Platinis Euro-Revolution - die Vor- und Nachteile

Olympiastadion Berlin

EM 2020

Platinis Euro-Revolution - die Vor- und Nachteile

Die Fußball-EM 2020 wird in ganz Europa ausgetragen. Was bedeutet das eigentlich für Teams, Fans und die Austragungsorte?

Vorteil 1: Weniger Kosten

Als Argumente für eine europaweite EM führt UEFA-Chef Michel Platini unter anderem die Finanzkrise an. Die großen Fußball-Nationen haben (bis auf Italien) mehrere turniertaugliche, moderne Arenen. Enorme Kosten für den Stadion-Bau sind also nicht zu erwarten.

Vorteil 2: Ökonomische Nachhaltigkeit in schwierigen Zeiten

Das finanzielle Argument punktet auch in sachen Nachhaltigkeit: "Wir müssten keine Stadien oder Flughäfen bauen, gerade jetzt in Zeiten der wirtschaftlichen Krise", so Platini. Das dürfte in der Tat für die großen Metropolen zutreffen. In London macht man sich bereits Hoffnungen auf Halbfinal-Spiele oder ein Finale in Wembley. Der belgische Verband hat schon Brüssel als "Hauptstadt Europas" ins Gespräch gebracht. In Deutschland bringen sich bereits Berlin und München in Stellung.

Vorteil 3: Die Euro kommt zu den Fans

Das Turnier könnte auch in Ländern stattfinden, die besonders bei einem Turnier mit 24 Teams eher nicht zum Zuge kämen. Aber: Auch die Ukraine, Polen, Österreich und Portugal richteten in den vergangenen zehn Jahren die EURO aus, ohne jemals vorher Fußball-Welt- oder Europameisterschaften organisiert zu haben.

Nachteil 1: Weite Wege für die Fans

Für Fußballfans bedeutet solch eine Euro aufgrund der großen Distanzen eine logistische und finanzielle Herausforderung. Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach verwies bereits mehrfach auf die Probleme für Fans, die eine Ausrichtung des Turniers auf dem kompletten Kontinent mit sich bringen würde.

Nachteil 2:  Eine Euro ohne typische EM-Stimmung

Einer Euro auf dem ganzen Kontinent dürfte genau das fehlen, was Sport-Großereignisse ausmacht: die fast immer friedliche Begegnung von Menschen verschiedener Kulturen, die sich trotz Sprachbarrieren über die gemeinsame Leidenschaft Fußball verständigen können. FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke sieht deshalb auch keine Chance für eine Übertragung der Platini-Idee auf Fußball-Weltmeisterschaften. "Durch eine solche Vorgehensweise wird der Geist des Wettbewerbs zerstört. Das Besondere ist doch, dass man in einem oder zwei Austragungsländern vor Ort ist und sich dort die WM-Spiele anschaut", sagte Valcke.

Nachteil 3: Reisestrapazen für Außenseiter

Stadion in Lwiw

Nicht viel los im Stadion von Lwiw

Besonders für Teams, deren Land keinen Austragungsort stellt, könnte die Euro 2020 mit großen Reisestrapazen und damit einem Wettbewerbsnachteil verbunden sein. Um von einem Spielort zum nächsten zu kommen, könnten auf einige Nationalmannschaften längere Reisen zwischen Portugal und Russland, der Türkei und England zukommen.

Nachteil 4: Fehlender "eigener Charakter"

Die Identität eines Turniers, das sich oft erst während der Ausrichtung entwickelt, würde verloren gehen. Das deutsche WM-Sommermärchen entwickelte sich auch 2006 erst während des Turniers. Auch in Südafrika sind viele schöne Bilder aus den Straßen nur geblieben, weil der Zuschauer sich von zu Hause über Wochen den afrikanischen Fans inklusive Vuvuzela-Getröte annähern konnte. Und die rot gekleideten und vor Ekstase jubelnden Massen aus Südkorea 2002 wären auch nicht im Gedächtnis geblieben.

Nachteil 5: Kein Bildungseffekt – kaum Werbung für den Gastgeber

Durch die ausführliche Berichterstattung während einer Euro wird oftmals Überraschendes aus den Ländern zu Tage gefördert. Für viele Länder ist eine Europameisterschaft eine große Chance, sich der Weltöffentlichkeit zu präsentieren und Touristen ins Land zu holen. "Es bedarf eines bestimmten Geistes, Brasilien will bei der WM 2014 ja auch seine Kultur in den Vordergrund rücken, zeigen, was das Besondere Brasiliens ausmacht.", betonte Valcke.

red/dpa/sid | Stand: 07.12.2012, 12:38

Kommentare zum Thema

13 Kommentare

Neuester Kommentar von "sevenstones", 08.12.2012, 10:15 Uhr:

Ich glaube in Europa, wäre es immer besser nach die deutsche pfeiffe zu tanzen. Platini aber ist das egal und das freut mich !

