Große Klubs jagen den "kleinen" Pokal

Leonardo Bonucci, Antoine Griezmann, Mesut Özil, Marco Reus (v.l.)

Sechzehntelfinale der Europa League

Große Klubs jagen den "kleinen" Pokal

Von Robin Tillenburg

Traditionell finden sich in den K.o.-Runden der Europa League einige Klubs mit großem Namen und großer Tradition wieder. Der Champion qualifiziert sich für die Königsklasse, dementsprechend groß ist der Anreiz für einige Teams.

Ein namhaftes Teilnehmerfeld - zwölf Champions-League-Titel und 13 weitere Finalteilnahmen in der Königsklasse (und im Europapokal der Landesmeister) gehen im Sechzehntelfinale der Europa League an den Start. Auch wenn bei dem ein oder anderen Klub der Ruhm inzwischen verblasst oder zumindest angestaubt ist, bieten die Teams alles, was insbesondere Fußball-Nostalgiker-Herzen frohlocken lässt. Und dass der Griff nach dem "kleinen" europäischen Pokal durchaus für die kommende internationale Saison beflügeln kann, haben beispielsweise der FC Porto (2002/03) oder Atletico Madrid (2011/12) bewiesen. Porto gewann die Champions League nur eine Saison nach dem UEFA-Cup-Triumph, und Atletico zog zwei Jahre später ins Endspiel ein.

BVB - in beiden Wettbewerben Final-Erfahrung

Borussia Dortmund ist im Duell mit Atalanta Bergamo nicht nur, aber auch aufgrund der jüngeren Geschichte der Favorit. Zwei Champions-League-Finals erreichten die Borussen: 1996/97 gewannen sie gegen Juventus Turin, 2012/13 unterlagen sie dem FC Bayern. Im UEFA-Cup Finale stand das Team von Trainer Peter Stöger immerhin auch bereits zweimal. Der Wettbewerb ist also keineswegs neu für die Schwarz-Gelben, auch 2015/16 spielte man dort und erreichte das Viertelfinale. Gegner Bergamo spielte noch nie in der Champions League - 1990/91 kam man im UEFA-Cup immerhin ins Viertelfinale. Die Tradition und auch der Kader sprechen in diesem Duell jedenfalls klar für den deutschen Vertreter.

FC Arsenal - erstmals in der Europa League

Arsenal-Trainer Arsène Wenger

Arsenal-Trainer Arsène Wenger: Erstmals wieder Europa League

Dass man sich etwas darüber wundert, dass der FC Arsenal bisher nur ein einziges Mal das Endspiel in der Champions League erreichte, zeigt, wie sehr der Klub die vergangenen Jahre der Königsklasse mitgestaltet hat. Seit der Saison 1998/99 war die Mannschaft - immer trainiert von Arsène Wenger - in jedem Jahr im Teilnehmerfeld vertreten. Bis jetzt. In dieser Saison starteten die Londoner "nur" in der Europa League und wollen endlich einen internationalen Titel holen. Auch wenn es nur der "kleinere" ist. Klein ist, in punkto europäischer Tradition zumindest, auch der Gegner. Der FK Östersunds aus Schweden spielt erstmals international, setzte sich aber unter anderem gegen Hertha BSC durch.

Marseille - Glanzzeit Anfang der 90er

Die ganz großen Erfolge von Olympique Marseille sind schon ein paar Jahre her, doch der Gegner von Sporting Braga holte immerhin 1992/93 den "Henkelpott" an die Côte d'Azur, stand zubor 1990/91 auch schon einmal im Endspiel. Auch wenn nicht mehr Weltstars wie Rudi Völler, Didier Deschamps, Fabien Barthez oder Marcel Desailly im Kader stehen, hat der Name dennoch auf europäischer Ebene weiterhin einen guten Klang.

Celtic Glasgow - Erinnerung an die 60er

Fans von Celtic Glasgow im Celtic Park

Lautstarke Unterstützung: Fans von Celtic Glasgow im Celtic Park

Den hat auch Celtic Glasgow noch - auch wenn die Zeiten, in denen man im Landesmeisterwettbewerb eine tragende Rolle spielte, sogar bis in die späten 60er Jahre zurückreichen. Zumeist war bei den letzten Teilnahmen für den schottischen Vertreter in der Gruppenphase Endstation, selbst in der Europa League erreichte man nur einmal die Zwischenrunde. Deswegen ist im Duell mit Zenit St. Petersburg, in den letzten sieben Saisons immerhin dreimal unter Europas besten 16, die Favoritenrolle auch eher bei den Russen.

