Real Madrids hausgemachte Probleme

Cristiano Ronaldo von Real Madrid

Vor dem Champions-League-Spiel bei Borussia Dortmund

Real Madrids hausgemachte Probleme

Vor der Champions-League-Partie in Dortmund durchlebt Real Madrid die erste Krise unter Trainer Zinédine Zidane - was auch an der Transferpolitik liegt.

Die Generalprobe für die Partie in Dortmund am Dienstag (20.45 Uhr, Live-Ticker auf sportschau.de) hat Real Madrid gemeistert - zumindest auf dem Papier. Das mühsame 2:1 (2:1) beim punktlosen Schlusslicht Deportivo Alaves vom Samstag (23.09.2017) offenbarte jedoch erneut die aktuellen Probleme der "Königlichen". "Wir waren vor dem Tor überhaupt nicht gut", sagte Daniel Ceballos, der beide Treffer erzielt hatte. Auch Zidane bemängelte die "enttäuschende Ausbeute angesichts unserer zahlreichen Chancen".

Im Zentrum der Diskussionen: Cristiano Ronaldo. Auch nach sechs Spielen der spanischen Primera Division hat der Superstar noch keinen Treffer erzielt. Das liegt vor allem an der Sperre, durch die er die ersten vier Spiele verpasst hat. Ronaldo hatte im Supercup-Hinspiel den Schiedsrichter leicht geschubst und wurde vom Sportgericht für fünf Pflichtspiele gesperrt. Hinzu kommt aber eine selten gesehene Abschlussschwäche: Sowohl beim 0:1 gegen Betis Sevilla als auch gegen Alaves ging Ronaldo leer aus und vergab viele Chancen. "Er will und wird bald wieder treffen und mit seinen Toren dann auch den Unterschied ausmachen", sagte Zidane, "Cristiano ist in Ordnung."

Kaum Alternativen

Zidane wird höchstwahrscheinlich Recht behalten, Ronaldo hat gerade auf der großen Bühne Chamions League schon oft seine Kritiker verstummen lassen. Aber Reals Problem ist derzeit: Wenn die erste Garde fehlt oder schwächelt, fehlt es an Alternativen. Beispiel Angriff: Weil Karim Benzema mit einer Oberschenkelverletzung noch einige Tage ausfallen wird, ist Borja Mayoral der einzig verbliebene Mittelstürmer auf der Bank. Der 20-Jährige, im vergangenen Jahr recht erfolglos an den VfL Wolfsburg ausgeliehen, hat zwar ein Tor zum 3:1-Sieg bei Real Sociedad beigesteuert. Madrids höchsten Ansprüchen genügt er aber noch nicht.

In der vergangenen Saison wäre da noch Alvaro Morata gewesen, er traf in 26 teils kurzen Ligaeinsätzen satte 15 Mal. Jetzt stürmt er für den FC Chelsea. James Rodriguez steht ebenfalls nicht mehr zur Verfügung, ist bekanntlich an den FC Bayern ausgeliehen. Auch in der Defensive hat Madrid Federn gelassen: Routinier Pepe verteidigt jetzt für Besiktas in der Türkei, Rechtsverteidiger Danilo für Manchester City.

Teure Vertragsverlängerungen

In Sachen Personal hat sich Real im Sommer auf kostspielige Vertragsverlängerungen konzentriert. Marcelo, Isco, Dani Carvajal und Benzema haben langfristige Verträge unterschrieben. Laut Medienberichten hat der Klub auch Trainer Zidane bis 2020 gebunden. Dass die Vereinsführung das bestehende, funktionierende Team beisammenhalten will, ist nachvollziehbar. Unter Zidane hat Real erfolgreich gespielt wie nie zuvor, verteidigte gar als erster Klub den Titel in der Champions League.

Außerdem müssen Klubs auf dem überhitzten Transfermarkt derzeit irrsinnige Ablösesummen zahlen, um Spieler auf Weltklasseniveau zu verpflichten. Real hätte beispielsweise gerne Sturmtalent Kylian Mbappé vom AS Monaco geholt - aber das schwerreiche Paris St. Germain war bereit, 180 Millionen Euro für den 18-Jährigen auf den Tisch zu legen. Solche Summen sind selbst für Real Madrid eine neue Dimension.

Nur zwei Einkäufe im Sommer

So sind Linksverteidiger Theo Hernandez, für 30 Millionen Euro von Atlético gekommen, und Dani Ceballos (Betis Sevilla, 16 Millionen Euro) die einzigen Einkäufe des Sommers geblieben. Sie sind 19 und 20 Jahre alt und sollen langfristig aufgebaut werden. Außerdem fehlt Hernandez derzeit verletzt - genau wie Marcelo, Benzema, Mateo Kovacic und Jesus Vallejo.

In der Liga liegt Madrid nur auf Platz fünf mit sieben Punkten Rückstand auf den Erzrivalen FC Barcelona. Jetzt sind die Etablierten gefordert, Real aus der Ergebniskrise zu führen - zum Beispiel Toni Kroos. Zuletzt hat er wegen Rippenproblemen pausiert, für die Partie in Dortmund ist er aber wieder eine Option. "Ich werde alles geben, um dabei zu sein", verspricht er.

Thema in: Tagesthemen, Das Erste, Dienstag, 22.15 Uhr

Thema in: WDR Event (Vollreportage), Dienstag, 20.45 Uhr

vs | Stand: 25.09.2017, 13:16

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