Dynamo Dresden - auferstanden aus Ruinen

Serie - Fußball-Klubs und ihre Finanzen

Dynamo Dresden - auferstanden aus Ruinen

Von Christian Mixa

Dynamo Dresden hat es auch der großen Solidarität seiner Fans zu verdanken, dass der Klub nach Jahren der Misswirtschaft nicht komplett in der Versenkung verschwunden ist. Inzwischen befindet sich der Drittligist wirtschaftlich auf Konsolidierungskurs und träumt wieder von Größerem.

Bei Dynamo Dresden haben die Planungen für die neue Saison längst begonnen. Bereits Ende April, vier Spieltage vor Schluss, präsentierten die Dresdner mit Uwe Neuhaus ihren Wunschtrainer für die kommende Saison in der 3. Liga. Der erfahrene Coach, der zuvor Union Berlin in der 2. Liga etablierte, soll auch das einstige Aushängeschild des DDR-Fußballs, wieder nach oben führen. Bei der Vorstellung von Neuhaus verkündeten die Dresdner zugleich, dass auch Geld für neue Spieler bereitstehe.

Dynamos Sparkurs zahlt sich aus

Ermöglicht wird dies durch einen Gewinn von 2,7 Millionen Euro, den die Verantwortlichen für das laufende Geschäftsjahr erwarten. Ein Rekordergebnis für Dynamo, wie der Klub mitteilt, mit durchaus berechtigtem Stolz. Denn zum einen galten die Dresdner, die bereits einen Lizenzentzug hinter sich haben und zuletzt 2008 kurz vor der Insolvenz standen, lange als Synonym für den abgewirtschafteten Ost-Fußball. Zum anderen gilt die 3. Liga unter Klub-Managern als gefährliche Schuldenfalle. Als Liga, in der man eigentlich kein Geld verdienen kann.

Dass Dynamo es trotzdem geschafft hat, liegt am knallharten Sparkurs, den das Management unter Geschäftsführer Robert Schäfer, seit 2014 im Amt, dem Klub verordnet hat. "Wir haben alles unter Finanzierungsvorbehalt gestellt, konservativ geplant und Kosten gespart. Dazu mussten wir leider auch ein Drittel der Belegschaft abbauen." Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass die Dresdner zuvor jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt hatten.

Dresden boomt - auch in der 3.Liga

Zu den Einsparungen kamen Mehreinnahmen aus Transfers und zwei großen Pokalspielen gegen Bundesligisten - sowie einige "Sondereffekte" (Schäfer), für die vor allem die Mitglieder und Fans des sächsischen Traditionsklubs verantwortlich waren. Trotz des Abstiegs aus der 2. Liga im vergangenen Sommer konnte Dynamo, ohnehin schon mitgliederstärkster Klub des Ostens, mehr neue Mitglieder als in den Vorjahren gewinnen.

Die Fans strömten auch in der 3. Liga ins Stadion, der ursprünglich kalkulierte Schnitt (18.000) wurde mit 22.500 Zuschauern deutlich übertroffen - obwohl Dynamo ein Geisterspiel vor leeren Rängen bestreiten musste. Außerdem sammelten die Vereinsmitglieder über eine freiwillige Umlage mehr als eine Million Euro ein. "Wir haben eine große Welle der Solidarität erlebt", sagt Schäfer und wertet dies zugleich als Ansporn, den Konsolidierungskurs fortzusetzen.

 Justin Eilers vor der Dresdner Fankurve

Boom auch in der 3. Liga: Justin Eilers vor der Dresdner Fankurve

Denn nach wie vor sitzt Dynamo auf den Altschulden aus den chaotischen Nachwendejahren, als der berüchtigte Frankfurter Bauunternehmer Rolf-Jürgen Otto den Verein als Präsident fast in den Ruin führte. Überleben konnte Dynamo auch dank eines Millionen-Darlehens des Medienunternehmers Michael Kölmel aus dem Jahr 2000. Im Gegenzug muss der Verein seitdem neben den Zinsbelastungen Jahr für Jahr zehn Prozent der Fernsehgelder an Kölmel abtreten - Geld, das Dynamo sonst in den Kader investieren könnte. "Die Fernsehrechte zurückzubekommen, wäre vor allem perspektivisch wichtig", sagt Geschäftsführer Schäfer. "Wenn wir aufsteigen, könnten die Mehreinnahmen ein wichtiger Hebel sein."

Schuldenfrei bis 2016?

Eine Million Euro hat der Verein kürzlich an Kölmel zurückzahlen können, mit dem Geld aus der Mitglieder-Umlage. Das Rest-Darlehen, das sich auf rund sechs Millionen Euro beläuft, will Dynamo spätestens im Sommer 2016 tilgen - und wäre damit praktisch schuldenfrei. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir bis dahin zu einer Lösung kommen", sagt Schäfer.

