Eine Liga kämpft um ihre Konkurrenzfähigkeit

Frustrierte Dortmunder

Europapokalwettbewerbe

Eine Liga kämpft um ihre Konkurrenzfähigkeit

Von Frank Hellmann

In Champions League und Europa League beginnen in dieser Woche die K.o.-Spiele. Der Bundesliga bleibt bei nur noch drei Vertretern nicht mehr als Schadensbegrenzung. Jetzt schlägt auch der Boss des FC Bayern Alarm.

Der Termin steht: Am Donnerstag (15.02.2018) wird die Deutsche Fußball Liga (DFL) die neuesten Kennzahlen des deutschen Profibetriebs vorstellen. Es ist kein Geheimnis, dass der Gesamtumsatz mittlerweile auf mehr als vier Milliarden Euro geklettert ist.

Und: Für die Mehrzahl der Erstligisten ist ein Budget jenseits der 100-Millionen-Marke zur Regel geworden. Umso erschreckender, was sich in den Europapokalwettbewerben abgespielt hat. Nur drei von ursprünglich sieben deutschen Startern haben überwintert.

Markige Worte von Seifert

Der FC Bayern trifft in der Champions League erst nächste Woche auf den türkischen Meister Besiktas Istanbul (20. Februar), in der Europa League treten am Donnerstag aber bereits Borussia Dortmund gegen Atlanta Bergamo (19 Uhr) und RB Leipzig beim SSC Neapel (21.05 Uhr) an. Es sind zwei Schlüsselspiele für die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Liga. Denn der Rest schaut in die Röhre.

Auf dem DFL-Neujahrsempfang las Geschäftsführer Christian Seifert den Liga-Vertretern so deutlich wie nie die Leviten. Einer seiner Kernsätze: "Wer internationale Zweitklassigkeit nicht schlimm findet, wird sich schneller als manche denken in der internationalen Bedeutungslosigkeit wiederfinden."

Kräftige Warnung von Rummenigge

Karl-Heinz Rummenigge

Karl-Heinz Rummenigge

Auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge stieß nun ins selbe Horn: "Wir haben ab dem 1. Juli vier Fixteilnehmer. Wir sind aber, wenn wir so weitermachen wie in den letzten Monaten, kurz davor, dass wir durch den Rost fallen und von vier auf zwei Teilnehmer runtersausen. Das wäre ein Schaden für die gesamte Liga."

Wenn Champions und Europa League in dieser Woche ihre K.o.-Spiele starten, dann geht es für das deutsche Trio nur noch darum, in der UEFA-Fünfjahreswertung Schadensbegrenzung zu betreiben, damit nicht irgendwann auch der vierte Platz in diesem Ranking wackelt. Dass Russen und Franzosen noch je vier Teams in den Wettbewerben oder Ukraine und Österreich einen besseren Punkteschnitt erreicht haben, muss ein Alarmsignal sein.

England ist enteilt

Verdichtet hat sich die Erkenntnis, dass es vergebene Liebesmüh darstellt, England zum Vorbild zu nehmen. Vordenker Ralf Rangnick sagt im "Kicker", er sehe keinen konkreten Ansatzpunkt, weshalb die Bundesliga gegenüber der Premier League aufholen sollte.

"Eine Veränderung könnte es nur über deutliche höhere TV-Verträge und/oder eine Abänderung bzw. Modifikation von 50+1 geben." Leipzigs Sportdirektor warnt: "Wenn wir alles so belassen, wie es jetzt ist, wird die Schere immer weiter auseinandergehen, und wir werden, außer vielleicht die Bayern, weiter die Topspieler nicht halten können."

Lineker hatte wieder Recht

England ist mit seinen fünf Klubs in der Königsklasse - Tottenham Hotspur, Manchester City, FC Liverpool, FC Chelsea, Manchester United - beseelt davon, mindestens einen davon bis nach Kiew, den ukrainischen Finalort, zu bringen.

Und wie prophezeite der TV-Experte, Ex-Nationalspieler und Fußball-Weise Gary Lineker erst im Sommer 2016? "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis England wieder dominierend sein wird." Noch nie ist es einem Verband geglückt, fünf Vertreter unter die besten 16 Teams zu bringen. Zur Konzentration der Topspieler in der Premier League kommt der Fokus auf die Königsklasse.

Italien hat sechs Teams dabei

Die härtesten Rivalen kommen von der iberischen Halbinsel: Spanien kann sich auf seine drei Flaggschiffe FC Barcelona, Real und Atletico Madrid verlassen, dazu kommt die traditionell starke Armada von vier Vereinen in der Europa League, in der auch ein Quartett aus Italien mitmischt.

Sollten sich Bergamo und Neapel an den nächsten beiden Donnerstagen gegen den BVB und RB durchsetzen, droht der deutschen Liga punktemäßig der Mega-Gau, weil die Serie A - mit Juventus Turin und AS Rom doppelt in der Champions League vertreten - dann vermutlich davonzieht.

Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl zuckte jedenfalls zusammen, gleich in der Europa-League-Zwischenrunde auf die Neapolitaner zu treffen. "Ich dachte eigentlich, dass wir aus der Champions League ausgeschieden sind, und dann kam dieses Los. Es fühlt sich so an, als wäre es eine Partie im Achtelfinale der Königsklasse.

Stand: 12.02.2018, 13:58

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