Bayerns Auferstehung rettet den Viertelfinaleinzug

Bayern München - Juventus Turin 4:2 n.V.

Bayerns Auferstehung rettet den Viertelfinaleinzug

Der FC Bayern schien im Achtelfinal-Rückspiel gegen Juventus Turin bereits geschlagen - doch ein furioses Comeback brachte den Münchnern doch noch den Einzug ins Viertelfinale der Champions League.

Bayern bejubelt dein Einzug ins Viertelfinale

Die Bayern bejubeln den Einzug ins Viertelfinale

Mit viel Herz und später Offensivkraft ist der FC Bayern am Mittwochabend (16.03.2016) nach zunächst konfusem Beginn ins Viertelfinale der Champions League gestürmt. Die Torjäger Robert Lewandowski (73. Minute) und Thomas Müller (90.+1) retteten das Team von Pep Guardiola gegen Juventus Turin zunächst in die Verlängerung. Dort sorgten die Joker Thiago (108.) und Kingsley Coman (110.) für das Happy End und den umjubelten 4:2-Sieg an einem denkwürdigen Fußball-Abend.

Neuer: "Geschenke gemacht"

Paul Pogba (5.) und Juan Cuadrado (28.) hatten anfangs für Entsetzen unter den Zuschauern gesorgt und die Bayern nahe an den frühen Königsklassen-K.o. geschossen. Drei Wochen nach dem kuriosen 2:2 in Turin, als die Münchner eine 2:0-Führung verspielt hatten, ging es im Rückspiel noch dramatischer zu. Diesmal ließ sich das Guardiola-Team von Juve-Trainer Massimiliano Allegri anfangs taktisch überraschen. Der italienische Rekordchampion profitierte aber auch von ungeahnten Schwächen der Bayern-Defensive mit zahlreichen Fehlern, selbst von sonst so zuverlässigen Stützen wie David Alaba und Torwart Manuel Neuer. Doch diesmal reichte Juve ein 2:0-Vorsprung nicht zum Erfolg.

Zuletzt hatten die Münchner in der Königsklasse im Dezember 2000 (2:2 beim FC Arsenal) einen Zwei-Tore-Rückstand aufgeholt; einen Sieg gab es zuvor im Achtelfinale der Saison 1974/75 gegen den FC Magdeburg (3:2). "Ein unglaublicher Abend! Man sieht, wie eng es zugeht, wenn zwei Spitzenmannschaften aufeinandertreffen. Wir wussten, dass es bei einem dritten Gegentor aus gewesen wäre", sagte Kapitän Philipp Lahm im ZDF. Torhüter Manuel Neuer fügte an: "Wir haben dem Gegner Geschenke gemacht. Erst danach hat man gesehen, zu welchem Fußball wir fähig sind."

Juve reicht Vorsprung nicht

Dabei begannen die Bayern ohne den verletzten Arjen Robben ungewohnt fahrig. Juve agierte ganz anders als im Hinspiel, störte viel weiter vorne und spielte mutiger. Die Überraschungstaktik ging auf. Fünf Minuten waren erst gespielt, als nach einem langen Pass des überzeugenden Nationalspielers Sami Khedira erst Alaba mit einem Stellungsfehler und dann auch noch Neuer mit einem unüberlegten Ausflug durch den Strafraum patzten und Pogba mit seinem ersten Königsklassen-Treffer dieser Saison das 0:1 erzielte. Das Tor hinterließ Wirkung.

Die Münchner taten sich gegen die defensive Fünferkette des italienischen Meisters lange schwer. Douglas Costa probierte es aus der Distanz (18.), ein schönes Anspiel des früheren Juve-Profis Arturo Vidal war etwas zu lang für Lewandowski (19.). Das war es aber auch zunächst. Dann der nächste Bayern-Schock. Alaba verlor am gegnerischen Strafraum den Ball, Morata setzte zu einem Lehrbuch-Konter an, ließ fünf Gegenspieler stehen und passte zu Cuadrado. Der Kolumbianer schloss überlegt zum 0:2 ab. Dem FCB fehlte die ordnende Hand gegen eine taktisch sehr variable und selbstbewusste Gäste-Elf. Der Robben-Ausfall wegen Adduktorenproblemen machte sich bemerkbar, die Münchner kamen nicht dazu, ihre gewohnte Dominanz aufzubauen.

