Klopp und Schmelzer finden die richtige Antwort
Neuer Abschnitt
Borussia Dortmunds famoser Sieg gegen Real Madrid
Klopp und Schmelzer finden die richtige Antwort
Von Chaled Nahar
Jürgen Klopp und Marcel Schmelzer standen zuletzt in der Kritik – gegen Real Madrid entschied dieses Duo das Spiel für den BVB.
Neuer Abschnitt
Die Gelegenheit war günstig, und so ganz verkneifen konnte er es sich offenbar nicht. "Um es auch einmal im Fernsehen zu sagen: Was Marcel Schmelzer heute gespielt hat, ist von einem anderen Stern", sagte Jürgen Klopp bei Sky und schob nach: "Glückwunsch an Deutschland, so einen Linksverteidiger zu haben."
Dass mit "Deutschland" eigentlich "Joachim Löw" gemeint war, sagte der Trainer von Borussia Dortmund nicht. Musste er auch nicht, denn den Hinweis hatte auch so jeder verstanden.
Klopp und Schmelzer standen nach dem mitreißenden Dortmunder 2:1 (1:1)-Sieg über Real Madrid in einer Reihe von strahlenden Siegern als die größten Gewinner da. Der Trainer, weil er nach seinem fehlgeschlagenen Experiment mit einer Dreierkette im verlorenen Derby gegen Schalke die richtige Antwort mit einer mutigen Ausrichtung gegen den großen Favoriten Real Madrid fand.
Und der Linksverteidiger, weil er die vieldiskutierte Kritik des Bundestrainers ("Ich kann mir keinen schnitzen", "Wir müssen mit Schmelzer weiterarbeiten") mit einer starken Leistung und dem Siegtor gegen eine der besten Mannschaften der Welt konterte. "Es ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Dann auch noch das Siegtor zu machen – ich denke, ich werde heute nicht schlafen können", sagte Schmelzer.
"Am Samstag fangen wir in der Bundesliga damit an"
Schlaflose Nächte hätte es in Dortmund jedoch auch ohne den Sieg gegeben – allerdings aus Sorge und nicht wegen der freudigen Aufregung. Denn der famose Sieg über Madrid täuscht ein wenig über die Tatsache hinweg, dass den Dortmundern bei einer Niederlage gegen Madrid angesichts von zwölf Punkten Rückstand auf die Bayern in der Bundesliga die gesamte Saison ziemlich früh aus den Händen hätte flutschen können.
Und so schwang bei all dem Jubel auch ein wenig Erleichterung mit: Der BVB hat im richtigen Moment bewiesen, was er wirklich drauf hat. Offensiv, mit viel Kampf und Leidenschaft rang Dortmund die Weltstars nieder und führt nun die Gruppe mit den großen Namen Ajax Amsterdam, Manchester City und Real Madrid souverän an. Die Sorgen aus der Bundesliga, sie waren für den Moment wie weggeblasen. Dortmund ist in Europa angekommen.
"Mit dem Sieg haben wir den Kritikern zeigen können, dass wir auf europäischer Ebene nicht nur mithalten, sondern auch Mannschaften wie Real Madrid schlagen können. Das ist für uns heute schon eine kleine Genugtuung", sagte Schmelzer und erinnerte an die Kritik aus der Vorsaison, als die Dortmunder in der Champions League zu keiner Zeit ihre Leistungen aus der Bundesliga bestätigten. In der aktuellen Spielzeit läuft es jedoch beinahe umgekehrt. In der Bundesliga legte der BVB einen durchwachsenen Start hin, in der Champions League gab es in der "Horrorgruppe" einen Traumstart mit dem Sieg gegen Ajax, dem beinahe gewonnenen Spiel in Manchester und dem Erfolg gegen Madrid. Letzterer soll nun zur Initialzündung für die Meisterschaft werden, am besten schon in Freiburg. Auf die Frage, ob die Mannschaft zwei verschiedene Gesichter zeige, antwortete Kevin Großkreutz im ZDF trotzig: "Keine Ahnung, am Samstag fangen wir damit auch in der Bundesliga an."
Schmelzer als Schlüssel zum Sieg
Marcel Schmelzer jubelt
Schmelzer war gegen Madrid als linker Verteidiger einer der Schlüssel zum Sieg. Er und Rechtsverteidiger Lukas Piszczek sollten "möglichst viel nach vorne machen", sagte Schmelzer. Diese Vorgabe war zwar auch ursächlich für Cristiano Ronaldos 1:1 auf Dortmunds rechter Abwehrseite, als Piszczek weit aufgerückt war. Doch insgesamt war es diese Maßnahme von Jürgen Klopp, die Real Madrid neben der ingesamt druckvollen Ausrichtung entscheidend zusetzte und am Ende zum Siegtor führte. Denn Schmelzer stand keineswegs zufällig an der Strafraumgrenze, um den von Iker Casillas schwach gefausteten Ball im langen Eck zu versenken.
Was Joachim Löw von der Tribüne des Dortmunder Stadions aus genau verfolgen konnte. Und so wurde Schmelzer natürlich gefragt, ob Löws Worte ihn nun zu einer Reaktion getrieben hätten. Doch im Gegensatz zu seinem Trainer sparte er sich einen Konter und sagte schlicht: "Ich war nie am Boden. Mich musste nichts aufbauen."
Stand: 25.10.2012, 11:29