Das DFB-Sportgericht bestraft die Falschen

Leere Fankurve beim Pokalspiel in Frankfurt

Kommentar

Das DFB-Sportgericht bestraft die Falschen

Von Chaled Nahar

Nur wenige Menschen durften beim Pokalspiel von Eintracht Frankfurt ins Stadion. Mit dem Zuschauerausschluss hat das DFB-Gericht erneut die falschen Leute bestraft.

51.500 Menschen passen in das Stadion von Eintracht Frankfurt, im Pokalspiel gegen Ingolstadt durfte jedoch nur ein kleiner Teil hinein. Das DFB-Sportgericht hatte den Verein mit diesem und einem weiteren Zuschauerausschluss für die Ausschreitungen einiger seiner Anhänger im Spiel der 1. Runde des DFB-Pokals beim 1. FC Magdeburg bestraft. Zehntausende Fußballfans haben damit dieses Spiel verpasst - mehr hat das Sportgericht mit seinem Urteil nicht erreicht.

Der Zuschauerausschluss ist zum Standard geworden

In der Diskussion über Gewalt im Fußball ist eine sprachliche Spirale entstanden: Polizeigewerkschafter fordern immer härtere Maßnahmen wie die Abschaffung von Stehplätzen, Innenminister plädieren für ein konsequenteres Durchgreifen, viele Medien verstärken diese Rufe und der DFB beugt sich im Regelfall mit den Urteilen seines Sportgerichts dieser Stimmung.

Zuschauerausschlüsse und Geisterspiele sind in Deutschland und in Europa eine standardmäßig praktizierte Strafe geworden. 2004 gab es das erste Geisterspiel auf Profiebene in Deutschland zwischen Alemannia Aachen und dem 1. FC Nürnberg, nachdem Nürnbergs Trainer Wolfgang Wolf von einem Wurfgeschoss getroffen worden war. Seitdem werden immer wieder Blöcke oder ganze Stadien gesperrt, wenn Bierbecher, Fäuste oder Feuerwerkskörper fliegen.

"Wir tun was" - das ist die Botschaft dieser Strafen. Doch dieser Aktionismus führt kaum zu Veränderungen, auch wenn die Intention gut klingt: Zivilcourage anderer Fans sollte gefördert und Übeltäter zum Nachdenken animiert werden.

Die Strafen verfehlen die beabsichtigte Wirkung

Doch wer Leuchtraketen in andere Blöcke schießt, so wie es in Magdeburg durch einen Frankfurter Anhänger geschehen ist, hat das Thema "Nachdenken" schon lange hinter sich gelassen. Und es ist leicht, aus den Plüschsesseln der Hochglanzstadien nach Zivilcourage zu rufen, wenn man nicht die eigenen Zähne in der Diskussion mit einem vermummten Bengaloschwenker riskieren muss. Die Strafen verfehlen meist die beabsichtigte Wirkung.

Im Fall Frankfurt gab es einen seltenen Fall von Zivilcourage. Ein Eintracht-Fan filmte den Mann, der Feuerwerkskörper in einen Magdeburger Block geworfen haben soll und übergab das Video der Polizei. Die konnte den Mann ausfindig machen, ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz sowie gefährliche Körperverletzung werden ihm nun vorgeworfen.

Ein vorbildlicher Ablauf, der belohnt werden sollte - möchte man meinen. Doch die Eintracht scheiterte beim DFB-Sportgericht mit dem Versuch, das Verfahren wiederaufnehmen zu lassen. Gut möglich, dass der filmende Fan das Spiel seiner Mannschaft gegen Ingolstadt verpasst hat - trotz seiner Zivilcourage.

Der Rechtsstaat ist verantwortlich, nicht der DFB

Der Rechtsstaat hat die Aufgabe, Straftäter durch die Polizei zu ermitteln, mit einem Staatsanwalt anzuklagen und vor einem Gericht bei nachgewiesener Schuld zu verurteilen. Beim Spiel Magdeburg gegen Frankfurt, bei dem noch weitere Täter identifiziert wurden, scheint das einigermaßen zu gelingen. Allein das hat eine abschreckende Wirkung auf potenzielle andere Täter. Alle anderen Fans sollten in Ruhe Fußball gucken dürfen.

Stand: 26.10.2016, 09:47

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