Bayern erst nach dem Seitenwechsel im Spiel

Erst nach 42 Minuten sahen die erstaunten Zuschauer die erste echte Bayern-Chance, aber Müller scheiterte an Gianluigi Buffon. Auf der Gegenseite hätte Cuadrado beinahe für den vorzeitigen K.o. gesorgt. Nach Zuspiel von Pogba scheiterte er aus kurzer Distanz an Neuer.

Erst nach dem Seitenwechsel legten die Münchner ihre Hemmungen ab, gerieten aber durch Konter weiter in Gefahr. Zunächst vergab Morata Chancen im Minutentakt (56./57./58.). Dann wechselte Guardiola Juan Bernat (46.), Coman (60.) und Thiago (101.) ein - und wurde belohnt.

Thiago bejubelt die Führung

Bayerns Thiago feiert seinen Führungstreffer gegen Juventus

Erst köpfte Lewandowski nach einer Costa-Flanke aus drei Metern ein. In der Nachspielzeit glich Müller ebenfalls per Kopf zum 2:2 aus und rettete sein Team in die Verlängerung. Die schönste Bayern-Kombination mit einem Doppelpass zwischen Müller und Thiago schloss der Spanier souverän zum 3:2 ab. Coman beseitigte nach einem sehenswerten Solo mit dem 4:2 alle Zweifel und sorgte für ausgelassene Festtagsstimmung in der Münchner Arena. "Das war ein verrücktes Spiel", sagte Last-Minute-Torschütze Müller: "Wir wussten die ganze Zeit: Auch wenn es in der 80. Minute noch 0:2 steht, geht noch was."

Pep Guardiola darf nach der irren Aufholjagd weiter davon träumen, sich mit dem Champions-League-Titel aus München zu verabschieden: "Das war ein tolles Fußball-Spiel für die Fans", sagte der Bayern-Coach. "Wir haben gegen den Finalisten des letzten Jahres gespielt. Ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen. Gegen eine italienische Mannschaft nach 0:2-Rückstand zu gewinnen, ist sehr schwer."

Statistik

Fußball · Champions League2015/2016

Mittwoch, 16.03.2016 | 20.45 Uhr

Bayern München

Neuer – Lahm, Kimmich, Benatia (46. Bernat), Alaba – Xabi Alonso (60. Coman) – Douglas Costa, T. Müller, Ar. Vidal, F. Ribéry (101. Thiago) – Lewandowski

4

Juventus Turin

Buffon – Lichtsteiner, Barzagli, Bonucci, Evra – S. Khedira (68. Sturaro), Pogba – Cuadrado (89. Pereyra), Hernanes, Alex Sandro – Morata (72. Mandzukic)

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Pogba (5.)
  • 0:2 Cuadrado (28.)
  • 1:2 Lewandowski (73.)
  • 2:2 T. Müller (90.+1)
  • 3:2 Thiago (108.)
  • 4:2 Coman (110.)

Strafen:

  • gelbe Karte S. Khedira (1 )
  • gelbe Karte Morata (2 )
  • gelbe Karte Kimmich (2 )
  • gelbe Karte Lichtsteiner (1 )
  • gelbe Karte Ar. Vidal (2 )
  • gelbe Karte Lewandowski (2 )
  • gelbe Karte Bonucci (1 )
  • gelbe Karte Cuadrado (1 )
  • gelbe Karte Pereyra (1 )
  • gelbe Karte Thiago (1 )
  • gelbe Karte Bernat (1 )
  • gelbe Karte Sturaro (3 )

Zuschauer:

  • 70000

Schiedsrichter:

  • Jonas Eriksson (Schweden)

red/dpa/sid | Stand: 16.03.2016, 23:29

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