Stuttgart will das "Unmögliche möglich machen"

Labbadia und Gentner vom VfB Stuttgart

Vor "Geisterkulisse": VfB muss 0:2-Rückstand in Rom wettmachen

Stuttgart will das "Unmögliche möglich machen"

Der VfB Stuttgart auf sportlicher Talfahrt: Jetzt müssen die Schwaben auch noch einen 0:2-Rückstand in der Europa League gegen Lazio Rom wettmachen. Nur das Team selbst glaubt an ein Wunder.

"Wir wollen versuchen, das Unmögliche möglich zu machen", sagte Sportdirektor Fredi Bobic vor dem schier aussichtslosen Achtelfinal-Rückspiel. Auch die Profis denken trotz der schweren 0:2-Hypothek aus der Heimpartie nicht ans Aufgeben. "Es kann alles passieren", meinte Kapitän Serdar Tasci vor dem "Geisterspiel" im Stadio Olimpico am Donnerstag (14.03.2013, 21.05 Uhr). "Wir haben für die Europa League hart gearbeitet. Das geben wir nicht so einfach aus der Hand." Sein Innenverteidiger-Kollege Georg Niedermeier versicherte: "Wir haken das auf keinen Fall ab. Wenn wir früh das 1:0 machen, ist einiges möglich." Torhüter Sven Ulreich klammerte sich an die Plattitüde: "Im Fußball kann alles passieren."

Seit Wochen schwach

Mehr als Durchhalteparolen sind das aber nicht, und Illusionen macht sich beim VfB aber eigentlich keiner. Die seit Wochen schwachen Leistungen und schlechten Ergebnisse geben dazu auch keinerlei Anlass. Dazu kommt die bisherige Bilanz des Bundesligisten bei Begegnungen in Italien: Null Auswärtssiegen stehen zwei Remis und drei Niederlagen gegenüber. "Es wird schwer werden, aber wir wollen trotzdem Gas geben", versprach Torjäger Vedad Ibisevic.

Nichts mehr zu verlieren

Ein Vorteil für den VfB könnte sein, dass er faktisch nichts mehr zu verlieren hat und dementsprechend locker auftreten kann. "Der Druck ist nicht mehr unbedingt groß", konstatierte Bobic. Zudem spielen die Schwaben derzeit auswärts meist besser. Die gellenden Pfeifkonzerte der Fans zu Hause setzten selbst den Profis zuletzt ziemlich zu. Der Zorn des zahlenden Volkes stößt beim VfB aber sogar auf Verständnis. "Natürlich", sagt Bobic, "stimmen die Ergebnisse nicht, daher muss man das Umfeld auch verstehen." Wenn die Mannschaft "versaut oder abgezockt wäre", könnte auch Trainer Labbadia den Unmut erst recht verstehen: "Aber in Laufleistung und Sprints sind wir wieder top gewesen", sagte der Coach achselzuckend nach der Niederlage gegen Hamburg.

Geisterspiele - wenn die Fans draußen bleiben

Lazio Rom und der VfB Stuttgart müssen ihr Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen. Es ist nicht das erste Mal, dass die UEFA drastische Strafen verhängt.

Olympiastadion in Rom

Lazio Rom und der VfB Stuttgart müssen ihr Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen. Es ist nicht das erste Mal, dass die UEFA eine solch drastische Strafe verhängt. In den letzten Jahren ging der Verband vor allem gegen Pyrotechnik in den Stadien vor. Doch auch schwere Ausschreitungen und rassistische Gesänge werden sanktioniert.

Lazio Rom und der VfB Stuttgart müssen ihr Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen. Es ist nicht das erste Mal, dass die UEFA eine solch drastische Strafe verhängt. In den letzten Jahren ging der Verband vor allem gegen Pyrotechnik in den Stadien vor. Doch auch schwere Ausschreitungen und rassistische Gesänge werden sanktioniert.

So musste Fenerbahce Istanbul das Zwischenrunden-Rückspiel in der Europa League gegen BATE Borrisow am 21. Februar vor leeren Rängen bestreiten. Der Grund: Ein Platzsturm türkischer Fans in der Gruppenpartie bei Olympique Marseille am 22. November 2012.

