Juventus Turin - ein hartes Los

Paulo Dybala

Achtelfinale, Hinspiel: Spitzenklub der Serie A im Fokus

Juventus Turin - ein hartes Los

Von Marcus Bark

Der FC Bayern glaubt, mit Juventus Turin das schwierigste Los für das Achtelfinale der Champions League erwischt zu haben. Es spricht einiges für diese These.

Josep Guardiola hat einem der denkwürdigen Sprüche von Sepp Herberger auf eine Stufe verholfen. "Der nächste Gegner ist immer der schwerste", hatte der Weltmeistertrainer von 1954 gesagt. Bei Münchens Fußballlehrer lief fast jede Pressekonferenz auf die Quintessenz hinaus: "Der nächste Gegner ist der beste."

In den inzwischen fast drei Jahren beim deutschen Rekordmeister wirkten die Lobhudeleien auf mittelmäßige Bundesligisten zunehmend wie ein Running-Gag statt einer ernsthaften Einschätzung. Als Guardiola dann aber am Montag (22.02.16) vor dem Abflug nach Turin über den nächsten Gegner sprach, gab er eine häufig geteilte Meinung wieder. "Hier denken manche: Wir sind Bayern, wir sind so gut. Und dabei vergessen sie ein bisschen: Auch Juve ist gut. Es wird sehr, sehr schwer. Es werden zwei wahnsinnige Spiele."

15 Siege hintereinander

Zu Beginn der Gruppenphase wäre Juventus noch eher als angenehmer Gegner eingestuft worden. Nach den Abgängen etwa von Carlos Tevez, Andrea Pirlo und Arturo Vidal sowie Kingsley Coman, die beide zum FC Bayern wechselten, brauchte die Mannschaft einige Wochen, um sich zu fangen. Dann aber setzte sich Juve souverän in der Champions League gegen Manchester City, den FC Sevilla und Borussia Mönchengladbach durch, in der Serie A starteten die Turiner eine stolze Serie, die erst am Freitag (19.02.16) endete. Nach 15 Siegen gab es mit einem 0:0 beim FC Bologna mal wieder Punktverluste.

Allegri trug es mit Fassung, denn der Trainer sieht auch dank der Verletzungssorgen bei den Münchnern eine gute Chance, weiterzukommen. Schon in der vergangenen Saison traf Juventus im Achtelfinale auf einen Bundesligisten. Borussia Dortmund verlor das Hinspiel in Italien mit 1:2, für das zweite Duell wurde dann ein defensives Juve erwartet. Ein italienisches Team halt, das lieber das eigene Tor verteidigt als vorne einen Treffer zu erzielen. Doch es kam anders. Die Turiner griffen früh und aggressiv an, schossen schon in der dritten Minute 1:0, gewannen letztlich sogar 3:0 und kamen später bis ins Finale, das gegen den FC Barcelona mit 1:3 verloren wurde.

Attraktiver und flexíbler

Nun ist es weiterhin richtig, dass italienische Mannschaften in der Regel taktisch sehr gut geschult sind und großen Wert auf eine stabile Verteidigung legen. Doch die Serie A ist fußballerisch deutlich attraktiver geworden, die Mannschaften flexibler, auch und gerade Juventus Turin. Gegen solch starke Gegner wie den FC Bayern ist zu erwarten, dass es Allegri mit einer grundsätzlich vorsichtigeren Variante versuchen wird. Allerdings dürfte es immer wieder Momente geben, in denen die Turiner weit vorne Münchens Aufbau stören. Dass den Bayern damit beizukommen ist, zeigte sich schon in einigen Bundesligapartien dieser Saison.

Claudio Marchisio

Claudio Marchisio

Probleme hatten die Münchner auch schon gegen Dreierketten, die sich bei Ballbesitz der Bayern – also meistens – zu fünf oder gar sechs Gliedern erweiterten. Da Giorgio Chiellini ausfallen wird, dürfte Allegri aber nicht auf eine Dreierkette setzen, sondern auf eine 4-4-2-Formation. Auffällig in der voraussichtlichen Aufstellung ist das Altersgefälle zwischen Defensive und Offensive. Vor dem 38 Jahre alten Torwart Gianluigi Buffon werden in der Viererkette (von rechts) Stephan Lichsteiner (32), der ehemalige Wolfsburger Andrea Barzagli (34), Leonardo Bonucci (28) und Patrice Evra (34) erwartet. Auch der häufig unterschätzte Stratege Claudio Marchisio, der im Mittelfeld neben dem deutschen Weltmeister Sami Khedira auflaufen dürfte, ist schon jenseits der 30 Jahre.

Die hervorstechenden Offensivspieler sind deutlich jünger. Paul Pogba (22), Alvaro Morata (23) und Paulo Dybala (22, Foto oben) werden die ersatzgeschwächte Abwehr der Bayern testen. Pogba, ein französischer Nationalspieler, wird als Star der Europameisterschaft gehandelt, der Argentinier Dybala hat in der Serie A schon 13 Saisontore erzielt. Morata ist ein sehr abschlussstarker Stürmer, der ein gutes Gespür für Räume hat, ähnlich wie Bayerns Thomas Müller.

Mandzukic und das Wiedersehen mit Guardiola

Eventuell wird aber auch Mario Mandzukic nach überstandener Wadenverletzung schon beim Anpfiff auf dem Platz stehen. Der Kroate hatte eine Saison zusammen mit Guardiola beim FC Bayern zusammengearbeitet. Er ging im Sommer 2014, das Verhältnis zu Guardiola war stark belastet. "Mit dem", so Mandzukic später, "würde ich nicht mal einen Kaffee trinken gehen."

Stand: 22.02.2016, 12:00

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