Pellegrinis zweite große Chance

Manuel Pellegrini

Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League

Pellegrinis zweite große Chance

Von Jörg Strohschein

Manchester City steht vor dem größten Vereinserfolg in der Champions League. Ein Remis gegen Dynamo Kiew reicht fürs Viertelfinale. Trainer Manuel Pellegrini, der den Klub zum Saisonende verlässt, will zum Abschluss unbedingt den Titel gewinnen.

Es war kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres, als ein englischer Reporter eine für Manuel Pellegrini geradezu unerhörte Frage stellte. Wie es ihm gelänge, trotz der andauernden Spekulationen um seine Nachfolge so würdevoll weiterzuarbeiten. Der Name von Pep Guardiola schwebte ja schon seit längerer Zeit über dem Klub. Natürlich ist der Chilene ganz ruhig geblieben, auch wenn er grauer im Gesicht war als ohnehin schon. Seine gute Erziehung schien es ihm verboten zu haben, emotional zu reagieren. Also antwortete der 62-Jährige pflichtbewusst, dass man immer weiterarbeiten müsse. Auf alles andere hätte er keinen Einfluss.

Womöglich hätten mittlerweile einiger seiner Kollegen die Brocken schon hingeworfen. Gilt Pellegrini doch vielen mittlerweile als "lame duck", als lahme Ente, im Klub. Schließlich war er es selbst, der im Februar völlig überraschend der Öffentlichkeit mitteilte, dass der Spanier Guardiola ihn tatsächlich beerben würde. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war das Vertrauen der englischen Öffentlichkeit in den Coach dahin. Würde das City-Starensemble weiterhin auf ihn hören?

Unachtsamkeit oder kleine Gemeinheit

Ob das Lüften dieses offene Geheimnis eine Unachtsamkeit oder eine kleine Gemeinheit Pellegrinis war, dürfte sein Geheimnis bleiben. Vermutlich fühlte sich der Chilene unter Wert beurteilt, weil er die vielen Stars wie Yaya Touré, Kun Agüero oder auch David Silva stets besonnen händelte und zu einem Meistertitel führte. Aber Pellegrini ließ sich auch weiterhin nichts anmerken und arbeitete weiter, als wäre nichts geschehen. Allerdings mit eher gemischtm Erfolg.

In Meisterschaft und FA-Cup sind die Citizens mittlerweile tatsächlich aus dem Rennen. Als Tabellenvierter mit mittlerweile neun Punkten Rückstand auf den Führenden, Leicester City, sind die Chancen auf den Titel wohl nur noch theoretisch vorhanden. "Wir geben nicht auf, solange mathematisch noch etwas möglich ist", sagt der Trainer.

Großer Erfolg steht bevor

Allerdings hat Pellegrini am Dienstagabend (15.03.2016) im Heimspiel gegen Dynamo Kiew noch immer die Chance, den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte in der Champions League einzufahren. Das Starensemble, das derzeit einen Marktwert von rund 500 Millionen Euro besitzt, hatte noch nie zuvor das Viertelfinale der europäischen Königsklasse erreicht.

Das Hinspiel hatten die Citizens in der Ukraine bereits mit 3:1 gewonnen. So Flügellahm, wie ihn einige Beobachter und auch Fans eingeschätzt hatten, scheint Pelligrini indes doch nicht zu sein. "Wir dürfen aber nicht so tun, als stünden wir schon im Viertelfinale", sagt der Trainer.

Sanftmütig und ehrgeizig

Pellegrini gilt als ein sanftmütiger, beherrschter, gut gebildeter und sehr nachdenklicher Mensch. Gennant wird Pellegrini "El Ingeniero", der für seine Schulausbildung und sein Ingenieursstudium Bestnoten liefern musste, damit er von seinen Eltern überhaupt die Erlaubnis erhielt, den Beruf des Fußballlehrers zu ergreifen.

Er ist ein ehrgeiziger Mensch, der noch einmal die große Chance ergreifen möchte, diesen großen europäischen Titel zu gewinnen. Denn in der beinahe 30 Jahre andauernden Trainerkarriere Pellegrinis ist Manchester City erst das zweite Team, mit dem er diese Möglichkeit hätte.

Bei Real Madrid wurde er einst nach einem Jahr entlassen, obwohl er als Tabellenzweiter 96 Punkte holte und damit die bis dahin höchste Punktzahl in der Vereinsgeschichte. Er blieb aber dennoch hinter dem Erzrivalen FC Barcelona zurück, der noch drei Punkte mehr gewinnen konnte. In der Champions League kam er allerdings nicht über das Achtelfinale hinaus, was insgesamt ein Kündigungsgrund für den Klubpräsidenten Florentino Pérez war.

Manchester City ist die zweite große Chance für Pelligrini, die zum Saisonende nach drei Jahren vorbei ist. Er würde einen möglichen Triumph aber wohl ohne großes Aufsehen zu erregen genießen.

Stand: 14.03.2016, 14:18

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