Atletico kämpft gegen den Real-Fluch

Griezmann (r.) im Spiel gegen Real Madrid

Champions League, Halbfinal-Hinspiel

Atletico kämpft gegen den Real-Fluch

Zum dritten Mal in Folge trifft Atletico Madrid in der heißen Phase der Champions League auf Nachbar Real. Bisher mussten sie sich den "Königlichen" von nebenan immer beugen. Damit soll jetzt Schluss sein.

Die Rollen vor dem Madrider Stadtderby zwischen Titelverteidiger Real und Atletico im Halbfinale der Champions League scheinen wie immer klar verteilt. "Real ist der Favorit", sagte Atleticos Fan-Liebling Fernando Torres vor dem Hinspiel am Dienstag (02.05.2017) im Estadio Santiago Bernabeu, aber: "Wir wissen, wer wir sind und dass wir es mit jedem aufnehmen können. Wir haben vor niemandem Angst."

Allerdings ist der ewige Rivale und Nachbar gerade in Europa Atleticos Angstgegner. Immer, wenn es im Europapokal gegen Real ging, ging's für Atletico schief - und meist auf besonders brutale Weise. Wie 1959, als Alfredo Di Stefano und Ferenc Puskas Real beim 2:1 im Entscheidungsspiel ins Finale schossen.

Real und Atletico stehen vor einem schwierigen Spiel

Sportschau | 02.05.2017 | 08:57 Min.

Drei Mal in drei Jahren

Wie 2014, als Atletico eine Hand am Pokal hatte, Real aber in der Verlängerung die "Decima", den zehnten Titel klar machte (4:1). Oder wie im Viertelfinale 2015 (0:0/0:1) und natürlich wie beim Elfmeterschießen im Endspiel 2016 (3:5). Vier Mal Atletico gegen Real im Europacup, vier Mal Jubel bei den "Königlichen".

Da bleibt eigentlich nur Trotz. "Das ist eine extra Motivation für uns", sagt Torres über die bittere Finalniederlage in der vergangenen Saison, als Atletico-Urgestein Juanfran der entscheidende Fehlschuss unterlief. Klar, es werde schwierig gegen Ronaldo, Toni Kroos und all die anderen Stars, "aber wir haben so viel Selbstvertrauen zu sagen, dass wir mit Demut und Aufopferungsbereitschaft erneut ins Finale kommen können. Wir sind bereit, haben Lust und Ambitionen."

Real extrem selbstbewusst

Aber die hat auch Real, gerade nach der Viertelfinal-Demonstration mit fünf Toren von Weltfußballer Ronaldo gegen den FC Bayern. "Wir wissen, wie stark wir sind", sagte Mittelfeldmann Casemiro und Trainer Zinedine Zidane meinte: "Wir sind bereit und wissen, was wir zu tun haben." Von einer Glückssträhne gegen Atletico will er jedoch nichts wissen: "Es bedeutet nichts, dass wir gegen sie in diesem Wettbewerb bereits gewonnen haben."

Die Konstanz Atleticos in den vergangenen Jahren, national wie international, ist auch beim großen Nachbarn angekommen. Atletico sei zuletzt "jedes Jahr besser geworden", so Zidane. "Sie haben uns immer Schwierigkeiten bereitet und geben nie auf. Sie kämpfen, teilen aus und nutzen ihre Waffen. Aber wir haben auch Waffen."

"Königliche" Geschichte schreiben

Aber eigentlich schaut Real schon am kleineren Nachbarn vorbei. Denn die "Königlichen" könnten gleich zwei Mal Geschichte schreiben: Als erster Champion seit der Neuschaffung der Königsklasse (1992), der seinen Titel erfolgreich verteidigt, und mit dem ersten Double für Real aus Champions League und Meisterschaft seit 1958.

Zidane muss aber zwei knifflige Personalfragen lösen: Wer ersetzt den verletzten Gareth Bale - Isco oder Marco Asensio? Und bringt er den wieder genesenen Raphael Varane im Abwehrzentrum für den zuletzt überzeugenden Nacho? Atletico hofft indes auf das Mitwirken von Yannick Carrasco und Sime Vrsaljko, passen müssen Juanfran und Jose Gimenez.

Kein Blöße gegeben

Die Generalprobe am vergangenen Samstag verlief jeweils erfolgreich: Real bezwang den FC Valencia dank eines späten Treffers von Marcelo (86.) 2:1. Ronaldo traf ebenfalls (27.), verschoss aber einen Elfmeter (57.). Atletico, das als Dritter in der Primera Division zehn Punkte hinter dem Rivalen liegt, gewann 5:0 auf Las Palmas.

Thema in: Deutschlandfunk Sport aktuell, 02.05.2017, 22.50 Uhr

sid | Stand: 02.05.2017, 08:28

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