Paris und das lange Warten

In Frankreich eine Macht: Jubel bei Paris St. Germain

Champions League

Paris und das lange Warten

Von Frank van der Velden

Paris St. Germain will mit aller Macht die Champions League gewinnen. Doch trotz all der Millionen aus Katar könnte das auch im vierten Anlauf nicht gelingen.

In Frankreich wird Paris St. Germain nur "le monstre" genannt - "das Ungeheuer". In der heimischen Ligue 1 liegt der Klub aus der Hauptstadt schier uneinholbar an der Tabellenspitze. 24 Punkte beträgt der Vorsprung auf den Zweiten aus Monaco. Das Team des schwedischen Superstars Zlatan Ibrahimovic hat seit 35 Liga-Spielen nicht verloren, in dieser Saison in 26 Partien erst zwölf Gegentreffer kassiert und 63 geschossen. Der bisherige Rekord stand bei 32 Spielen ohne Niederlage. Das hatte der FC Nantes in der Saison 1994/95 geschafft. Im März 2015 ist Paris in der Liga zuletzt als Verlierer vom Platz gegangen.

Im französischen Pokal steht St. Germain im Viertelfinale, und im Ligapokal bereits im Endspiel. In Frankreich zweifelt niemand daran, dass sich das Team am Ende alle drei Titel holt. Kapitän Thiago Silva hält sogar eine komplette Saison ohne Pleite für machbar. "Ich denke, wenn wir so weitermachen, können wir es schaffen, am Ende ohne Niederlage zu bleiben", sagt er. Zwölf Spieltage stehen noch aus.

Mit dem Finger in der Nase zum Titel

Die Konkurrenz hat sich längst ergeben. "Diesem Paris Paroli zu bieten ist nicht nur schwer, es ist unmöglich. Die spielen inzwischen auf einem anderen Planeten", sagt Rolland Courbis, der Trainer des HSC Montpellier. Wundern tut sich darüber in Frankreich niemand. Die Sportzeitung "L'Équipe" schrieb schon vor der Saison, es werde einen "unerbittlichen, unabwendbaren und ungenierten Durchmarsch" der Pariser zum vierten Liga-Titel in Folge geben. Das Fachmagazin "France Football" titelte, PSG werde die Meisterschaft "in der Nase bohrend" gewinnen.

116,1 Millionen Euro ausgegeben

Wünscht sich den Titel: Präsident Nasser Al-Khelaïfi

Wünscht sich den Titel: Präsident Nasser Al-Khelaïfi

Das ist beeindruckend - irgendwie aber auch nicht. Seit die Investorengruppe Qatar Sports Investments den Klub 2011 übernommen hat, schwimmt der im Geld. Allein vor dieser Saison hat Paris 116,1 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben und nur 17,4 Millionen eingenommen. Das macht eine negative Gesamtbilanz von 98,7 Millionen Euro. Der Saisonetat liegt bei rund 520 Millionen Euro. Olympique Lyon muss als zweitreichster Klub mit 170 Millionen auskommen. Als Königstransfer wurde im vergangenen Sommer Angel Di Maria verpflichtet. Für den Rechtsaußen aus Argentinien überwies Paris 63 Millionen Euro auf das Konto von Manchester United.

Ibrahimovic rückwirkend besser entlohnt

Wie es um die Finanzen bestellt ist, zeigt das Beispiel Zlatan Ibrahimovic. Der verdient statt knapp zehn nun angeblich rund 18 Millionen Euro pro Saison - und das sogar rückwirkend. Nach Angaben der französischen Zeitung "Le Parisien" haben die katarischen Eigentümer dem 34-Jährigen zuletzt dieses nachträgliche Weihnachtsgeschenk gemacht. Laut der Zeitung sind zudem einige Sonderprämien geplant. Für all das musste Ibrahimovic noch nicht mal seinen im Sommer auslaufenden Vertrag verlängern. Er bekam das Geld einfach so.

Zwar hatte PSG wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay schon Ärger mit der UEFA, doch die hat die Regeln zuletzt wieder aufgelockert. So müssen Vereine zwar nach wie vor mehr einnehmen als sie ausgeben, doch die Lücke darf jetzt wieder von Investoren gefüllt werden - was den steinreichen Kataris ein Leichtes ist.

