Real gegen PSG - es geht um die Saison

Achtelfinale der Champions League

Real gegen PSG - es geht um die Saison

Von Robin Tillenburg

Das Achtelfinale der Champions League zwischen Real Madrid und Paris Saint-Germain könnte für beide Klubs kaum wichtiger sein. Für beide geht es im Prinzip um die Rettung einer ganzen Saison. Trotz unterschiedlicher Vorzeichen. Heute steigt das Hinspiel.

Paris Saint-Germain ist nach dem "Betriebsunfall" der verpassten Meisterschaft im vergangenen Jahr inzwischen wieder souveräner Tabellenführer der Ligue 1 und hat bei zwölf Punkten Vorsprung den Titel schon fast sicher. Dazu wurde in der Gruppenphase der FC Bayern München auf Rang zwei verwiesen - die Saison läuft bisher also eigentlich absolut nach Plan für das Starensemble von Trainer Unai Emery.

"Horrorszenario": Noch ein Jahr warten

Cristiano Ronaldo jubelt

Cristiano Ronaldo jubelt

Doch die Ansprüche in der französischen Hauptstadt sind maximal hoch. Nachdem man auch vor dieser Saison wieder einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag in die Transfers von Neymar und Kylian Mbappé investiert hat, soll jetzt endlich der lang ersehnte Titel in der Champions League her. Der ist dem Klub trotz der finanziell bedingten Wiederauferstehung nämlich noch nicht geglückt. Spätestens im Viertelfinale war seit der Spielzeit 2012/13 regelmäßig Endstation. In der vergangenen Saison erfolgte das Aus sogar schon im Achtelfinale, als man nach einem 4:0-Sieg über den FC Barcelona im Hinspiel noch wie ein Titelanwärter aussah und dann im Rückspiel mit 1:6 vermöbelt wurde.

Klammert man die große Überraschung aus dem vergangenen Jahr aus, ist der Meistertitel seit der Spielzeit 2012/13 eigentlich ohnehin fest eingeplant, genau wie der Pokal - beides holte man in fünf Saisons je viermal. Doch der Kader und die Ausgaben des Vereins sind auf den maximalen Erfolg ausgerichtet und das wäre der Gewinn der Champions-League-Trophäe oder zumindest eine Teilnahme am Halbfinale. Das Aus gegen Real Madrid würde den Scheich-Klub zu einem weiteren Jahr in der "Warteschleife" verdammen - ein Szenario, das die Verantwortlichen nicht mehr "ertragen" möchten und das auch Emery dann wohl nicht mehr in aktiver Rolle erleben würde.

Reals Fokus liegt (auch) auf der Champions League

So kurios es klingt: Die Madrilenen sind in einer vergleichbaren Situation. Obwohl Real, das ja in den vergangenen beiden Jahren jeweils in der Königsklasse triumphierte, in der Liga als Titelverteidiger auf Rang vier keine realistischen Chancen mehr auf die Meisterschaft hat, steht und fällt die Bewertung der Saison mit der Champions League. Der "Henkelpott" ist die Trophäe, die bei den Königlichen "zählt". Der Rest ist - überspitzt formuliert - Beiwerk oder Trost (auch wenn man natürlich auch gern die Meisterschaft holen würde).

Somit kann der seit Monaten in der Kritik stehende Erfolgstrainer Zinédine Zidane seine Saison trotz der wohl verpassten Meisterschaft noch retten, doch dafür braucht er unbedingt einen Sieg (und eine überzeugende Vorstellung) im Heimspiel gegen Paris. Sollte das Hinspiel im eigenen Stadion verloren gehen, könnte das sogar der Faktor sein, der zu seiner Entlassung führt. Kommen die Madrilenen aber gegen PSG weiter, ist alles soweit in Ordnung. Zumindest bis zum Viertelfinale. So ist das eben in Madrid. Zidane selbst sagt dazu: "Meine Zukunft interessiert mich gerade nicht. Ich denke jetzt nur an die beiden Spiele gegen Paris."

Die sechs Gruppenspiele von Real Madrid und PSG im Vergleich
KategorieReal MadridParis Saint-Germain
Tore1725
Torschüsse10097
davon aufs Tor5346
Passgenauigkeit (%)8989
Ballbesitz (%)5952

Quelle: Uefa.com

Superstars in Topverfassung

Ihre Generalproben haben beide Mannschaften gewonnen. PSG quälte sich zu einem 1:0 in Toulouse, bei dem wieder einmal der überragende Neymar den Siegtreffer erzielte, während Madrid sich mit 5:2 gegen San Sebastián durchsetzte - Cristiano Ronaldo traf dreifach. Die Superstars sind also offenbar bereit für das Duell zwischen dem Rekord-Titelträger und dem nicht minder finanzstarken Herausforderer, der endlich auch sportlich in Reals Sphären vorstoßen will.

Dass es überhaupt schon im Achtelfinale zu dieser Paarung kommen konnte, die eigentlich zu diesem frühen Zeitpunkt keinem der beiden Teams schmecken kann, liegt daran, dass Madrid in der Gruppenphase Tottenham den ersten Platz überlassen musste. Auch in der vergangenen Saison belegten die Spanier nur Rang zwei in ihrer Gruppe und marschierten am Ende dennoch zur Titelverteidigung. Die soll es bitte auch in diesem Jahr werden. Gegen PSG mit der besten Offensive der aktuellen Champions-League-Saison wird das voraussichtlich ein hartes Stück Arbeit.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Mittwoch, 14.02., ab 22.50 Uhr

Stand: 14.02.2018, 08:00

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