Celtic Glasgow zwischen den Welten
Neuer Abschnitt
Sieg gegen den FC Barcelona
Celtic Glasgow zwischen den Welten
Die schottische Liga ist ohne die Rangers langweilig, also sorgt Celtic Glasgow eben in der Champions League für Furore.
Neuer Abschnitt
Als der schottische Rekordmeister Glasgow Rangers im Sommer wegen finanzieller Probleme in die vierte Liga strafversetzt wurde, brach beim Erzfeind und Stadtkonkurrenten Celtic nicht der große Jubel aus. Zwar schien der Weg in Richtung Meisterschaft und Pokalsieg ohne den einzig ernstzunehmenden Gegner frei, doch die Premier League drohte noch langweiliger zu werden als sie ohnehin schon war. Schließlich heißt der schottische Meister in der Regel Celtic oder Rangers. Der letzte Titelträger, der nicht aus Glasgow kam, war 1985 der FC Aberdeen.
So hat Celtic von der Insolvenz der Rangers eigentlich nur Nachteile. Das berüchtigte "Old Firm", das die Liga praktisch am Leben hielt, fällt für mindestens drei Jahre aus. Der finanzielle Schaden für Celtic ist wegen fehlender Zuschauereinnahmen jetzt schon immens. Und es könnte noch schlimmer werden, denn die Fernsehanstalten haben schon angekündigt, ohne das Derby in den kommenden Jahren weniger TV-Geld fließen zu lassen.
Nicht so souverän wie erwartet
Ohne die Rangers ist in Schottland die Luft raus. Das gilt auch für Celtic. Das Team von Trainer Neil Lennon spielt lange nicht so souverän wie erwartet. Nach zwölf Spieltagen stehen die Grün-Weißen zwar an der Spitze - jedoch punktgleich mit Verfolger Hibernian Edinburgh. Zuletzt setzte es eine 0:2-Heimpleite gegen Kilmarnock, ein Team, das vor 57 Jahren letztmals im Celtic Park gewonnen hatte. Zudem verlor der Meister beim FC St. Johnstone und war beim Aufsteiger Ross County nur zu einem Remis gekommen.
Neuer Abschnitt
Bilder vom vierten Spieltag der Champions League
Am Mittwochabend fanden neben dem Spiel Bayern gegen Lille sieben Spiele ohne deutsche Beteiligung statt - die Bilder des Spieltages.
Galerie
Neuer Abschnitt
Geburtstagsgeschenk gegen Barca
Da verwundert es umso mehr, dass Glasgow in der Champions League für Furore sorgt. Die Spiele in der Königsklasse sind für die Schotten, so scheint es, eine komplett andere Welt. Am Mittwoch (07.11.12), einen Tag nach seinem 125. Geburtstag, besiegte der krasse Außenseiter in der Gruppe G den großen FC Barcelona daheim mit 2:1. Nach vier Spieltagen liegt das Team vor Benfica Lissabon und Spartak Moskau auf Rang zwei und hat den Achtelfinaleinzug vor den abschließenden beiden Partien selbst in der Hand. Beim "Celtic-Coup", wie es in Schottland heißt, trafen Victor Wanyama (21.) und Tony Watt (83.). Lionel Messi (90.+1) gelang nur noch der Anschlusstreffer. "Das gehört sicher zu den größten Abenden meiner Karriere. Es war eine monumentale Leistung zum 125. Geburtstag des Klubs", sagte ein euphorisierter Coach Lennon.
Es ist nicht das erste Mal in dieser Saison, dass Celtic Geschichte schreibt. Der 3:2- Erfolg bei Spartak Moskau war der erste Auswärtssieg der Schotten überhaupt in der Champions League. Bisher gab es nur in Barcelona eine Niederlage. Und die fiel sehr unglücklich aus, weil dem Spanier Jordi Alba erst in der vierten Minute der Nachspielzeit der 2:1-Siegtreffer gelang.
Schuster: "In der Champions League nichts zu suchen"
An der Spielweise auf internationalem Parkett hagelt es allerdings Kritik. Der ehemalige Barca-Spieler Bernd Schuster erklärte jüngst, ein Team wie Celtic mit seiner destruktiven Art habe in der Champions League nichts zu suchen. In der Tat war Barca in beiden Partien haushoch überlegen, vernachlässigte jedoch zumindest am Mittwoch das Toreschießen oder verzweifelte am starken Torhüter Forster. Celtic hatte nur 16,4 Prozent Ballbesitz, so wenig wie kein anderes Team jemals in der Champions League.
Für Trainer Lennon ist es jedoch auch ein Drahtseilakt. In Schottland ist Celtic als Favorit stets gezwungen, das Spiel zu machen und nach vorne zu spielen, in der Champions League muss es als Außenseiter vor allem defensiv agieren. Die sechs Tore, die das konterstarke Team bisher erzielte, lassen sich indes nicht wegdiskutieren. Stars der Mannschaft sind der griechische Nationalspieler Georgios Samaras und Gary Hooper.
Seit vier Jahren erstmals wieder dabei
Celtic-Trainer Neil Lennon
Auch ein Blick in die Statistik beweist die Diskrepanz zwischen Schottland und Europa. 43 Meisterschaften und 35 Pokalsiege stehen zu Buche, international reißt Celtic jedoch keine Bäume aus. Immerhin kam der Klub 2003 ins UEFA-Cup-Finale, das gegen den FC Porto verloren ging. An den Sieg im Europapokal der Landesmeister 1967 gegen Inter Mailand erinnern sich dagegen wohl nur noch die Älteren. In der Champions League ist Celtic jetzt erstmals nach vier Jahren wieder dabei.
Nach den Geburtstags-Feierlichkeiten und dem Sieg gegen Barcelona kehrt für Celtic jetzt wieder der Liga-Alltag ein. Am Sonntag (11.11.12) steht das Rückspiel gegen St. Johnstone an.
vdv/dpa | Stand: 08.11.2012, 10:30