Das große Ziel: die Champions League

Wartet auf den Titel in der Königsklasse: Zlatan Ibrahimovic

Wartet auf den Titel in der Königsklasse: Zlatan Ibrahimovic

Was nicht ganz so leicht ist, ist das Erreichen des eigentlichen Ziels. PSG macht sich nicht allzu viel aus Meisterschaften und Pokalsiegen, der Klub will die Champions League gewinnen. Doch das hat trotz all der Millionen bisher nicht geklappt. In den vergangenen drei Jahren ist das Team jeweils im Viertelfinale gescheitert - zwei Mal am FC Barcelona und ein Mal am FC Chelsea. Das wurmt Vereinsboss Nasser Al-Khelaifi. Er fordert den Cup. "Wir wollen so viele Wettbewerbe wie möglich gewinnen", erklärt er, das wisse die ganze Welt. Und der große Traum sei es, so weit wie möglich in der Champions League zu kommen.

In 180 Minuten kein Tor gegen Real

Auch in diesem Jahr trifft Paris im Achtelfinale auf die Londoner, zunächst am Dienstag (16.02.16) im Pariser Prinzenpark-Stadion und dann zum Rückspiel am 9. März an der Stamford Bridge. Chelsea ist der Gegner, weil es in der Vorrunde in der Gruppe A nur zu Platz zwei hinter Real Madrid gereicht hat. Denn im Gegensatz zur französischen Liga ist Paris in der Königsklasse nicht ungeschlagen geblieben, unterlag bei den Madrilenen mit 0:1 und kam daheim nicht über ein 0:0 hinaus. Im Klartext heißt das, dass Paris gegen das einzige ebenbürtige Team in 180 Minuten kein einziges Tor erzielt hat.

Hohe Leistungsdichte

Das Objekt der Begierde: der Champions-League-Pokal

Das Objekt der Begierde: der Champions-League-Pokal

Das Problem ist, dass auch andere Klubs die Champions League gewinnen können. Neben Paris und Real Madrid gehört der FC Barcelona zu den Favoriten. Genau wie Vorjahresfinalist Juventus Turin und Manchester City, das ähnlich viel Geld zur Verfügung hat wie PSG. Und dann will auch noch der FC Bayern München ein Wort mitreden. Das Bewerberfeld liegt eng beisammen, die Leistungsdichte ist groß. In den vergangenen zehn Jahren gewannen sieben verschiedene Klubs die Königsklasse. Wie umkämpft die Trophäe Jahr für Jahr ist, beweist auch die Tatsache, dass noch kein Klub sie verteidigen konnte.

"Gewinnt nicht immer die beste Mannschaft"

Kapitän Thiago Silva ist dennoch optimistisch. "Ich denke, wir können die Champions League dieses Jahr gewinnen. Jeder träumt hier davon", sagt er. Zlatan Ibrahimoviv ist da ein wenig vorsichtiger - wohl auch, weil er mit Ajax Amsterdam, Juventus Turin, Inter und dem AC Mailand sowie mit dem FC Barcelona schon vergeblich versucht hat, den Cup zu holen. "Wir haben das Potenzial, ganz weit zu kommen, aber um zu gewinnen, muss eine Menge zusammenkommen. Es gewinnt nicht immer die beste Mannschaft", sagt der Schwede. Fragt man Laurent Blanc nach seinen Zielen, ist die Antwort immer die gleiche. "Eine Runde weiter kommen als zuletzt“, sagt der Trainer dann. Er betont immer wieder, PSG müsse "einfach Geduld haben", um in Europa erfolgreich zu sein.

Vertrag mit Blanc verlängert

Fordert Geduld: Trainer Laurent Blanc

Fordert Geduld: Trainer Laurent Blanc

Auch Nasser Al-Khelaifi hat offenbar Geduld - trotz aller Titelträume. Zumindest kann er die Realitäten richtig einschätzen. Auf dem Trainerposten setzt er auf Kontinuität und hat den Vertrag mit Blanc vorzeitig um zwei Jahre bis 2018 verlängert. Der 50-Jährige ist seit 2013 im Amt und nimmt in Sachen Champions League jetzt seinen dritten Anlauf. "Es ist eine große Freude. Ich danke dem Verein für das Vertrauen, das er mir entgegenbringt", sagt der Franzose.

Ronaldo, Neymar oder Lewandowski sollen kommen

Sollte Paris auch in diesem Jahr scheitern, nimmt es einen neuen Anlauf. Mit noch mehr Geld. Laut "L'Équipe" will St. Germain Bayern-Stürmer Robert Lewandowski verpflichten. Der Pole ist allerdings nur eine Option, denn eigentlich möchte der Klub Madrids Cristiano Ronaldo oder Barcelonas Neymar an die Seine holen. Wer auch immer Paris in der kommenden Saison verstärkt - in der französischen Liga wird es dann wohl noch langweiliger werden.

Stand: 16.02.2016, 08:00

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