Magdeburger Überflieger bleiben bescheiden

Jubel beim 1. FC Magdeburg

3. Liga

Magdeburger Überflieger bleiben bescheiden

Trotz des vierten Platzes in der dritten Liga will der 1. FC Magdeburg vom Aufstieg nichts wissen. Ziel des Neulings ist weiterhin der Klassenerhalt. Die Fans träumen dagegen schon vom Durchmarsch.

In der Winterpause traf der 1. FC Magdeburg eine Personalentscheidung, die sehr gut verdeutlicht, wie steil es mit dem Klub zurzeit bergauf geht. Oder besser gesagt - Christian Beck traf eine Personalentscheidung. Der Stürmer verlängerte seinen Vertrag beim Fußball-Drittligisten vorzeitig bis Sommer 2018.

Der 27-Jährige ist der Toptorschütze der Magdeburger. 15 Treffer hat er in 21 Spielen gemacht, und er war entsprechend begehrt. Beck hatte andere Angebote vorliegen, auch ein Erstligist soll Interesse gehabt haben. Doch er blieb beim 1. FC. "Die Vertragsverlängerung von Christian ist ein wichtiges Zeichen und schafft zusätzlich Planungssicherheit in dieser wichtigen Personalie", sagt Geschäftsführer Mario Kallnik. Auch Beck spricht von einer "Entwicklung" beim Verein: "Ich möchte helfen, das beim FCM weiter voran zu treiben."

Der 1. FC ist wieder wer

Der 1. FC ist wieder wer. Vor dem Start der "Restsaison" liegt der Klub mit 32 Punkten auf dem vierten Platz. Am Sonntag tritt das Team im Derby beim Halleschen FC an. Nur drei Punkte sind es bis zum Relegationsplatz drei - und das alles als Aufsteiger. Da verlängert halt auch so einer wie Beck seinen Vertrag. Vor Jahren noch nahmen die Topspieler in schöner Regelmäßigkeit Reißaus, sobald sich ihnen die Chance bot.

Schwere Zeiten

Denn der Verein hat schwere Zeiten hinter sich. Nach der politischen Wende verschwand er in der Bedeutungslosigkeit. Nach Jahren des Missmanagements und der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens im Jahr 2002 ging es runter bis in die Oberliga. Danach schuf der Verein neue Strukturen und kam zurück auf die Füße. 2004 beschloss die Stadt den Abriss des alten Ernst-Grube-Stadions und den Neubau einer modernen Arena an gleicher Stelle. Die wurde Ende 2006 eröffnet und bietet 26.000 Fans Platz.

Vorläufiger Höhepunkt der Entwicklung war der lang ersehnte Aufstieg in die dritte Liga im Sommer 2015 - und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr. Kurz vor Weihnachten feierte der Verein aus Sachsen-Anhalt sein 50. Bestehen. Als Vater des sportlichen Aufstiegs gilt Trainer Jens Härtel. Die Blau-Weißen betreut der ehemalige Nachwuchscoach von RB Leipzig seit 2014. "Wir haben ein unglaubliches Jahr erlebt", sagt der Coach: "Ich ziehe den Hut vor dieser Mannschaft. Wir sind gut angekommen in der Liga, das haben uns wenige zugetraut."

Aufstieg ist kein Thema

Vom erneuten Aufstieg wollen die Magdeburger dennoch nichts wissen. Das Ziel vor der Saison war der Klassenerhalt, daran hat sich im neuen Jahr trotz Platz vier auch nichts geändert. "Es sind nur elf Punkte nach unten, sowas geht ganz schnell. Ich schaue so lange nach unten, bis ein möglicher Abstieg nicht mehr möglich ist. Wenn wir diese Punkte eingefahren haben, dann schaue ich auch nach oben", rechnet Christian Beck vor.

Was das Team ausmacht, ist seine Leidenschaft auf dem Platz. "Kratzen und beißen", hatte Trainer Härtel als Marschroute ausgegeben. "Wir müssen immer am Limit sein, müssen immer 100 Prozent geben, Woche für Woche", sagt er und warnt vor Überheblichkeit. "Wir wollen die Liga nach wie vor als etwas Besonderes betrachten, das sollte für uns nichts Normales sein", erklärt er. Und auch er weiß:  "Es kann schnell in die andere Richtung gehen."

Die Fans träumen

Freuen sich: Fans des 1. FC Magdeburg

Freuen sich : Fans des 1. FC Magdeburg

Die Fans des Traditionsvereins träumen freilich vom Durchmarsch in die zweite Bundesliga. Die Euphorie ist riesig, die Zuschauer kommen in Scharen zu den Heimspielen, der Dauerkartenverkauf musste gestoppt werden. "Diese Stadt lebt den Fußball, sie liebt Fußball", sagt Trainer Härtel.

Denn der Verein hat ja nicht nur schwere, sondern auch glanzvolle Zeiten hinter sich. Der 1. FC Magdeburg ist der einzige Europapokalsieger der DDR. 1974 besiegte das Team um Klub-Ikone Jürgen Sparwasser den AC Mailand im Endspiel von Rotterdam mit 2:0.

"Chancen für mehr"

"Der Klub und das Umfeld bieten Chancen für mehr", erklärt Härtel. Er sagt das sachlich und überhaupt nicht euphorisch. Die Mannschaft will er Schritt für Schritt voran bringen: "Wenn wir uns etabliert haben in dieser Liga, können wir irgendwann auch mal ein Stückchen weiter schauen."

red/sid/dpa/mdr | Stand: 20.01.2016, 12:17

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