Großkreutz - Mit neuer Stärke gegen die alte Liebe

Kevin Großkreutz fühlt sich sichtlich wohl in Stuttgart

Kevin Großkreutz vom VfB Stuttgart

Großkreutz - Mit neuer Stärke gegen die alte Liebe

Von Marco Schyns

Das letzte halbe Jahr verlief turbulent für Kevin Großkreutz. Von Heimatklub Borussia Dortmund aussortiert, ging es über den Umweg Istanbul zurück in die Bundesliga – zum VfB Stuttgart. Mit den Schwaben trifft der Weltmeister von 2014 im DFB-Pokal auf seinen Ex-Klub.

Trotz der von Trainer Jürgen Kramny angekündigten Rotation wird Großkreutz gegen den BVB wohl von Beginn an ran dürfen. Schließlich hat sich der 27-Jährige binnen weniger Wochen bereits festgespielt auf der Position des Rechtsverteidigers. Jene Position, die Großkreutz auch bei seinem letzten Pflichtspiel für den BVB bekleidete – am 4. Februar 2015 beim 0:1 gegen den FC Augsburg.

Gut ein Jahr ist das her. Umso bemerkenswerter, dass VfB-Coach Kramny seit Beginn der Rückrunde auf ihn setzt. Gleich zum Auftakt gegen den 1. FC Köln durfte Großkreutz als Rechtsverteidiger ran. Kramny begründete die Entscheidung damals eher mit der Einstellung seines Schützlings, als mit dessen Form. "Er ist noch nicht bei 100 Prozent nach dem halben Jahr in der Türkei, auch was sein fußballerisches Vermögen angeht. Er ist aber richtig heiß und man sieht, dass er Lust hat, Fußball zu spielen und zu gewinnen", so Kramny nach dem 3:1-Erfolg über die Kölner.

Ordentliche Bilanz

Kevin Grosskreutz  jubelt mit Mario Götze und Felipe Santana

Großkreutz steht seit jeher für Leidenschaft. Ein Filigrantechniker, der erst zwei Gegner mit Übersteigern links stehen lässt, bevor er die punktgenaue Flanke ansetzt, war er noch nie. Aber schon zu seinen Zeiten beim BVB war der gebürtige Dortmunder ein perfektes Beispiel, dass nicht nur herausragendes fußballerisches Können über eine erfolgreiche Karriere entscheidet. Immerhin kann Großkreutz, neben dem WM-Titel, zwei Meisterschaften und einen DFB-Pokal-Triumph vorweisen.

Kevin Grosskreutz mit rasiertem Kopf nach gewonnener Meisterschaft mit dem BVB

Dabei liest sich seine Bundesliga-Bilanz gar nicht schlecht: In 176 Spielen für die Dortmunder kam er auf 23 Tore und 28 Vorlagen. Ex-BVB-Coach Jürgen Klopp setzte ihn meist als Linksaußen ein, obwohl der 1,86 Meter große Großkreutz neben seinen Parade-Positionen auf den Außenbahnen auch schon im zentralen Mittelfeld und als hängende Spitze. Vielseitigkeit ist noch so ein großer Vorteil, den Großkreutz vielen Spielern voraushat. Klopp bezeichnete ihn eins sogar als "taktisches Genie".

Zurück auf der Lieblingsposition

In Stuttgart ist er zurück in seiner favorisierten Rolle. "Ich habe immer gut gespielt, wenn ich auf dieser Position eingesetzt worden bin", sagte der Alleskönner 2013 über die rechte Verteidiger-Position. Bei seinem neuen Arbeitgeber bildet er in den ersten Spielen nach der Winterpause ein erfolgreiches Duo mit Lukas Rupp auf der rechten Seite. Florian Klein, in der Vorrunde noch Rechtsverteidiger, hat seinen Stammplatz verloren.

Großkreutz hält Teamkollege Rupp den Rücken frei, der seine neu gewonnenen Freiheiten dazu nutzt, dem VfB mit Toren und Vorlagen zu Siegen zu verhelfen. Mit seiner aggressiven Spielweise schafft es Großkreutz zudem, dem Gegner die Lust am Fußballspielen zu nehmen. Leonardo Bittencourt vom 1. FC Köln und Ivo Ilicevic vom Hamburger SV konnte Großkreutz erfolgreich aus dem Spiel nehmen, mit dem Frankfurter Szabolcs Huszti hatte er beim 4:2-Sieg zuletzt ein wenig Probleme.

Überraschende Entwicklung

Duo auf der rechten Seite des VfB: Kevin Großkreutz (m.) und Lukas Rupp (r.)

Duo auf der rechten Seite des VfB: Kevin Großkreutz (m.) und Lukas Rupp (r.)

An seiner Rolle als Stammkraft wird der etwas schwächere Auftritt in Frankfurt aber nichts ändern. Dass sich der Neuzugang so schnell im Team integriert und zur festen Größe wird, kommt selbst für Sportdirektor Robin Dutt überraschend.  "Dass der Junge hierher kommt und von der ersten Minute an Stammspieler ist und so spielt - das zeigt seine Qualität. Das konnten wir so nicht erwarten, ist aber natürlich klasse."

Rund zwei Millionen Euro hatten die Schwaben im Januar für Großkreutz an Galatasaray Istanbul überwiesen. Geld, das vor allem perspektivisch angelegt war. "Er hat ein halbes Jahr nicht gespielt. Er war davor ein halbes Jahr verletzt. Wenn wir Abgänge im Sommer haben, sollte Kevin so weit sein", ergänzte Dutt.

Keine Chancen auf die EURO

Dass Großkreutz nun früher als erwartet eine wichtige Rolle bei den Schwaben spielt, wird an seinen Chancen für eine EM-Nominierung allerdings nichts mehr ändern. Obwohl Bundestrainer Joachim Löw die öffentliche Art und Weise seiner ungewohnt deutlichen Kritik am 27-Jährigen als Fehler eingeräumt hat, ist die Tür zum DFB erst einmal zu. An der Leidenschaft auf dem Platz wird diese fehlende Perspektive aber nichts ändern.

Großkreutz blickt nach vorne - und das nach fünf Pflichtspielsiegen des VfB nacheinander mit einigem Optimismus. "Wenn nicht jetzt, wann dann?", antwortete er auf die Frage, ob der VfB in der Lage sei, den Bundesligazweiten aus Dortmund zu schlagen. Und damit er am Ende erneut seinen Anteil daran hat, wird auch die "echte Liebe" zum BVB für mindestens 90 Minuten mal hinten angestellt werden.

Stand: 09.02.2016, 12:00

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