Atletico Madrid - Favorit auf den Titel

Der größte europäische Name der jüngeren Vergangenheit im Teilnehmerfeld ist wahrscheinlich Atletico Madrid. 2014 und 2016 scheiterte die Mannschaft von Trainer Diego Simeone am Stadtrivalen Real im Finale und flog 2015 und 2017 ebenfalls gegen Real im Viertel- und Halbfinale aus dem Wettbewerb. Diesmal war ohne die Hilfe des Stadt-Konkurrenten bereits ziemlich unglücklich in der Gruppenphase Schluss und nun geht es eben eine Etage tiefer weiter für das Team um Antoine Griezmann. Der Europa-League-Champion von 2010 und 2012 ist jedenfalls auch bei den Wettanbietern der klare Favorit auf den Titel. Da muss sich der FC Kopenhagen, 2010/11 immerhin Achtelfinalist der Champions League, wohl gewaltig strecken, um im Wettbewerb zu bleiben.

AC Mailand - Großer Name, momentan keine Erfolge

Der AC Mailand ist weiterhin einer der größten Namen in ganz Europa. Sieben Champions-League-Trophäen (beziehungsweise Europapokal der Landesmeister) hat die Associazione Calcio in der Vitrine stehen. Nur Real Madrid bringt es auf mehr. Der letzte europäische Auftritt liegt indes vier Jahre zurück. In der Europa League trifft das Team von Milan-Ikone Gennaro Gattuso, das immerhin knappe 200 Millionen Euro für Neuverpflichtungen ausgab, auf Ludogorets Razgrad aus Bulgarien. Zumindest in der jüngeren Zeit hat Razgrad dem Gegner etwas voraus: 2014/15 und 2016/17 spielte man in der Königsklasse. Da will das von chinesischen Investoren gestärkte Milan auch wieder hin, in der Liga wird es in diesem Jahr wohl nichts. Bleibt der mögliche Europa-League-Titel.

Steaua Bukarest - Kein Hagi mehr

Lazio Rom ist im Duell mit Steaua Bukarest der Favorit. Rein historisch gesehen wäre das nicht ganz korrekt, denn während die Römer erst fünfmal überhaupt in Europas höchstem Vereinswettbewerb antraten und dabei maximal das Viertelfinale erreichten (1999/00), haben die Rumänen nicht nur insgesamt zwei Finalteilnahmen am Europapokal der Landesmeister auf ihrem Konto, sondern siegten 1986 dort sogar gegen den FC Barcelona. Spieler vom Niveau eines Gheorghe Hagi hat Bukarest aktuell allerdings nicht mehr.

SSC Neapel - Aktuell besser als Juve

RB Leipzig hat international keine Tradition, schließlich wurde der finanzstarke deutsche Vizemeister erst 2009 gegründet. Die Leipziger scheiterten in ihrer ersten Champions-League-Saison in der Gruppenphase. Genau wie ihr Gegner im Sechzehntelfinale, der SSC Neapel. Dessen Vergangenheit ist geschmückt mit großen Namen, allen voran dem des Argentiniers Diego Armando Maradonna. Außer durch den Sieg im UEFA-Cup im Finale Ende der achtziger Jahre gegen den VfB Stuttgart gehörte Neapel zumindest auf dem Papier nie zur europäischen Spitze. Die beste Platzierung in der Königsklasse waren zwei Achtelfinalteilnahmen. Für die Europa League gilt Neapel jedoch als einer der Topfavoriten. Die Mannschaft von Maurizio Sarri ist vor Juventus Turin Tabellenführer der Serie A. Anscheinend legt der Klub den Fokus jedoch auf den Ligabetrieb, dort ist der Titel näher, und die Champions-League-Qualifikation hat man auch bereits so gut wie eingetütet. Stars wie Marek Hamsik könnten gegen Leipzig geschont werden.

Roter Stern und Partizan Belgrad - Endspielteilnehmer der Landesmeister

Große europäische Erfolge, wenn auch einige Jahre zurückliegend, finden sich auch in den Paarungen mit Belgrader Beteiligung. Partizan (gegen Viktoria Pilsen) und Roter Stern (gegen ZSKA Moskau), standen je einmal im Endspiel des Europapokal der Landesmeister. Roter Stern gewann ihn sogar 1990/91.

Stand: 14.02.2018, 12:51

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