Hansa Rostock - vom Vorzeigeklub zum Sorgenkind

Amaury Bischoff von Hansa Rostock

DFB-Pokal

Hansa Rostock - vom Vorzeigeklub zum Sorgenkind

Von Frank van der Velden

Hansa Rostock war mal ein Vorzeigeklub. Jetzt kämpft der Verein in der dritten Liga um die Existenz,  träumt aber dennoch von der Rückkehr in Liga zwei. Gegen Hertha BSC spielt Hansa jetzt nochmal auf der großen DFB-Pokal-Bühne. Vom Auf und Ab eines Traditionsvereins.

In der "ewigen Tabelle" der Fußball-Bundesliga liegt Hansa Rostock auf Platz 26. Damit sind die Norddeutschen statistisch gesehen der beste Klub aus der ehemaligen DDR-Oberliga. Zwölf Jahre spielten die Blau-Weißen in der Bundesliga, zwischen 1995 und 2005 sogar zehn Jahre am Stück. Der letzte Meister und Pokalsieger der DDR hatte sich etabliert, stand für Kontinuität, war Vorzeigeklub, galt als "Leuchtturm" des Nordens oder als "letzte Bastion" des DDR-Fußballs. Zu Rostocker Glanzzeiten wurden Spieler wie Victor Agali, Sergej Barbarez, Stefan Beinlich, Oliver Neuville oder Marko Rehmer zu Stars und für viel Geld an andere Klubs verkauft. Das 2001 eröffnete Ostseestadion war die erste moderne Fußball-Arena in der gesamten Region. Das alles war gut fürs Image, und gut fürs Selbstwertgefühl.

Seit 2008 geht es bergab

Seit dem Bundesliga-Abstieg im Frühjahr 2008 geht es mit Rostock bergab. Die Schulden stiegen kontinuierlich. Zwischenzeitlich stand Hansa vor der Insolvenz. 2012 half die Stadt mit einer Millionenbürgschaft aus. Verursacht wurde das vor allem durch Misswirtschaft früherer Vorstände und die Infrastruktur mit teurer Nachwuchsakademie und Geschäftsstelle. Das weitgehend selbst finanzierte Ostseestadion wurde finanziell zum Klotz am Bein, weil der Klub das Darlehen nicht mehr tilgen konnte. Hinzu kommt die mangelnde Wirtschaftskraft des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Dort haben nur wenige große Unternehmen ihren Hauptsitz, und die Sponsorensuche ist schwierig.

Gegen Hertha auf der großen Bühne

Im August 1991 gewann Rostock bei Bayern München

Im August 1991 gewann Rostock bei Bayern München

Seit 2012 kämpft Hansa in der 3.Liga um sein wirtschaftliches Überleben. Sportlich gesehen kommt das Team nicht mal in die Nähe der Aufstiegsplätze. Im vergangenen Jahr landete es auf Platz 15. Am Montag kehrt Rostock auf die große Bühne zurück. In der ersten Runde des DFB-Pokals (ab 20.15 Uhr live im Ersten und auf sportschau.de) empfängt der Klub den Bundesligisten und Europa-League-Teilnehmer Hertha BSC. Eine ganze Region hofft auf eine Pokalüberraschung.

Pokal-Einnahmen schon verplant

Der Sieg im Landespokal gegen den Verbandsligisten MSV Pampow war Gold wert. Hansa rechnet gegen die Hertha mit Einnahmen in Höhe von rund 250.000 Euro. Das Geld ist Teil eines Paketes, das Rostock brauchte, um die Lizenz für die aktuelle Drittliga-Saison zu bekommen. Noch im Juni fehlten 1,3 Millionen Euro. Zudem konnte der Klub frische Sponsorengelder in Höhe von 150.000 Euro nachweisen. Zusätzliches Geld brachte ein Freundschaftsspiel gegen den VfL Wolfsburg im Juli.

Abhängig von Rolf Elgeti

Rolf Elgeti

Rolf Elgeti

Doch der eigentlich Retter heißt Rolf Elgeti. Der Unternehmer und Hansa-Investor steuerte per Darlehen 700.000 Euro bei. "Rolf Elgeti gewährt uns eine lange finanzielle Startbahn, für die wir dankbar sind. Uns haben Schulden aus der Vergangenheit eingeholt, die nun fällig werden. Wir sind zuversichtlich, dass wir bereits ab der Saison 2018/19 den laufenden Geschäftsbetrieb aus eigener Kraft stemmen können und von da an kein frisches Geld mehr benötigen", sagt Hansa-Finanzvorstand Christian Hüneburg.

Fakt ist, dass Rostock komplett abhängig ist von Elgeti. Denn der springt nicht zum ersten Mal ein. Insgesamt gab er dem Klub drei Darlehen, die allesamt gestundet wurden - unter anderem eins für das Stadion und die Geschäftsstelle. Gesamthöhe: rund 15 Millionen Euro. Dafür hält er seit der Ausgliederung der Profiabteilung 45 Prozent der Anteile an der Spielbetriebsgesellschaft, Hansa den Rest. Die Ausgliederung hatte der Investor zur Bedingung für sein Engagement gemacht.

"Heimat und Ikone des Fußballs"

"FC Hansa Rostock ist für mich vor allem Heimat. Ich war schon als kleiner Junge mit meinem Vater im Stadion und habe schon vor der Wende Spiele gesehen. Und seitdem bin immer dabei geblieben. Als Jugendlicher hatte ich meine Dauerkarte im Fanblock", sagt Elgeti. Der Unternehmer ist mit Leib und Seele Hansa-Fan, ein Glücksgriff für den Klub. Er wurde im Landkreis Rostock geboren, für ihn ist Hansa "eine Ikone des Fußballs bei uns im Lande."

Hooligans machen Ärger

Fans von Hansa Rostock

Fans von Hansa Rostock

Überhaupt: Die Liebe der Rostocker zu Hansa ist groß. Sie ist dem Klub trotz aller Probleme immer geblieben. Zu den 19 Heimspielen der vergangenen Saison pilgerten im Schnitt 11.433 Fans. Hansa hat aber auch ein Hooligan-Problem. Erst zuletzt wurde der Klub zu einem Ausschluss seiner Anhänger in zwei Auswärtsspielen sowie zu einer Geldstrafe in Höhe von 12.000 Euro verdonnert. Im Januar hatte Hansa gegen Regensburg sogar ein "Geisterspiel" ohne Zuschauer bestreiten müssen.

Hoffen auf eine bessere Zukunft

Mit Elgeti als Investor hofft Hansa jetzt auch sportlich auf eine bessere Zukunft. Für die aktuelle Spielzeit hat der Klub den Lizenzspieler-Etat auf vier Millionen Euro erhöht. Mittelfristig ist die Rückkehr in die zweite Liga das erklärte Ziel. Auch der Unternehmer hofft, dass Hansa in Zukunft oben angreifen kann. "Ich will helfen, dass genug Diesel im Tank ist", sagt Elgeti. Und wer weiß? Vielleicht geht es ja dann auch irgendwann in der "ewigen Tabelle" der Bundesliga mal wieder nach oben.

Stand: 14.08.2017, 08:00

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