Deutsche Teams top auf Europas Bühnen

Stindl (l.) jubelt mit Ya Konan

Zwischenbilanz nach der Gruppenphase

Deutsche Teams top auf Europas Bühnen

Von Dirk Burkhardt

Hannover als Gruppensieger, Stuttgart im letzten Moment - alle gestarteten deutschen Klubs überwintern im Europapokal. Die Zwischenbilanz der Bundesliga nach der Gruppenphase ist eine Erfolgsgeschichte.

Am Ende konnten sich sogar die Stuttgarter trotz einer Niederlage freuen, aber nur ein bisschen. "Wir brauchen nicht zu feiern, sind aber froh, dass wir weiter sind", fasste Martin Harnik die Stimmungslage nach dem 0:1 gegen Molde FK zusammen. Weil parallel der FC Kopenhagen sein Heimspiel gegen Bukarest nicht gewinnen konnte, zog der VfB Stuttgart trotz der Pleite in die K.o.-Zwischenrunde der Europa League ein.

Stuttgart war am letzten Spieltag der Gruppenphase aus deutscher Sicht der einzige Wackelkandidat. Für Hannover, Mönchengladbach und Leverkusen stand die Europa-Planung über die Winterpause hinaus bereits vorher fest. Bayer 04 konnte sich sogar den Luxus erlauben, die letzten zwei Spiele mit einem B- oder sogar C-Team zu bestreiten.

Starke Bilanz

Da auch Dortmund, Bayern und Schalke 04 in der Champions League ohne Probleme weiterkamen, überwintert  die Bundesliga zum ersten Mal mit allen sieben gestarteten Teilnehmern im Europapokal. Alle anderen Verbände, also auch die Top-Nationen aus Spanien (Athletic Bilbao), England (Manchester City) und Italien (Udinese Calcio) haben mindestens einen Starter verloren.

Deutschland war damit die Top-Nation der Gruppenphase in beiden internationalen Wettbewerben. 23 Mal gingen deutsche Mannschaften als Sieger vom Platz, kein Verband schaffte mehr. Mit im Schnitt 0,9 Gegentreffern pro Spiel kassierten die deutschen Klubs die wenigsten Tore aller Top-Nationen. In allen ihren 42 Gruppenspielen hat die Bundesliga 83 Punkte geholt und damit mehr als die in der Uefa-Fünfjahreswertung führenden Nationen Spanien (77 Punkte) und England (64).

Italien abgehängt, England im Visier

Punkten die deutschen Teams in den K.o.-Runden weiter, könnten sie die insgesamt vier Starterplätze in der Champions League mittelfristig vor Italien auf Platz vier sichern und im Uefa-Ranking bald das zweitplatzierte England überholen. Ralf Rangnick, noch 2011 mit Schalke 04 im Halbfinale der Champions League und mittlerweile Sportchef in Salzburg, attestiert den deutschen Klubs vor allem eine größere taktische Reife: "Die positive Entwicklung hängt stark mit der Kompetenz der Trainer zusammen. In diesem Bereich hat Deutschland nicht aufgeholt, sondern die europäische Konkurrenz teilweise überholt", sagte er in einem Gespräch mit bundesliga.de.

Was fehlt, ist ein Titel. 2001 durften sich die Bayern mit dem Champions-League-Pokal als letzter deutscher Klub eine europäische Trophäe in die Vitrine stellen. Für Rangnick könnte das bald wieder der Fall sein: "Ich sehe außer Barcelona in der Champions League keinen Gegner, den Bayern, Dortmund oder Schalke wirklich fürchten müssen."

Auslosung am 20. Dezember

Auch in der Europa League hat man Lust auf mehr . "Wir wollen unseren erfolgreichen Weg fortsetzen und uns kein Limit setzen", sagt Bayer Leverkusens Trainer Sascha Lewandowski selbstbewusst. Auf sein Team wartet wie auf Mönchengladbach und Stuttgart in der K.o.-Zwischenrunde ein Gruppensieger der Europa League oder ein gesetzter "Absteiger" aus der Champions League. Hannover könnte es mit einem Gruppenzweiten aus der Europa League oder einem ungesetzten "Absteiger" zu tun bekommen.

In der "Königklasse" können Dortmund, Bayern oder Schalke nur auf einen Zweitplatzierten der Gruppenphase treffen - also nicht auf den FC Barcelona. Die Bundesliga kann sich auch noch nicht selbst dezimieren, weil nationale Duelle erst ab dem Viertelfinale möglich sind. Die nächsten Runden werden am 20. Dezember in Nyon ausgelost und je nach Los für die Spiele Mitte und Ende Februar 2013 könnte dann auch in Stuttgart die Freude deutlich ungezwungener sein, als nach dem Spiel gegen Molde.

Stand: 07.12.2012, 12:21