Mkhitaryan - richtige Entscheidungen in Serie

Henrich Mchitarjan

Dortmund in der Europa League gegen Tottenham

Mkhitaryan - richtige Entscheidungen in Serie

Von Marcus Bark

Es kommt selten vor, dass die Mütter von Fußballprofis ihren Söhnen beim Training zuschauen, schon gar nicht aus dienstlichen Gründen. Bei Henrikh Mkhitaryan gab es eine Ausnahme. Zwei Tage vor dem Achtelfinalhinspiel der Europa League gegen Tottenham Hotspur (Donnerstag, 10.03.16, ab 18.45 Uhr live bei sportschau.de) schaute Marina Tashchyan nach einem Bericht der Ruhr Nachrichten bei einer Einheit von Borussia Dortmund vorbei. Mkhitaryans Mutter ist eine Direktorin beim armenischen Fußballverband und dort für die Nationalmannschaften zuständig, daher die dienstlichen Verbindungen, auch zu ihrem Sohn.

Zur armenischen Delegation, die im Rahmen eines Lehrgangs der UEFA beim BVB hospitierte, gehörte auch Varuzhan Sukiasyan. Der Nationaltrainer sagte den Ruhr Nachrichten: "Henrikh Mkhitaryan ist ein großartiger Fußballer, er hat sich beim BVB toll entwickelt. Er spielt eine Riesensaison." Das ist auch von vielen zu hören, die weniger befangen sind.

Ablöse eine Last

In der vergangenen Saison sah das anders aus. Da hätten viele Beobachter und Fans Mkhitaryan eher gewünscht, dass seine Mutter ihn mitnimmt und ein paar Monate in der Geborgenheit von Heimat und Familie wieder aufbaut.

Im Sommer 2013 zahlte die Borussia fast 28 Millionen Euro für Mkhitaryan an Schachtar Donezk. Diese Summe, das gab der sensible und zurückhaltende Fußballer zu, sei eine schwere Last gewesen. Trotzdem war schnell zu erkennen, welch hoch veranlagter Fußballer da verpflichtet worden war. In seiner ersten Saison gelangen Mkhitaryan neun Tore und neun Vorlagen. Aber die Leistungsausschläge nach oben und unten waren enorm. Häufig war nach fünf Minuten an seinem Verhalten zu erkennen, wie er aufgelegt ist.

Die vergangene Saison, die schlechteste des BVB unter Trainer Jürgen Klopp, war für den Armenier nahe an einem Fiasko. Bis zum 22. Spieltag stand eine mickrige Vorlage zu Buche, später wurden es immerhin noch drei Tore und sechs Vorlagen. Henrikh Mkhitaryan traf in den meisten Fällen die falsche Entscheidung, wenn es darum ging, einen Pass zu spielen oder abzuschließen, zu dribbeln oder den sicheren Querpass zu wählen.

Sofort wieder Vertrauen

Thomas Tuchel, Henrich Mchitarjan

Thomas Tuchel brachte Henrikh Mkhitaryan wieder in die Spur.

Es gab einige Spieler, denen der Wechsel von Klopp zu Thomas Tuchel gefallen haben wird. Henrikh Mkhitaryan gehörte dazu. Er blühte sofort unter dem neuen Trainer auf, spürte wieder Vertrauen, traf meistens die richtigen Entscheidungen, schoss Tore, gab Vorlagen. Henrikh Mkhitaryan ist einer der konstantesten Leistungsträger beim BVB, der noch immer die Chance auf drei Titel in dieser Saison hat, auch wenn sie in der Meisterschaft als gering eingestuft werden muss.

In der Europa League wird der Vergleich des Tabellenzweiten der Bundesliga gegen den Zweiten der Premier League auch ein Vergleich zwischen Mkhitaryan, 27 Jahre alt, und Christian Eriksen, 24, sein. Der dänische Nationalspieler von Tottenham stand 2013 auf der Liste des BVB, als es galt, einen Ersatz für Mario Götze zu finden. Eriksen hatte sogar schon öffentlich geäußert, dass er gerne von Ajax Amsterdam zu den Dortmundern wechseln wolle, aber das zerschlug sich. Die Dortmunder verpflichteten Mkhitaryan.

Statistisch vor Eriksen

Beide Vereine dürften inzwischen froh sein, dass es damals so gelaufen ist. Die Spurs haben zwar - wie der BVB - fünf Punkte Rückstand auf den Tabellenführer, aber der heißt in England Leicester City und ist so ziemlich das Gegenteil von Bayern München. Eriksen kommt, meistens eingesetzt im linken oder zentralen offensiven Mittelfeld auf fünf Tore und acht Vorlagen. In dieser Statistik ist ihm Mkhitaryan mit neun Toren und zehn Vorlagen voraus. Der Armenier sagte der Sport-Bild, dass er eine "überzeugende Saison" spiele. Als bescheiden galt er schon, als er vor etwa drei Jahren nach Dortmund kam.

Stand: 10.03.2016, 08:00

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