FC Bayern – es wird ungemütlich

Niederlage in Paris

FC Bayern – es wird ungemütlich

Der FC Bayern München hat in der Champions League eine krachende Niederlage in Paris kassiert. In der Kritik steht vor allem Trainer Carlo Ancelotti, und zwar wegen seiner Aufstellung. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge fordert "Konsequenzen".

Karl-Heinz Rummenigge war bedient. "Es war eine ganz bittere Niederlage", sagte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender am Mittwoch (27.09.2017) nach dem 0:3 bei Paris St. Germain in seiner Bankettrede im Teamhotel. Nach der höchsten Vorrunden-Niederlage in 21 Jahren Champions League will die Vereinsführung des deutschen Meisters nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Rummenigge sprach von einer Niederlage, "über die es zu sprechen gilt, die es zu analysieren gilt und aus der wir auch in Klartextform Konsequenzen ziehen müssen". Welche das sein könnten, sagte der Vorstandschef nicht. Es könnte aber durchaus auch für Trainer Carlo Ancelotti ungemütlich werden.

Überraschende Aufstellung

Denn der hatte eine Aufstellung gewählt, die alle Experten und wohl auch die eigenen Spieler verblüffte. Besonders der Verzicht auf das Weltmeister-Duo Mats Hummels und Jérôme Boateng im Abwehrzentrum verwunderte. Dafür agierte neben Javi Martinez der unerfahrene Niklas Süle. Und vorne spielten statt Arjen Robben und Franck Ribéry Thomas Müller und James Rodriguez. Zudem änderte der italienische Coach das System in ein 4-3-2-1 ohne echte Flügelspieler.

"Wir wollten das Spiel kontrollieren und Ballbesitz haben. Wir wollten mehr Spieler im Mittelfeld. Das war nur eine taktische Entscheidung. Ich denke nicht, dass das zu riskant war", verteidigte sich Ancelotti.

Teilweise überrollt

War es aber wohl doch, denn die Bayern waren im Prinzenpark-Stadion teils komplett überfordert gegen den Hochgeschwindigkeitsfußball der Franzosen. Die Münchner Defensive war brüchig, in der Rückwärtsbewegung fehlte jegliche Kompaktheit. Da konnten auch die Mittelfeldspieler Thiago, Arturo Vidal und Corentin Tolisso nichts ändern. Die Bayern wurden von PSG, das in Bestformation und mit seinen Stars Neymar, Edinson Cavani und Kylian Mbappé angetreten war, teilweise überrollt.

"Nicht Bayern München"

Zur zweiten Halbzeit brachte Ancelotti Sebastian Rudy und Kingsley Coman für die wirkungslosen James und Corentin Tolisso. Doch auch das brachte nichts. Ancelotti wechselte damit übrigens die vermeintlichen Topzugänge der Bayern aus. "Ich denke, das, was wir heute Abend gesehen haben, war nicht Bayern München", sagte Rummenigge.

Dem Trainer steht beim vom Erfolg verwöhnten Klub ein heißer Herbst bevor. Den  Gruppensieg in der Champions League können die Bayern wohl abschreiben, in der Liga stehen sie nach der Niederlage in Hoffenheim und dem jüngsten Remis gegen Wolfsburg nur auf Platz drei. Rummenigge forderte, "dass wir schnell wieder die Kurve kriegen."

Robben: "Jedes Wort zu viel"

Die Spieler hielten sich mit Kritik an ihrem Trainer zurück. "Der Trainer trifft die Entscheidungen. Wir als Mannschaft müssen auf dem Platz alles in die Waagschale werfen und die Pläne umsetzen. Deshalb stehen wir in der Verantwortung", sagte Kapitän Thomas Müller. "Die Aufstellung ist Sache des Trainers. Darüber werde ich jetzt nichts sagen, da ist jedes Wort zu viel", erklärte Arjen Robben. Und auf die Frage, ob die Mannschaft noch hinter Trainer Ancelotti stehe, sagte er nur: "Darauf werde ich nicht antworten." Womit er freilich auch ein klares Bekenntnis vermied.

sid/dpa | Stand: 28.09.2017, 10:03

Darstellung: