Union Berlin nach Keller-Aus im freien Fall

Union Berlins Sebastian Polter

Berlin muss Aufstiegsträume begraben

Union Berlin nach Keller-Aus im freien Fall

Eigentlich wollte Union Berlin in die Bundesliga aufsteigen. Um dieses Ziel nicht zu gefährden, entließ der Klub im Dezember seinen Trainer Jens Keller. Das ging nach hinten los.

Was Jens Keller sich in diesen Tagen so denkt, das weiß man nicht. Das sagt er keinem, jedenfalls nicht der Öffentlichkeit, und das ist wohl auch besser so.

Anfang Dezember war Keller als Trainer des 1. FC Union Berlin entlassen worden. Damals hatte Union zwar drei Spiele in Serie nicht gewonnen, war aber immer noch Tabellen-Vierter und lag in Reichweite zu den Aufstiegsplätzen. Dennoch sah die Vereinsführung des Berliner Zweitligisten das Saisonziel Aufstieg stark gefährdet.

Keller "geschockt", Öffentlichkeit verblüfft

"Es ist ein harter Schnitt, den wir vollziehen, weil wir ihn für notwendig halten. Mit unserer Spielweise und den Ergebnissen der letzten Wochen werden wir nicht den Ansprüchen gerecht, die wir klar formuliert und mit der Gestaltung des Kaders im Sommer deutlich untermauert haben", sagte damals Lutz Munack, Geschäftsführer Sport beim 1. FC Union.

Präsident Dirk Zingler sprach sogar von "schwerwiegenden Gründen", ohne die allerdings näher zu erläutern.  Keller zeigte sich derweil "geschockt", und auch die Öffentlichkeit blieb verblüfft zurück.

Unter Hofschneider sieglos

Kellers Nachfolger André Hofschneider sollte die "Eisernen" wieder auf Kurs bringen. Seit Jahren gelten die ambitionierten Köpenicker als Aufstiegskandidat, in dieser Saison sollte es endlich klappen.

Doch der Schuss ging nach hinten los. Zwei Monate nach Kellers Entlassung ist Union bis auf Rang zehn abgerutscht. Unter Hofschneider hat das Team in fünf Spielen nur zwei magere Punkte geholt. Mit dem Aufstieg hat Union nichts mehr zu tun. Fortuna Düsseldorf (43 Punkte) und der 1. FC Nürnberg (40) sind weit enteilt, auf den Dritten aus Kiel fehlen acht Zähler.

Hofschneider - "Die Diskussionen werden sich ausdehnen"

Sportschau | 06.02.2018 | 02:24 Min.

Blick nach unten

Erst am Montag (05.02.18) gab es nur ein 1:1 bei Arminia Bielefeld. Und langsam aber sicher darf Union in der Tabelle nach unten schauen. Nur noch sechs Punkte beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 und am nächsten Spieltag kommt Tabellenführer Fortuna Düsseldorf an die "Alte Försterei".

Rechtfertigungen und Schönfärberei

Der Verein steht zu seiner Entscheidung. "Ich habe den Trainerwechsel noch nicht bereut. Ich habe den Herbst noch nicht vergessen: die Spiele gegen Bochum, Heidenheim und Darmstadt. Ich halte die Freistellung von Jens Keller nach wie vor für richtig", sagt Lutz Munack: "Die Aufgabe dahinter, eine Ergebniswende zu schaffen, ist deutlich schwieriger als gedacht. Ich erkenne aber an, dass wir einen kurzfristigen Effekt nicht erzielt haben."

Munack tut alles, um den Druck von Hofschneider zu nehmen. Ein erneuter Trainerwechsel wäre schließlich auch für ihn ein Desaster. So nimmt er die beiden Niederlagen gegen Dresden und Ingolstadt zum Ende des Jahres 2017 sogar auf seine Kappe, weil die Vorbereitungszeit für Hofschneider zu knapp gewesen sei.

Und auch das Unentschieden in Kiel und die Niederlage zu Hause gegen Nürnberg will Munack dem Coach nicht ankreiden. "Da gab es zwei Gegentreffer nach Standardsituationen und eins aus einer Abseitsposition", sagt er. So kann man sich die Dinge natürlich auch schön reden. Die Frage, ob Union jetzt im Abstiegskampf steckt, beantwortet Munack mit einem klaren "Nein".

Keller wartet noch

Und Keller? Der wartet auf einen neuen Job. Beim VfB Stuttgart hat es zuletzt als Nachfolger von Hannes Wolf nicht geklappt, doch früher oder später wird der Ex-Schalker wohl wieder in der Bundesliga landen. Und das vielleicht eher als Union. Er mag sich seinen Teil denken.

vdv/dpa/sid | Stand: 06.02.2018, 10:45

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