Mehr finanziellen Spielraum haben sich die Dresdner auch durch die neue Stadionvereinbarung verschafft. Das 2009 neu eröffnete Stadion bietet zwar alle Vermarktungsmöglichkeiten moderner Fußball-Tempel, mit VIP-Bereichen und Business-Logen. Doch die hohe Jahresmiete, 5 Millionen Euro in Liga 2 bzw. 2,2 Millionen in der 3. Liga, nahm Dynamo in der Vergangenheit die Luft zum Atmen. Nach monatelangen Verhandlungen mit der Stadt Dresden als Stadioneigentümer hat der Klub einen deutlichen Mietnachlass erreicht. Künftig muss Dynamo für die Nutzung des Stadions nur noch 700.000 Euro jährlich zahlen.

Schäfer: "Finanzielle Krise ist vorbei"

Vor allem aber hat die Klubführung nun Planungssicherheit, weil der städtische Zuschuss zur Stadionmiete, der zuvor an die Lizenzerteilung durch den DFB gekoppelt war, bis zum Ende des Nutzungsvertrags im Jahr 2035 festgeschrieben ist.

Auch deshalb hat Dynamo die Lizenz für die 3. Liga nun erstmals ohne Auflagen bekommen. Geschäftsführer Schäfer sieht die Konsolidierung des einstigen Pleiteklubs damit als abgeschlossen an: "Wir machen seit fünf Jahren Gewinne. Durch die erfolgreiche Neugestaltung der Stadionfinanzierung ist die finanzielle Krise vorbei - wenn wir auch zukünftig vernünftig planen."

Dresdens Geschäftsführer Robert Schäfer

Dynamo-Geschäftsführer Schäfer: "Krise ist vorbei"

Auch beim Sponsoring, Merchandising und den verkauftenTickets ist Dresden in der 3. Liga eine Klasse für sich. Eine weitere Steigerung der Einnahmen wäre wohl nur in der 2. Liga möglich: "Wir sind nicht zum Aufstieg verdammt, aber es wäre eine gute Voraussetzung, um den nächsten Schritt zu machen. Unter anderem, um mehr Geld in unser Nachwuchszentrum zu investieren." Die Einkommensschere zwischen 2. und 3. Liga geht weit auseinander, vor allem wegen der Fernsehgelder, die in der 3. Liga deutlich abfallen. Ein Zweitligist kann mit mindestens fünf Millionen Euro aus der TV-Vermarkung kalkulieren. In der 3. Liga hingegen bekommen die Klubs im Schnitt rund 800.000 Euro, die Fernsehgelder sind neben Zuschauereinnahmen und Sponsoring häufig nur die drittwichtigste Einnahmenquelle.

Beste Voraussetzungen - auch für den sportlichen Aufstieg

Dies zementiert die Kluft zwischen den Ligen und bedeutet zugleich, dass der Fußball-Osten, dessen große Klubs inzwischen mehrheitlich in der 3.Liga oder darunter spielen, beim gigantischen Wachstum der Milliardenbranche Fußball außen vor bleibt. Von den Traditionsmarken des Ostfußballs bringt Dynamo sicherlich am ehesten die Voraussetzungen mit, sich auch einmal dauerhaft im Oberhaus zu etablieren. "Wir haben über 15.000 Mitglieder, in einer Stadt mit 550.000 Einwohnern. Andere Städte schaffen es damit, einen Bundesliga-Standort abzubilden", sagt Geschäftsführer Schäfer und schätzt: "Bei einem Aufstieg in die 2. Liga wären wir mit unseren Voraussetzungen finanziell im Mittelfeld anzusiedeln."

Weiter volle Mitbestimmung für Mitglieder

Auch wenn der einstige Sanierungsfall Dynamo inzwischen streng auf Wachstum getrimmt ist - die Auslagerung des Profiteams in eine Kapitalgesellschaft streben die Verantwortlichen nicht an. Auch weil sie fürchten, über kurz oder lang Mitspracherecht an Investoren abtreten zu müssen, die Sünden der Vergangenheit wirken immer noch nach. "Wir wollen keinen Erfolg um jeden Preis. Die Mitglieder sollen weiter die wesentlichen Entscheidungen bestimmen", sagt Dynamo-Manager Schäfer. "Wir wollen versuchen, als demokratischer Traditionsverein im Konzert der Großen mitzuspielen und mit beharrlicher Arbeit nach vorne zu kommen. Den Weg, den etwa Mainz oder Freiburg gegangen sind." Es gibt sicherlich schlechtere Vorbilder zum Wirtschaften.

Stand: 13.05.2015, 08:00

3. Liga | Tabelle

Rang Team S P
1. Dynamo Dresden 38 78
2. Erzgebirge Aue 38 70
3. Würzbur. Kickers 38 64
4. 1. FC Magdeburg 38 56
5. VfL Osnabrück 38 56
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18. Stuttg. Kickers 38 43
19. Energie Cottbus 38 41
20. VfB Stuttgart II 38 31
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