Da gegen Borrisow dennoch ein Leuchtgeschoss über die Stadionmauer auf das Spielfeld flog, dürfen auch im Achtelfinal-Rückspiel gegen Viktoria Pilsen am 14. März keine Fans rein.

Wegen Ausschreitungen beim Spiel gegen PAOK Thessaloniki am 23. August 2012 wurde Rapid Wien in der Europa League zu einem Geisterspiel gegen Rosenborg Trondheim verurteilt. Die Partie ging am 20. September 2012 im Ernst-Happel- Stadion ohne Fans über die Bühne. PAOK bekam gar drei Geisterspiele aufgebrummt. Weil der Klub gegen Wien ausschied, werden die frühestens in der Saison 2013/14 stattfinden.

Das erste Geisterspiel im deutschen Profifußball fand am 26. Januar 2004 in Aachen zwischen der Alemannia und dem 1. FC Nürnberg statt - und zwar als Wiederholungsspiel. Beim ersten Auftritt der Franken am Tivoli war der Nürnberger Trainer Wolfgang Wolf von einem Wurfgeschoss am Kopf getroffen worden.

Geisterspiele gab es auch schon in der zweiten Liga - zum Beispiel am 18. Dezember 2011 zwischen Hansa Rostock und Dynamo Dresden. Rostocker Fans hatten zuvor im Ligaspiel gegen den FC St. Pauli randaliert.

Dynamo war in dieser Saison sogar ein zweites Mal betroffen. Weil sich die Fans des Traditionsvereins im DFB-Pokal bei Borussia Dortmund daneben benommen hatten, blieben am 11. März 2012 gegen den FC Ingolstadt die Stadiontore geschlossen.

Der Karlsruher SC musste die Ausschreitungen seiner Fans beim Relegationsrückspiel gegen Jahn Regensburg vom 14. Mai 2012 teuer bezahlen. Das Drittliga-Heimspiel der Badener gegen den VfL Osnabrück am 8. August 2012 fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. KSC-Fans hatten nach dem Abstieg das Spielfeld gestürmt.

Am 30. August 2008 mussten die Fans beim Drittligaspiel zwischen Rot-Weiß Erfurt und Werder Bremen II draußen bleiben. Erfurter Zuschauer waren im Spiel gegen Jena wegen antisemitischer Sprechchöre negativ aufgefallen. Sogar in der Regionalliga gab es Geisterspiele. 1860 München II musste am 17. September 2009 gegen den SV Darmstadt 98 ebenso vor leeren Rängen spielen wie einen Tag später der 1. FC Kaiserslautern II gegen Bayer Leverkusen II. Der Grund: Böllerwürfe und Ausschreitungen in den Partien zuvor.

Geisterspiele gibt es international übrigens noch nicht allzu lange. Früher sprach die UEFA Platzsperren aus. 1986 musste der 1. FC Köln ausgerechnet im Finale des UEFA-Pokals gegen Real Madrid nach Berlin ausweichen. Kölner Fans hatten beim Halbfinalrückspiel gegen den KSV Waregem in Kortrijk randaliert. Borussia Mönchengladbach trat nach dem "Büchsenwurf vom Bökelberg" 1971 gegen Inter Mailand ebenfalls in Berlin an.

Buhrufe bleiben den VfB-Kickern dieses Mal auf jeden Fall erspart: Die UEFA hat wegen rassistischer und rechtsradikaler Ausschreitungen von Lazio-Anhängern die Zuschauer bei zwei Europa-League-Heimspielen der Römer ausgeschlossen. Bobic bedauert, dass keine VfB-Fans zugelassen sind: "Das ist schade. Ich habe nie selbst ein Geisterspiel bestritten und war auch nie bei einem dabei."

Voraussichtliche Aufstellungen

Lazio Rom: Marchetti - Pereirinha, Cana, Ciani, Radu - Hernanes - Candreva, Onazi, Ederson, Lulic - Kozák

VfB Stuttgart: Ulreich - Sakai, Tasci, Niedermeier, Boka - Kvist, Gentner - Harnik, Okazaki, Traoré - Ibisevic

Schiedsrichter: Tom Harald Hagen (Norwegen)

Stand: 14.03.2013, 08:35