Wie der FC Basel den Geldadel ärgert

Raphael Wicky

Die Überraschungsmannschaft

Wie der FC Basel den Geldadel ärgert

Der FC Basel dringt regelmäßig in der Champions League in den elitären Zirkel ein. Die Hürde Manchester City dürfte für den Schweizer Dauermeister aber am Dienstag zu hoch sein. Trainer Raphael Wicky ist trotzdem stolz.

Da sage noch einer, die Bundesliga sei in der Champions League unterrepräsentiert. Vereinzelte Repräsentanten gibt es zumindest in anderen Ländern. Etwa Raphael Wicky. Der heutige Trainer des FC Basel (Foto) verbrachte die meiste Zeit seiner aktiven Karriere im deutschen Oberhaus.

Erst Abwehrtalent beim SV Werder (1997 bis 2000), später Führungskraft beim Hamburger SV (2002 bis 2007). Aus dieser Zeit stammen vier Einsätze in der Königsklasse, die der einstige Mädchenschwarm allerdings im HSV-Dress allesamt verlor. Trotzdem blickt der 40-Jährige gerne auf die Erlebnisse zurück – Champions League war und ist etwas Besonderes.

Geringere Möglichkeiten

Für die Eidgenossen stellt das Achtelfinal-Heimspiel gegen Manchester City (Dienstag 20.45 Uhr) ein Highlight und eine Herkulesaufgabe dar. "Nimmt man die finanziellen Möglichkeiten, leben wir nicht in der gleichen Welt wie fast alle anderen Achtelfinalisten", sagte Wicky dem „Kicker“.

Zum dritten Mal innerhalb von sechs Jahren steht der FCB im Achtelfinale der Champions League. "Wenn wir etwas holen wollen, dann brauchen wir den perfekten Abend", so Wicky. Dass perfekte Abende im heimischen St. Jakob-Park durchaus vorkommen, bewies seine Mannschaft bereits in der Gruppenphase: Mit 5:0 hatten die Basler dort im September Benfica Lissabon abgefertigt.

Die natürliche Endstation

Der Schweizer Abonnementmeister gibt das beste Beispiel, wie mit listiger Personalpolitik und ausgeklügelter Strategie der elitäre Zirkel gepiesackt werden kann. Sonst hätte Basel nicht zwölf Punkte aus der Gruppenphase verbucht - und sogar Manchester United geschlagen.

Aber der von Pep Guardiola trainierte Lokalrivale scheint die natürliche Endstation in einem Wettbewerb zu sein, der das bisweilen entartete Wettrüsten des Geldadels widerspiegelt.

Akanji der Exportschlager

Manuel Akanji ist der jüngste Exportschlager des FC Basel. Für über 20 Millionen Euro transferierten die Schweizer den Innenverteidiger vor kurzem zu Borussia Dortmund, der 22-Jährige reiht sich damit in eine lange Liste ein.

Ob Akanji, Granit Xhaka, Ivan Rakitic, Yann Sommer oder Breel Embolo: Sie sind nur wenige der über 30 Spieler, die der FCB seit 1963 in die Fußball-Bundesliga abgegeben hat. Bei keinem anderen ausländischen Verein kauft die deutsche Eliteklasse lieber ein. Trotz des personellen Aderlasses spielt der Schweizer Serienmeister seit Jahren auch international erfolgreich.

"City die beste Mannschaft der Welt"

Mit City aber kommt nun aber ein anderes Kaliber. "Manchester City ist derzeit die beste Mannschaft der Welt", sagt der jüngst von Hertha BSC verpflichtete Valentin Stocker. Zudem müssen die Schweizer ihre Mannschaft im Vergleich zum furiosen Erfolg über United erneut umbauen.

Nicht nur Abwehrtalent Akanji verließ den Verein im Winter in Richtung Bundesliga. Auch Mittelfeldspieler Renato Steffen transferierte der FCB vor wenigen Wochen nach Deutschland: Der 26-Jährige spielt mittlerweile für den VfL Wolfsburg. Steffen und Akanji hatten in der Vorrunde der Königsklasse noch zu Wickys Stammpersonal gehört.

Oberlin das nächste Objekt der Begierde

Seit Jahren nutzt Basel die teils enormen Transfererlöse, um seinerseits wieder vielversprechende Talente zu holen. Ein Beispiel dafür ist Angreifer Dimitri Oberlin, den die Schweizer seit Saisonbeginn mit Kaufoption von RB Salzburg ausgeliehen haben und an dem schon etliche europäische Vereine, auch aus Deutschland, interessiert sein sollen. Oberlin war im Sommer einer der ersten Transfers von Marco Streller.

Seit dem vergangenen Sommer arbeitet der frühere Profi des VfB Stuttgart als Sportchef für seinen Heimatklub, "weil mir der Verein sehr am Herzen liegt", wie der 36-Jährige sagte. Auch Streller wird wie seine Vorgänger im nächsten Sommer daran gemessen werden, wie er die erneut drohenden Verluste von Spielern wie Oberlin oder des ebenfalls begehrten Mohamed Elyounoussi kompensiert. Aber irgendwas wird dem FC Basel mit Sicherheit wieder einfallen.

dpa, hel | Stand: 12.02.2018, 14:41

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