Bei Heidenheim zählt der Heimatgedanke

Heidenheims Trainer Frank Schmidt

Herthas Gegner im DFB-Pokal

Bei Heidenheim zählt der Heimatgedanke

Beim 1. FC Heidenheim ist alles ein bisschen anders. Dort, wo heute das Stadion steht, standen früher Pferde auf einer Wiese. Trainer Frank Schmidt wurde nur 100 Meter von der Arena entfernt geboren. Und auch die Profis kommen größtenteils aus der Umgebung. Das Motto "Eine Stadt. Ein Verein. Wir sind Heidenheim" wird hier gelebt.

Vor nicht einmal einem Jahrzehnt war daran aber noch gar nicht zu denken. Erst 2007 entstand der Klub von der Schwäbischen Alb aus der Abspaltung der Fußballabteilung des Heidenheimer Sportbund 1846. Schon zwei Jahre später folgte der Aufstieg in die 3. Liga, 2014 feierten die Schwaben schließlich den Einzug ins Bundesliga-Unterhaus.

Und nun steht für Heidenheim der bisher größte Erfolg der Vereinsgeschichte bevor: Das DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Hertha BSC. Auch wenn der Zweitligist krasser Außenseiter ist, klein beigeben will Heidenheim auf keinen Fall. "Wir werden versuchen, gegen einen sehr starken Gegner unser Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen", sagte Trainer Schmidt vor dem Duell am Mittwoch: "Es ist nur ein Spiel, da ist es einfacher zu überraschen."

Der Heimatgedanke zählt

Schmidt steht sinnbildlich für den Erfolg des Vereins aus der 47.000-Einwohner-Stadt im Osten Baden-Württembergs, eine ausgesprochene Fechter-Hochburg. Der 42 Jahre alte gelernte Bankkaufmann war von 2003 bis 2007 selbst Spieler beim FCH, damals noch in der Oberliga, wurde im Anschluss Trainer und führte seine Kicker aus der sechsten in die zweite Liga. "Fast alle handelnden Personen sind aus Heidenheim. Das gibt es in dieser Form nirgendwo anders in der 1. oder 2. Bundesliga. Das ist einmalig im deutschen Profifußball", sagte der langjährige Geschäftsführer Holger Sanwald.

Kapitän Marc Schnatterer (l.) mit Teamkollege Arne Feick

Kapitän Marc Schnatterer (l.) mit Teamkollege Arne Feick

Doch nicht nur bei den Verantwortlichen, auch bei der Mannschaft zählt der Heimatgedanke. Spieler werden bevorzugt im Raum Süddeutschland gescoutet, nur drei Spieler mit einem ausländischen Pass stehen bei Heidenheim unter Vertrag. Lange Zeit zahlte der Klub nie eine Ablöse. Inzwischen sehen sich die Heidenheimer auch in anderen Bundesländern um.

Bundesliga kein Thema

So wurde im Winter der Norweger Bard Finne vom 1. FC Köln geholt, der der bisher schwächelnden Offensive des Zweitliga-Achten wieder frischen Wind einhauchen soll. Schmidt: "Spieler, die verwöhnt sind, sind hier fehl am Platz. Und wer sich wichtiger nimmt als er ist, wird hier scheitern." Es ist aber nicht alles nur eitel Sonnenschein. Kritiker vergleichen den Klub immer wieder mit 1899 Hoffenheim ohne Fankultur und Tradition.

"Von Hoffenheim sind wir aber wie die Strecke von der Erde bis zum Mond entfernt", sagte Schmidt einmal. Diese Vergleiche ärgern ihn, wird doch die jahrelange gründliche Planung und harte Arbeit falsch gewürdigt. Heidenheim habe eben keinen Mäzen wie Dietmar Hopp, sondern ist das Projekt einer ganzen Region. Aber ohne Großsponsoren geht es natürlich trotzdem nicht.

Auch wenn Heidenheim nicht mit Hoffenheim in eine Schublade gesteckt werden möchte, gegen den sportlichen Erfolg mit dem Aufstieg in die Bundesliga hätte in der schwäbischen Provinz bestimmt keiner etwas einzuwenden. "In Heidenheim spricht keiner von der 1. Liga, um Gottes Willen. Aber es gibt Beispiele, die zeigen, was passiert, wenn man mit einer guten Philosophie arbeitet", sagte Schmidt spox.com und dachte dabei bestimmt nicht nur an den SC Freiburg, sondern auch an den eigenen Verein.

sid, red | Stand: 10.02.2016, 08:00

Darstellung: