Peter Gulacsi - RB Leipzigs unterschätzte Nummer eins

Leipzigs Keeper Peter Gulacsi

Torhüter vor der Champions League gegen Porto

Peter Gulacsi - RB Leipzigs unterschätzte Nummer eins

Von Frank Hellmann

Peter Gulacsi hat sich als Konstante im Kasten von RB Leipzig entwickelt: Im dritten Champions-League-Spiel gegen den FC Porto trifft der ungarische Keeper auf die spanische Torwart-Legende Iker Casillas.

Es gibt genügend Kritiker, die behaupten, die beste Zeit von Iker Casillas sei vorbei. Der Vorwurf: nicht mehr gut genug auf der Linie und im Strafraum noch nie stilprägend. Als Beleg könnte der Patzer taugen, den sich die spanische Ikone, der mittlerweile für den FC Porto spielt, in der Champions League zum Auftakt gegen Besiktas Istanbul leistete. Da rutschte dem 36-Jährigen ein eher harmloser Distanzschuss durch. 1:3 ging die Partie verloren.

Und doch steht Casillas ganz gut da, wenn sein Klub am Dienstag (17.10.17, ab 20.30 Uhr im Live-Ticker bei sportschau.de) in der Königsklasse bei RB Leipzig antritt: Nach dem 3:0 in der zweiten Gruppenpartie beim AS Monaco ist die Perspektive nicht so schlecht, zudem hat Casillas in der portugiesischen Liga in den ersten fünf Spielen gar kein Gegentor kassiert. Das ist dem Rekordspieler der Champions League (166 Einsätze) bei Real Madrid nie gelungen.

Der Ungar hat die besten Noten

Porto-Torwart Iker Casillas

Porto-Torwart Iker Casillas

Casillas trifft in Leipzig auf einen Kollegen, dessen Namen selbst hierzulande vielen Fußballfans nicht so flüssig über die Lippen geht: Peter Gulacsi. Der Tormann mit dem etwas schütteren Haar trägt zwar die Nummer 32 auf dem Rücken, gibt aber beim Vizemeister die unumstrittene Nummer eins. Und er ist vielleicht der am meisten unterschätzte Schlussmann der Liga, obgleich er im Fachmagazin "Kicker" gerade als notenbester Torhüter der Liga geführt wird.

59 Pflichtspiele hat der 2015 aus Salzburg gekommene Keeper inzwischen schon für RB Leipzig gemacht. Gulacsi versus Casillas - ein größerer Kontrast geht kaum. Dem Torwart des Gastgebers geht fast jeder Glamourfaktor ab. Wegen seiner zurückhaltenden Art, aber auch der abgeklärten Spielweise bewegt sich der RB-Ballfänger oft unter dem Radar. Die Vizemeisterschaft wäre indes kaum möglich gewesen, hätte Leipzig einem unsicheren Kantonisten vertraut.

Nachdem sich am 7. Februar 2016 der frühere Stammtorwart Fabian Coltori eine schwere Schulterverletzung zuzog, nutzte Gulacsi die Chance. Und gewann im Grunde mit jedem Spiel an Sicherheit. Inzwischen hat der 27-Jährige auch das Erbe von Kultfigur Gabor Kiraly in der ungarischen Nationalmannschaft angetreten.

Absolutes Vertrauen vom Trainer

RB-Trainer Ralph Hasenhüttl sprach seinem Tormann bereits mehrfach das "absolute Vertrauen" aus: Obwohl im Sommer für stolze fünf Millionen Euro Ablöse das Schweizer Torwarttalent Yvon Mvogo verpflichtet wurde, konnte sich der hoch veranlagte 23-Jährige nicht durchsetzen: Mit einem Einsatz im Auswärtsspiel beim FC Augsburg (0:1) musste sich Mvogo begnügen, obwohl er in der Vorsaison mit Young Boys Bern in Europa League und Champions-League-Qualifikation die Bälle hielt.

Hasenhüttl sah allerdings keinen Grund, an den alten Hierarchien zu rütteln. "Wir haben mit Peter eine Nummer eins, die es sehr gut gemacht hat. Und er hat natürlich den Vorteil, dass er bereits ein ganzes Jahr Bundesliga gespielt hat." Gulacsi bestreitet bei RB Leipzig, wo er vertraglich bis 2020 gebunden ist, bereits seine dritte Saison - so lange war er in seiner Karriere noch nie bei einem Klub.

Ein Torwart gewinnt viele Punkte

Aufgewachsen und ausgebildet wurde er in Budapest, bis sich die Fähigkeiten des Torwarttalents außerhalb der Landesgrenzen herumsprachen. Vor einem Jahrzehnt holte der FC Liverpool den damals 17-Jährigen, wobei Gulacsi zunächst im Reserveteam eingesetzt und dann an Vereine wie Hereford United, Tranmere Rovers und Hull City verliehen wurde.

Eine Kernbotschaft hat er von der Insel übernommen: "Ein guter Torwart holt in der Saison acht bis zehn Punkte, ein richtig guter zwölf bis 15." Wobei interessant ist, was Gulacsi in dieser Hinsicht über die vergangene Spielzeit sagte: "Da war ich etwa bei zehn Punkten." Diese anspruchsvolle Quote noch zu steigern, wäre in der aktuellen Saison speziell in der Champions League wichtig, wo RB Leipzig noch reichlich Luft nach oben hat.

Stand: 16.10.2017, 15:52

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