FC Basel - aus der Krise zum Champions-League-Traum

Basels Trainer Raphael Wicky (r.) klatscht seinen Schützling Kevin Bua ab

Schweizer Klub steht im Achtelfinale

FC Basel - aus der Krise zum Champions-League-Traum

Von Marco Schyns

Der FC Basel steht zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte in der K.o.-Runde der Champions League. Dabei wurde vor nicht einmal drei Monaten die Ablösung von Trainer Raphael Wicky gefordert - wegen Erfolglosigkeit.

Es ist gerade einmal drei Monate her, da schien der FC Basel gehörig ins Straucheln zu geraten. Der Primus der Schweizer Super League erlebte eine Durststrecke von vier Meisterschaftsspielen in Folge ohne Sieg - zwei Partien davon gingen sogar verloren. Für ein Team wie Basel, dass in der Vorsaison in 36 Spielen genau zwei Mal verloren hatte und mit 17 Punkten Vorsprung Meister wurde, war das ein Debakel.

Die Auftritte in den Pokalwettbewerben zu jener Zeit ließen ebenfalls kaum Hoffnung auf Besserung zu. Zum Champions-League-Auftakt setzte es bei Manchester United eine 0:3-Pleite, die durchaus noch hätte höher ausfallen können. Gegen den Zweitligisten FC Chiasso gab es im Schweizer Pokal einen denkbar knappen 1:0-Erfolg - durch einen Treffer kurz vor Schluss. Die Forderungen bei Fans und Medien nach einer Entlassung von Trainer Raphael Wicky waren laut.

Magische Europapokal-Nächte

Heute redet beim Schweizer Serienmeister (seit 2010 immer Meister) keiner mehr von dieser Zeit - und wenn über den Trainer gesprochen wird, dann nur in den höchsten Tönen. Der ehemalige Spieler des Hamburger SV hat den Fans mit seinem Team seither zahlreiche magische Europapokal-Nächte beschert. Die Belohnung dafür: der Einzug in die K.o.-Runde der Champions League, zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte.

Mit zwölf Punkten aus sechs Spielen haben die Schweizer die Gruppenphase abgeschlossen. Neben dem entscheidenden Sieg am Dienstagabend (05.12.2017) in Lissabon (2:0) und dem ebenso souveränen Erfolg in Moskau (2:0), setzte der Klub vor allem im heimischen St. Jakob-Park Ausrufezeichen. Mit 5:0 wurde der portugiesische Meister Benfica Lissabon nach Hause geschickt.

Auch den englischen Spitzenklub Manchester United besiegte der FCB daheim (1:0). Der Stadionsprecher verkündete nach dem Sieg gegen die Engländer stolz, dass Manchester United in Basel "in der Neuzeit chancenlos" bleibe. Den Schweizern gelang nämlich schon vor sechs Jahren dieses Kunststück. Damals besiegte Basel United, zu jener Zeit noch von Sir Alex Ferguson trainiert, am letzten Spieltag der Vorrunde mit 2:1. Die Konsequenz: Basel qualifizierte sich erstmals für die K.o.-Runde, United war raus.

Basel als Ausgangspunkt für Superstars

Xerdan Shaqiri (l.) und Granit Xhaka (r.) 2012 im Trikot des FC Basel

Xerdan Shaqiri (l.) und Granit Xhaka (r.) 2012 im Trikot des FC Basel

In dieser Saison haben es beide Klubs geschafft. Während das bei den Engländern aber der Anspruch war, darf man Basels Weiterkommen zweifellos als Sensation bezeichnen. Seit Jahren verkaufen die Schweizer ihre besten Spieler an Top-Adressen in Europa. Der Ex-Gladbacher und heutige Arsenal-Spieler Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri, einst Champions-League-Sieger mit dem FC Bayern, Barcelona-Star Ivan Rakitic, Gladbachs Torhüter Yann Sommer, Schalkes Stürmer Breel Embolo und der aktuelle Top-Torjäger der Premier League, Liverpools Mohamed Salah, spielten alle für den FCB.

Mit Innenverteidiger Manuel Akanji und Mittelstürmer Dimitri Oberlin melden sich bereits die nächsten Spieler an, einen ähnlichen Weg wie Xhaka und Co. zu gehen. Akanji ist aus der Abwehr der Schweizer nicht mehr wegzudenken. Der 22-jährige Schweizer mit nigerianischen Wurzeln gilt als kopfball- und zweikampfstark. 2015 kam Akanji vom FC Winterthur und verpasste in dieser Saison noch kein Spiel.

Vier Tore in sechs CL-Spielen: Basels Stürmer Dimitri Oberlin

Vier Tore in sechs CL-Spielen: Basels Stürmer Dimitri Oberlin

Die Karriere von Teamkollege Oberlin verlief dagegen bislang nicht so gradlinig. Der 20-Jährige galt schon vor zwei Jahren als großes Talent - und wechselte vom Heimatklub FC Zürich für zwei Millionen Euro zu RB Salzburg. Dort steht der Schweizer mit kamerunischen Wurzeln noch immer unter Vertrag - ist nach zwei enttäuschenden Jahren in Salzburg und Altach (Leihe) inzwischen an Basel ausgeliehen. Die Kaufoption soll bei rund fünf Millionen Euro liegen.

Mit vier Treffern in der Königsklasse hat er genausoviele Tore erzielt wie PSG-Star Kylian Mbappé, Romelu Lukaku von Manchester United und der ehemalige Baseler Salah.

Wicky: "Die längsten 90 Minuten in meiner Trainerkarriere"

In der Liga dagegen hat Oberlin noch Nachholbedarf. Dort gelangen dem Stürmer bislang nur drei Treffer. Auch dank der Tore seines Sturmkollegen Ricky van Wolfswinkel (sieben Treffer in neun Spielen) ist nach den holprigen Wochen Ende August und Anfang September aber wieder alles drin.

Vier Punkte Rückstand hat der FCB nach 17 Spieltagen auf Tabellenführer Young Boys Bern. Mit dem Rückenwind aus der Champions League soll nun auch die Aufholjagd in der Liga glücken. Am Dienstagabend aber stand erst einmal feiern auf dem Programm. Schon in der Umkleidekabine hätte es zur Belohnung Bier gegeben. "Fertig trinken konnte ich allerdings nicht, weil ich dann zum Fernsehen musste", sagte Wicky nach den "längten 90 Minuten" in seiner Zeit als Trainer gegenüber der Schweizer Zeitung "Tages-Anzeiger".

In der Stunde des Triumphs von Lissabon sollte die Krisenzeit im September natürlich kein Thema mehr sein - und doch kam der Coach nicht umhin, auf Fragen dazu zu antworten. "Es war sicher gut, dass ich keine Zeitungen zum FC Basel lese. So sind wir ruhig geblieben", sage Wicky.

Gut für ihn. Und gut für den FC Basel.

Stand: 06.12.2017, 11:30

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