BVB im Finale - Bayerns Fahrlässigkeit bestraft

Ousmane Dembele jubelt mit seiner Mannschaft

Bayern München - Borussia Dortmund 2:3 (2:1)

BVB im Finale - Bayerns Fahrlässigkeit bestraft

Von Christian Hornung

Hochüberlegene Bayern müssen nach dem verpassten Triple auch den Traum vom Double begraben: Dortmund steht im DFB-Pokalendspiel in Berlin. Die Münchener vergaben eine Vielzahl klarer Chancen - ehe dem Weltmeister-Kapitän der entscheidende Fehler unterlief.

Mit 3:2 (1:2) bezwang der BVB am Ende den Rekordmeister, der abgesehen von den ersten zehn Minuten die Partie eindeutig dominiert hatte. Doch die Fahrlässigkeit bei der Chancenverwertung und auch eigene Fehler in der Rückwärtsbewegung kosteten am Ende die sicher geglaubte Endspielteilnahme.

"Den Sack nicht zugemacht"

"Wir haben es einfach verpasst, den Sack zuzumachen", haderte David Alaba nach der Niederlage. "Es ist einfach eine große Enttäuschung", bekannte auch Philipp Lahm. "Wir wollten unbedingt ins Finale, leider hat es nicht funktioniert. Wir hatten Riesen-Möglichkeiten, höher in Führung zu gehen. Dann fangen wir uns das 2:2 - und ich mache den Fehler vor dem dritten Gegentor."

Marco Reus gab nach der Partie ehrlich zu: "Natürlich hatten die Bayern die klaren Chancen. Aber wir haben immer an uns geglaubt und dann eben die beiden Konter reingemacht." BVB-Trainer Thomas Tuchel analysierte: "Wir haben nach guten 20 Minuten völlig den Faden verloren, haben die Zweikämpfe verloren und unser Passspiel war schlecht. In der zweiten Halbzeit hatten wir auch Glück, aber ab der 70. Minute ist der Glaube zurückgekehrt."

Erste Chance für Aubameyang

Nach drei Minuten hätten allerdings zunächst die Dortmunder in Führung gehen müssen. Nach einer Kombination über Gonzalo Castro und Raphael Gurreiro hatte Pierre-Emerick Aubameyang am Fünfmeterraum freie Schussbahn, Sven Ulreich war schon geschlagen - doch der BVB-Torjäger bugsierte die Kugel am rechten Pfosten vorbei.

Zehn Minuten brauchten die Bayern danach, um ebenfalls torgefährlich zu werden: Erst scheiterte Franck Ribéry an Roman Bürki, dann setzte Arturo Vidal den Nachschuss knapp daneben.

Schlimmer Fehler von Martinez

Das erste dicke Ausrufezeichen setzten dann die Gäste - nach einem verheerenden Fehler von Bayerns Innenverteidiger Javier Martinez. Ein Rückpass des Spaniers verhungerte unterwegs, Guerreiro sprintete dazwischen, spitzelte den Ball an den Pfosten, den Abpraller drückte Marco Reus dann aus einem Meter über die Linie. Spätestens da dürfte sich der ein oder andere gefragt haben, warum Martinez den Vorzug vor Jerome Boateng erhalten hatte, der nur auf der Bank Platz nehmen durfte.

Eine Antwort auf diese Frage lieferte Martinez prompt selbst - indem er für den Ausgleich sorgte. Nach einer knappen halben Stunde war die Dortmunder Abwehr nach einer Ecke so schlecht sortiert, dass der kleine Marcel Schmelzer ins Kopfballduell mit dem Bayern-Hünen musste, doch das war zum Scheitern verurteilt.

Bender rettet gegen Lewandowski

Danach wackelten die Gäste und hätten durch Robert Lewandowski beinahe für den Doppelschlag binnen 120 Sekunden gesorgt. Doch Sven Bender rettete mit einer Grätsche in höchster Not, kurz bevor es Bürki richtig gefährlich werden konnte. Die Hilfe eines Mitspielers nahm der Keeper auch in der 37. Minute in Anspruch, als Castro einen Kracher von Vidal knapp über die Latte lenkte.

Die Dortmunder wurden in dieser Phase immer weiter zurückgedrängt, Entlastung gab es keine mehr. In der 40. Minute rettete bei einem weiteren Kopfball von Martinez noch der rechte Pfosten, kurz danach war Bürki zum zweiten Mal geschlagen: Nach brillanter Vorarbeit von Xabi Alonso und Ribéry drückte der aufgerückte Mats Hummels die Kugel über die Linie.

Robben vergibt Matchball

Lewandowski hätte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte bereits für die Vorentscheidung sorgen können, doch der Pole scheiterte nach einem Alleingang an Bürki. Fast eine Kopie dieser Szene gab es Sekunden nach dem Wiederanpfiff, doch diesmal legte sich Lewandowski bei seinem Solo den Ball zu weit vor.

In der Folgezeit lösten sich die Dortmunder zwar ein wenig aus der Umklammerung, die Topchancen hatten aber weiter die Bayern. Erst konnte Bürki einen Schuss von Arjen Robben noch abklatschen, dann lenkte Bender mit einer weiteren artistischen Rettungsaktion einen Schuss des Holländers nach gut einer Stunde noch so gerade an den Innenpfosten.

Dembélé findet Aubameyang

Die Fahrlässigkeit der Bayern bei all diesen potenziellen Matchbällen rächte sich in der 69. Minute. Der lange abgetauchte Ousmane Dembélé suchte am zweiten Pfosten den noch viel länger abgetauchten Aubameyang - der drückte den Kopfball aus kurzer Distanz in die Maschen.

Das gab dem BVB Auftrieb, und die Bayern patzten eine Viertelstunde vor dem Ende schwer: Philipp Lahm verdaddelte den Ball im letzten Pokalspiel seiner großen Karriere in der Vorwärtsbewegung, über Guerreiro und Reus ließ sich Dembélé in Szene setzen, der vernaschte David Alaba mit einer simplen Körpertäuschung - und veredelte den Konter mit einem Schlenzer unter die Latte zur völlig überraschenden 3:2-Führung. Auch danach machten die Bayern weiter Druck, doch Bürki rettete mit einer Glanztat fünf Minuten vor dem Ende den Sieg und damit das Pokalfinale.

Stand: 26.04.2017, 22:48

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