Kommentar von "ferengi67", 08.12.2012, 10:01 Uhr:

hm, wer ist denn jeweils die heimmannschaft? spiele in deutschland? sicher ohne unsere mannschaft, da wir ja sonst das heimteam wären; und das bei allen spielen in allen ländern? eine em macht dann sinn, wenn das heimteam am meisten anefeuert wird, wenn überall kein heimteam spielt, was dann? man wird immer gründe finden, warum eine em gut ist; platini wird volle stadien erwähnen, große einnahmen, ob aber auch den "kunde" fan damit zufrieden sein wird? jeder möchte doch auch traditionelles; warum wird es hier so verschachert? ich bin verärgert...

Kommentar von "Jürgen", 07.12.2012, 19:24 Uhr:

Schaut euch die Stadien in Südafrika an. Die Berichte über Leerstände und Verfall kommen regelmäßig. In der Ukraine wird es nicht viel anders sein. Ich finde- es ist einen Versuch wert.

Kommentar von "Fussball-Fan", 07.12.2012, 17:38 Uhr:

Meine Hoffnung war bis zu letzt, dass sich die nationalen Verbände der Profilierungssucht von Platini wiedersetzen. Geschickter Weise wird aber offen gelassen, welche Länder die EM ausrichten sollen. Die großen Verbände werden sich noch wundern, weil letztlich als Wiederwahlmaßnahme für Platini fast alle Spiele in den kleinen EM Ländern stattfinden werden, die sonst nie ein Tunier ausrichten würden. Dort muss dann trotzdem für läppische drei Spiele die Infrastruktur geschaffen werden. Weil jedes Land das schönste Station bauen will, wird das genauso "nachhaltig" wie die WM 2002. Da Platini auch keine Skupel vor undemokratischen Regimen hat, freuen wir uns also auf Spiele in Minsk, Baku oder Astana.

Kommentar von "Anonym", 07.12.2012, 17:29 Uhr:

Schlechte Idee. Dass EM-Turnier sollte dan aber alle Mannschaften die Chance geben um das Turnier zu gewinnen.Alle sollen mitmachen.

Kommentar von "felix", 07.12.2012, 16:58 Uhr:

das ist das sinnloseste was ich je gehört habe. platini ist war ein guter fußballer, aber er ist ein schlechter uefa-präsident.

Kommentar von "Asperitias", 07.12.2012, 16:52 Uhr:

Ich kann mir vorstellen, dass das "Fussballfest" dann eben in ganz Europa ausgetragen wird, schließlich werden wir sicher auch Fanmeilen haben und wenn dann ein oder zwei Spiele in Deutschland stattfinden wäre das doch toll. Mit dem Reisen, das kann man auch anders sehen, denn durch den Modus kommen die Fans in allen Ländern an eine Chance ein Spiel live zu sehen, ohne große Reisekosten. Das finde ich besser, als wenn einzelne "Fans" gleich etliche Spiele live sehen und andere gar nicht die Chance dazu haben,weil sie es sich nicht leisten können ins Gastgeberland zu reisen. Jetzt meckern viele nur rum, denn das ist ja auch einfacher als sich selbst was Besonderes fürs Jubiläum auszudenken. Am Ende wird sich vielleicht rausstellen, dass Platini das Ding wieder mal genauso zielsicher eingelocht hat,wie zu seiner aktiven Zeit. Ich lass mich überraschen und freue mich drauf.

Kommentar von "Thomas S.", 07.12.2012, 16:14 Uhr:

Ich finde auch, die Idee ist nicht zu Ende gedacht. In den meisten großen Ländern Europas braucht weder ein Stadion noch ein Flughafen gebaut werden (gut, in Berlin werden sie vielleicht 2020 fertig...). Alles da inklusive Infrastruktur. Bei so einer Euro kommt bestimmt keine Stimmung auf. Und als Fan bist du der Blöde und nur auf Reisen, wenn du alle Spiele Deiner Mannschaft sehen willst. Deine Mannschaft spielt gut und steht im Finale. Macht, wenn ich richtig rechne 7 Spiele = 7 verschiedene europ. Staaten, von Portugal bis Russland, von Stockholm bis Ankara usw.! Also doch neue Stadien und neue Flughäfen...??? Und Deutschland wird bestimmt nicht alle Spiele in Deutschland austragen dürfen... Als große Fussballnation bestimmt nicht. Und: Wahrscheinlich werden die Spiele auch nur im Bezahlfernsehen gezeigt... Dann findet die Euro ohne mich statt... PS.: So eine Idee wäre für einen Europapokal der Länder interessant, abwechselnd zur eigentlichen Euro... Eine Idee für Herrn Platini???

Kommentar von "Sammy Sane", 07.12.2012, 15:32 Uhr:

Ich finde das eine gute Idee. Einmal kann man das ja machen.

Kommentar von "Lumpi", 07.12.2012, 15:21 Uhr:

Ich kann mir nur schwer vorstellen ob dieses Konzept funktioniert. Eigentlich finde ich es schöner wenn eine EM in einem Land stattfindet. Aber Spiele im Berlin wären natürlich fein.

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