Der 1. FC Nürnberg in der Zwickmühle

Die Nürnberger Kevin Möhwald, Tim Leibold und Patrick Kammerbauer (von links)

DFB-Pokal

Der 1. FC Nürnberg in der Zwickmühle

Von Frank van der Velden

Beim 1. FC Nürnberg laufen im Sommer gleich zwölf Verträge aus. Die Leistungsträger zieren sich mit der Unterschrift unter einen neuen Kontrakt. Der "Club" steckt deshalb in der Zwickmühle. Helfen könnte ein Pokalsieg gegen den VfL Wolfsburg.

Die Winterpause naht. Beim 1. FC Nürnberg hört man das nicht so gerne. Denn in der Winterpause musste der "Club" in den vergangenen Jahren immer seine besten Spieler abgeben. Im Januar 2016 verließ Alessandro Schöpf den Verein, ein Jahr später war es Guido Burgstaller. Beide wechselten zum FC Schalke.

Auch in diesem Winter müssen die Franken wohl um den ein oder anderen ihrer Stars bangen. Im Sommer 2018 laufen zwölf Verträge aus. Mit Kevin Möhwald, Tim Leibold sowie den Eigengewächsen Cedric Teuchert und Patrick Kammerbauer würde Sportvorstand Andreas Bornemann lieber heute als morgen verlängern. Doch die Spieler zieren sich.

Es droht ein harter Winter

Andreas Bornemann

Andreas Bornemann

Denn sie wollen im Sommer gerne in der Bundesliga spielen. Am liebsten natürlich mit Nürnberg, doch sie wissen nicht so recht, ob das auch funktioniert. Nach 18 Spieltagen steht der "Club" in der Zweitliga-Tabelle zwar auf Relegations-Rang drei und hat nur einen Punkt Rückstand auf Tabellenführer Fortuna Düsseldorf. Doch ob es im kommenden Mai dann wirklich eine Liga höher geht, weiß niemand.

Falls es nicht klappt mit dem Aufstieg könnte sich das Quartett den Traum von der Bundesliga bei einem anderen Verein erfüllen. Womit wir beim Problem wären. Da die Verträge im Sommer auslaufen, bekäme Nürnberg kein Geld für seine Stars. Das würde aber bei einem Winter-Wechsel fließen. Und es ist über die Jahre zur Philosophie des Vereins geworden, keinen Spieler abslösefrei ziehen zu lassen. "Es wäre Gift für uns, wenn Leistungsträger mit auslaufenden Verträgen uns ohne Ablöse verlassen wollen", sagt Bornemann.

Hohe Schulden

Dahinter steckt, dass den chronisch klammen 1. FCN hohe Schulden drücken. Finanzvorstand Michael Meeske musste auf der Jahreshauptversammlung im Oktober 2017 Verbindlichkeiten von 20,8 Millionen Euro eingestehen.

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Bornemann betont, dass er dennoch im Winter nicht zwingend einen Spieler verkaufen müsse. Doch wenn ein lukratives Angebot kommt, wird wohl auch er schwach. Für ihn wäre das ein Spagat. Der Sportvorstand müsste die Situation dann genau abwägen und schauen, ob es personelle Alternativen gibt. Denn auf der einen Seite muss er den "Club" wirtschaftlich konsolidieren, auf der anderen Seite muss der Aufstieg her. Helfen könnte ein Sieg im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den VfL Wolfsburg. Der Einzug in die nächste Runde würde dem Verein 1,273 Millionen Euro in die Kasse spülen.

Kein Geld oder kein Aufstieg

Cedric Teuchert

Cedric Teuchert

So ist Nürnberg in der Zwickmühle. Bekommt Bornemann die Verträge nicht zeitnah unter Dach und Fach, gibt es im Falle des Nicht-Aufstieges im Sommer kein Geld für abwanderungswillige Spieler. Gibt er in der Winterpause Leistungsträger ab, klappt es vielleicht nicht mit dem Aufstieg.

Dabei stimmt es sportlich ja. Die Mannschaft ist jung, gilt als entwicklungsfähig, und sie hat Erfolg. "Wir hoffen darauf, dass die erkennbare Entwicklung unserer Mannschaft den einen oder anderen doch überzeugt, unseren Weg mitzugehen", sagt Bornemann.

Den Fans wären Abgänge wohl nicht vermittelbar

Hinzu kommt, dass der Verkauf von Leistungsträgern im Winter den Fans wohl nicht beizubringen wäre. Denn die sehnen die Rückkehr in die Bundesliga herbei. Nach dem Abstieg 2014 nimmt Nürnberg mittlerweile den vierten Anlauf. 2016 scheiterte der "Club" als Dritter in der Relegation knapp an Eintracht Frankfurt, und nicht wenige fragten sich damals, ob das mit Mittelfeldmann Schöpf nicht anders gewesen wäre.

Nürnbergs Trainer Michael Köllner

Nürnbergs Trainer Michael Köllner

Ob die Leistungsträger ihre Verträge verlängern, ob sie wechseln oder im Sommer dann ablösefrei sind, das alles wird sich in der Winterpause zeigen. Bornemann hofft natürlich, dass kein anderer Verein überhaupt Interesse zeigt und dass es dann im Frühjahr mit dem Aufstieg klappt.

Zukunft von acht weiteren Spielern offen

Spätestens dann muss er auch entscheiden, was aus den anderen acht Spielern wird, deren Verträge auslaufen. Bei Torwart Thorsten Kirschbaum, Tobias Werner und Ondrej Petrak ist die Sache offen, Luca Hufnagel ist ohnehin nur ausgeliehen vom SC Freiburg. Bei anderen Spielern wäre der FCN dagegen wohl schon einem Wechsel im Winter nicht abgeneigt. Enis Alushi, Miso Brecko, Laszlo Sepsi oder Rurik Gislason spielen bei Trainer Michael Köllner jedenfalls keine große Rolle mehr.

Thema in: Sportschau, das Erste, Dienstag, 19.12, ab 22.45 Uhr

Stand: 19.12.2017, 08:00

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