehler klar anzusprechen und dann einen Strich drunter zu machen."

Die Mainzer müssen nun aller Voraussicht nach ihre letzten beiden Partien beim AS St. Etienne (24. November) und gegen den FK Gabala (8. Dezember) gewinnen, um noch eine Chance auf das Erreichen der K.o.-Phase zu haben. Da im Parallelspiel St. Etienne mit 2:1 gegen Gabala erfolgreich war und die 05er nun auch den direkten Vergleich gegen Anderlecht verloren haben, wird es aber in jedem Fall ganz eng.

Statistik

Fußball · UEFA Europa League · 4. Spieltag 2016/2017

Donnerstag, 03.11.2016 | 19.00 Uhr

RSC Anderlecht

Roef – Sowah Adjei, Mbodji, Deschacht, Acheampong – Dendoncker, Tielemans (89. M. Bruno) – Chipciu (56. Capel), Stanciu (67. Badji), Hanni – Teodorczyk

6

1. FSV Mainz 05

Lössl – Donati (79. Öztunali), Balogun, Bell, Brosinski – Serdar (67. Samperio), Gbamin – Onisiwo, Malli, de Blasis – Cordoba

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Stanciu (9.)
  • 1:1 de Blasis (15.)
  • 2:1 Stanciu (41.)
  • 3:1 Tielemans (62.)
  • 4:1 Teodorczyk (89.)
  • 5:1 M. Bruno (90.+2)
  • 6:1 Teodorczyk (90.+4/Handelfmeter)

Strafen:

  • gelbe Karte Donati (2 )
  • gelbe Karte Acheampong (1 )
  • gelbe Karte Bell (2 )

Zuschauer:

  • 15000

Schiedsrichter:

  • Andreas Ekberg (Schweden)

Stand: Donnerstag, 03.11.2016, 20:56 Uhr

Stand: 03.11.2016, 22:45

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