Stuttgart fühlt sich reif für den BVB

Jürgen Kramny

DFB-Pokal

Stuttgart fühlt sich reif für den BVB

Fünf Pflichtspielsiege in Folge machen den VfB mutig für die Herausforderung im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund. Die Stuttgarter wollen sich vor dem Viertelfinale nicht unnötig klein machen.

Ist doch schön, wenn sich der erste Kreis schließt. Das hat sich zumindest Jürgen Kramny gedacht, als er am Montag (08.02.2016) auf der Pressekonferenz darauf angesprochen wurde, was er aus dem Einstand als Cheftrainer in der Bundesliga nun für den DFB-Pokal mitnehme. Seine Premiere hatte er gegen den BVB noch mit 1:4 verloren. Genau wie Ende November ist am Dienstag (20.30 Uhr, live im Ersten) abermals Borussia Dortmund der Gegner. Doch die Zeiten sind vorbei, dass die Schwaben sich vor dem Duell mit dem Bayern-Verfolger klein machen.

"Wir sind jetzt in der Lage, Dortmund zu schlagen. Jeder hat Lust darauf, das Spiel zu gewinnen. Zwei Spiele, dann bist du in Berlin", sagte der 44 Jahre alte VfB-Coach betont selbstbewusst. Zwar sei die Bundesliga auch weiterhin "unser wichtigstes Kerngeschäft", betonte Kramny, "aber es ist eine Riesenchance für uns, Richtung Berlin zu schauen. Wir können im Pokal auf uns aufmerksam machen - und das wollen wir auch."

Kramnys Rezept: Sich selbst nicht so wichtig nehmen"

Das Selbstbewusstsein klingt nicht einmal aufgesetzt. Denn binnen zweieinhalb Monaten hat der neue Coach, zunächst nur interimsmäßig beschäftigt, nun aber in Festanstellung, die richtigen Stellschrauben betätigt. Kramny hat den Kader ziemlich rasch in die Spur gebracht. "Wir haben Kompaktheit hergestellt, im Trainingslager am Teamgeist gearbeitet und die Abläufe automatisiert", blickte der gebürtige Ludwigsburger nach dem 4:2-Erfolg bei Eintracht Frankfurt zurück.

Es musste erst ein Pragmatiker aus der eigenen U23 kommen, um das Umfeld nach dem viel zu eigenwilligen und starsinnigen Alexander Zorniger zu befrieden. Kramnys Geheimnis? "Er selbst nicht sich nicht so wichtig - entsprechend wichtig fühlen sich alle in seiner Umgebung. Das macht er clever", urteilt Sportdirektor Robin Dutt. Es hat bei den Schwaben wohl einfach einen an der Linie gebraucht, der auf ein bisschen mehr Ordnung und Charakter achtet.

Kein Harakiri mehr beim VfB

Spielmacher Daniel Didavi sprach zuletzt ohne Scheu über die Unterschiede, die von der Trainerbank verordnet wurden: "Wir haben eine gute Balance gefunden, die wir vorher nicht hatten. Wir waren zu anfällig, jetzt sind wir viel stabiler. Und mit den Siegen kommt das Selbstvertrauen."

Schlagabtausch ja, Harakiri nein - auf diese Kurzformel kann der aktuelle Stil gebracht werden, der mit hohem Tempo, spielerischer Leichtigkeit und großer Selbstüberzeugung gelingt, so dass Dutt bereits ernsthaft Fragen nach höheren Zielen im Liga-Betrieb abwehren musste. Dort stößt der VfB, im Vergleich zu den hochgerüsteten Spitzenklubs, noch an natürliche Limits, die sollen aber fürs anstehende Pokalspiel gegen den BVB nicht gelten.

Dutt sagt zwar, es brauche im Vorfeld "weder Kampfansagen oder Sprüche", aber eines könne er versprechen: "Wir werden uns nicht klein machen, sondern einen harten Kampf liefern." Der Sportchef empfiehlt nur, bitte etwas stabiler zu stehen. "Noch haben wir ein paar Wackler zu viel drin. Und den Dortmundern werden ein paar weniger Chancen langen als Frankfurt, um Tore zu schießen." Kramny erwartet ein "Hin und Her", und dabei gelte: "Es ist nicht unmöglich, ins Halbfinale einzuziehen."

Besonderes Spiel für Großkreutz

Akzente verspricht sich der VfB vor allem von seinem Winter-Zugang Kevin Großkreutz, für den das Duell mit seinem Ex-Verein etwas Besonderes ist. Kramny hofft, dass der 27-Jährige "mit aller Aggressivität ins Spiel geht, aber sich auch unter Kontrolle hält". Er geht davon aus, "dass Kevin besonders heiß auf das Spiel ist“ , so Kramny.

Der Coach kündigte für das Spiel "möglicherweise zwei, drei Änderungen" in der Startformation an. "Die Entscheidung ist noch nicht zu 100 Prozent getroffen. Aber vielleicht werden wir auf der Torwartposition wechseln.“ Dann würde der Ex-Dortmunder Mitch Langerak für Stammkeeper Przemyslaw Tyton im Tor der Schwaben stehen. "Jeder sieht, dass er seinen Wert für die Mannschaft hat.“  

Stand: 08.02.2016, 16:00

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