Kollektiver Aussetzer bringt Favre auf die Palme
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Nach dem 1:3 gegen Dynamo Kiew
Kollektiver Aussetzer bringt Favre auf die Palme
Von Marcus Bark
Borussia Mönchengladbach steht in den Playoffs zur Champions League vor einer kaum lösbaren Aufgabe, weil es sich gegen Dynamo Kiew einen beinahe kollektiven Aussetzer geleistet hat.
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Es gibt gewiss bessere Momente, um sich den Stutzen zu richten. Es gibt sogar viel bessere Momente als den, den Havard Nordtveit sich am Dienstagabend (21.08.12) dafür aussuchte. Ob der norwegische Mittelfeldspieler den Pass auf den späteren Torschützen Andrej Jarmolenko hätte verhindern können, sei dahin gestellt. Doch dass er sich einen solchen Konzentrationsfehler leistete, passte ins Bild der vermutlich schlimmsten 20 Sekunden, die sich die Gladbacher Mannschaft in der Defensivarbeit unter Lucien Favre leistete.
Der Trainer blieb zwar bei seinem gewohnt ruhigen Tonfall, doch er kam in der Pressekonferenz nach dem 1:3 gegen Kiew immer wieder auf das Tor zum 1:2 zu sprechen. Es rumorte in ihm, das war zu sehen. “Das war sehr unnötig”, sagte Favre und bewertete dabei die ganze Szene, die gewiss das Spiel und vermutlich auch darüber entschied, dass der zweimalige UEFA-Cup-Sieger nur in der Europa League weiterspielen darf.
"Schrecklicher Abend"
Es lief die 36. Minute, 1:1. Gladbach startet einen Angriff. Granit Xhaka spielt einen Doppelpass mit Luuk de Jong, dessen Zuspiel aber zu hart und nicht einmal flach gerät. Xhaka verliert die Ballkontrolle und spielt in den Rücken von de Jong. Denys Garmash kommt an den Ball und statt auf den Mittelfeldspieler von Dynamo zu rücken und dabei den Passweg auf die entblößte linke Abwehrseite zuzustellen, zupfte sich Nordtveit an den Stutzen. “Es war in dieser Szene überhaupt kein Mittelfeld da”, kritisierte Favre. Daher habe der starke Jarmolenko allein auf Alvaro Dominguez zulaufen können. Dessen Bewegungen vor dem erfolgreichen Schuss waren nicht leicht zu verteidigen, aber der Spanier ließ sich allzu leicht ausspielen.
Dominguez, Xhaka, de Jong – die für mehr als 25 Millionen Euro gekauften Neuzugänge waren die entscheidenden Glieder in der verhängnisvollen Fehlerkette. Xhaka brachte den Ukrainern dann in der 81. Minute noch durch ein plumpes Foul den Freistoß ein, den de Jong zu einem Eigentor und dem 1:3 ins Netz lenkte. “Es war ein schrecklicher Abend”, sagte de Jong. Drei Tore gegen die eigene Mannschaft sind für Trainer Favre "sehr selten", und der Schweizer sprach aus, was sie in ihm auslösten: "Ich hasse es."
Stranzl sieht Wettbewerbsnachteil
"Uns fehlt als Mannschaft die Erfahrung", suchte Innenverteidiger Martin Stranzl nach Gründen. Die Integration von neuen Spielern in Schlüsselpositionen brauche Zeit, so der Österreicher. Dass die Bundesliga noch nicht begonnen habe, während die ukrainische Premier Liga schon sechs Spieltage absolviert habe, sei ein klarer Wettbewerbsnachteil gewesen.
Keine Zukunft für ein Sturmduo de Jong/de Camargo
Bevor es für die Gladbacher am Samstag (25.08.12) mit einem Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim losgeht, gilt es für Favre, eine Lösung für ein Problem zu finden, das er schonungslos ansprach: "Meine beiden Stürmer waren zu ähnlich." Igor de Camargo und de Jong, das zeigten auch die UEFA-Bewegungsgrafiken, hatten sich fast ausschließlich im Zentrum des Spielfeldes aufgehalten. "Deshalb war es schwierig, die Räume zu finden", kritisierte Favre. Ein Marco Reus, der die Angriffe einleitet, auf die Flügel ausweicht und dann selbst den Abschluss sucht, ist nicht mehr da. Das wurde den Gladbachern an einem Abend vor Augen geführt, der so verheißungsvoll begonnen hatte. “Mit einem 1:1 in die Pause zu gehen, wäre völlig in Ordnung gewesen”, sagte Favre. Wäre.
Stand: 22.08.2012, 11:37