BVB - nahe dran und doch weit weg

Enttäuschung: Die BVB-Spieler Weidenfeller, Großkreutz und Lewandowski können sich nach dem Abpfiff nicht freuen.

Dortmund nach dem Spiel bei Manchester City

BVB - nahe dran und doch weit weg

Von Marcus Bark (Manchester)

Borussia Dortmund zeigt ein fantastisches, ein nahezu perfektes Spiel bei Manchester City. Letztlich ist der deutsche Meister aber doch weit weg von einer glänzenden Ausgangsposition in der Champions League.

Der Taxifahrer war schon ganz aufgeregt. Pakistan, sein Heimatland, werde am nächsten Tag im Cricket gegen Sri Lanka antreten. Das Halbfinale bei der Twenty20-Weltmeisterschaft stehe an. Das ist die Kurzvariante des beschaulichen Spiels, das in der Langvariante über mehrere Tage geht. Was den Fußballsport angehe, sei er neutral, sagte der Taxifahrer. Weder Manchester City noch Manchester United, die großen Klubs seines Arbeitsgebietes, interessierten ihn großartig. Überraschenderweise fügte er voller Überzeugung an: "Real Madrid und die deutsche Mannschaft werden weiterkommen."

Er hatte im Radio vom Spiel der Champions League gehört. Bei der deutschen Mannschaft handelte es sich um Borussia Dortmund, die bei der Radiostation sehr gute Kritiken bekommen haben muss. Es war ja auch eine außergewöhnlich gute Leistung, die der deutsche beim englischen Meister gezeigt hatte. "Ich bin tendenziell eher stolz auf meine Mannschaft", sagte Trainer Jürgen Klopp. Er hatte sich zuvor darüber geärgert, dass die erste Frage während der Pressekonferenz war, wie er die Situation vor dem Elfmeter gesehen habe, den Mario Balotelli zum 1:1-Endstand verwandelte hatte. Klopp hätte viel lieber darüber geredet, was alles gut gelaufen war an diesem Abend im Regen von Manchester. Er holte das später von sich aus nach, weil ihm auch die Frage nach der großartigen Leistung des Torwarts Joe Hart nicht gefallen hatte. Klopp wollte über seine Mannschaft reden, die "alle taktischen Vorgaben sehr gut umgesetzt hat, wie es nicht zu erwarten war".

Klopps Plan

Er sprach von einem 4-3-3-System, in dem seine Elf gezeigt habe, "dass wir auf diesem Niveau mithalten können und sogar das bessere Team waren". Es gehörte zu den großen Pluspunkten des Dortmunder Spiels, dass kaum ein Beobachter dieses System in seinem Schema notiert hatte. Zu finden war dort das übliche 4-2-3-1, allerdings mit einer überraschenden personellen Besetzung. Jakub Blaszczykowski, der sonst im rechten Mittelfeld spielt, nahm überwiegend die zentrale Rolle in der offensiven Dreierreihe ein. Mario Götze kam meistens über die rechte Seite. "Wir haben einen Plan", hatte Klopp vor dem Spiel gesagt, und dieser Kniff ist ein bedeutender Teil dieses Plans gewesen, den der Trainer auch im Nachhinein nicht näher erläuterte. Blaszczykowski verhinderte mit seiner defensiven Disziplin, dass Yaya Touré seine oft unterschätzten, weil wenig spektakulären strategischen Möglichkeiten ausspielen konnte. Götze, körperlich wieder in bester Verfassung und in einer herausragenden Form, bereitete Außenverteidiger Gaël Clichy, einer vermutlich von Klopp ausgemachten Schwachstelle in der superteuren Mannschaft des englischen Meisters, extreme Probleme.

20 Abschlüsse, zwölf Torschüsse

Die zweite Überraschung war, dass Sven Bender im defensiven Mittelfeld auflief. Er kam als "Sechser" statt des Kapitäns Sebastian Kehl. Mehr Tempo, mehr Aggressivität, noch mehr Laufintensität wird sich Klopp dadurch versprochen haben - und er wurde nicht enttäuscht. Das Gesamtkonzept des BVB war stimmig, in der Defensive wurde aufmerksam gearbeitet, nach vorne besonders in der zweiten Halbzeit fast immer ein Weg gefunden, der zum Abschluss führte. Die Statistiker zählten 20 Abschlüsse, davon kamen zwölf Schüsse auf das Tor des überragenden Hart. "Das war unser bestes internationales Spiel", sagte Neven Subotic, dem verhängnisvoll vor dem Elfmeter an die Hand geschossen worden war. Der Serbe sah keinen Widerspruch in seiner Annahme von einer herausragenden Leistung und der Tatsache, dass auch Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller vielfach zu glänzenden Abwehraktionen gezwungen worden war. Spieler wie David Silva und Sergio Agüero seien "der Wahnsinn. Die spielen Pässe, die spielt in der Bundesliga keiner". Für Subotic wäre ein 8:6 für den BVB ein mögliches und gerechtes Ergebnis gewesen, was der These von einem beinahe perfekten Spiel des Bundesligisten auf den ersten Blick widerspricht. Auch Robert Mancini, Trainer von Manchester City, trübte den Blick auf eine fantastische Leistung, indem er seiner Mannschaft vorwarf: "Wenn du nicht mit allen Spielern verteidigst und nicht so rennst, wie es der BVB gemacht hat, wird es schwierig."

Blick voraus auf die Spiele gegen Madrid

Geprägt von der Enttäuschung über nur einen Punkt nach zwei Spielen und dem kritisch beobachteten Saisonstart in der Premier League, ist diese Aussage nachzuvollziehen. Doch sie wird den Dortmundern nicht gerecht, die allein darüber klagen müssen, dass sie so nah an einem perfekten Start waren, aber nun doch weit weg sind. Bei einem Sieg hätten sie nach dem zweiten Spieltag sechs Punkte Vorsprung auf den Tabellendritten gehabt. Nun sind es nur drei vor den beiden Spielen gegen Real Madrid. Neven Subotic blickte schon einmal voraus: "Sie werden versuchen, uns zu dominieren, aber wir werden das nicht zulassen."                                                                   

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Bilder des Spiels Manchester City - Borussia Dortmund

In der zweiten Partie der Gruppe D in der Champions League spielt Borussia Dortmund bei Manchester City.

Lars Bender und Javi Garcia

Sven Bender und Javi Garcia im Zweikampf.

Sven Bender und Javi Garcia im Zweikampf.

Robert Lewandowski dribbelt den Ball an Citys Vincent Kompany vorbei.

Mario Götze scheitert mit seinem Torschuss an Manchesters Keeper Joe Hart.

Citys Angreifer Agüero treibt den Ball nach vorne.

Mats Hummels im Kopfballduell mit Pablo Zabaleta.

Tor für Dortmund. In der 61. Minute nutzt Marco Reus einen Fehler von Abwehrspieler Rodwell zum 1:0 für die Borussia.

In der 89. Minute verwandelt Balotelli einen Handelfmeter zum 1:1.

sid | Stand: 04.10.2012, 08:27