Sandhausen - das Spitzenteam, das keines sein will

Kenan Kocak

Spiel bei Fortuna Düsseldorf

Sandhausen - das Spitzenteam, das keines sein will

Der SV Sandhausen ist Tabellen-Vierter der zweiten Bundesliga und fordert nun Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf. Geheuer ist das Trainer Kenan Kocak nicht - zu Recht.

Das Spiel gegen Dynamo Dresden war irgendwie typisch für den SV Sandhausen. Das Team trat kompakt und zweikampfstark auf, ließ den Gegner nicht ins Spiel kommen, erarbeitete sich aber auch selbst kaum Torchancen. Am Ende machte der SVS dann in einem schwachen Spiel doch irgendwann ein Tor und rettete den Vorsprung mit Glück und Geschick über die Zeit. Das alles in Überzahl und auf einem Rasen, der schon bessere Zeiten gesehen hat. Schön anzusehen war das alles nicht.

Dennoch liegt der SV Sandhausen in der Tabelle der zweiten Liga auf Platz vier. Zum Auftakt des 21. Spieltages fordert die Mannschaft von Trainer Kenan Kocak am Freitag (02.02.2018) Tabellenführer Fortuna Düsseldorf.

Ziel bleibt der Klassenerhalt

Dem Coach ist das alles nicht geheuer. Der Tabellenstand sei eine Momentaufnahme, es ginge immer noch einzig und allein gegen den Abstieg, predigt Kocak immer und immer wieder. "Unser Ziel lautet: Klassenerhalt. Je schneller, desto besser", sagt er.

In der Tat ist es so, dass Sandhausen gerade mal vier Punkte vor Tabellenplatz zehn liegt. Drei Siege und ein Remis in den jüngsten vier Spielen haben den SVS im dicht gedrängten Mittelfeld nach oben gespült.

Beste Abwehr der Liga

In Sandhausen wird Fußball gearbeitet. Erstes Ziel ist es, den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. Abwehr und defensives Mittelfeld sind enorm zweikampf- und laufstark, die Stürmer rennen früh an und setzen die gegnerische Abwehr unter Druck. Mit nur 18 Gegentoren hat Sandhausen die beste Abwehr der Liga. In diesem Jahr hat das Team noch kein Tor einstecken müssen, und die gesamte Saison über gab es nie mehr als zwei Gegentreffer pro Spiel.

Nur vorne läuft es nicht immer rund. Da fehlt es an Ideen, da ist vieles Stückwerk. Im Sturm kommt Sandhausen minimalistisch daher. Nur 25 Treffer stehen auf der Haben-Seite, nur fünf Klubs haben weniger Tore gemacht. Besserung ist nicht in Sicht. Der treffsicherste Stürmer Lucas Höler (acht Tore) wechselte in der Winterpause zum SC Freiburg in die Bundesliga.

Bekennender Dorfklub

Noch immer gilt Sandhausen als Dorfklub. Knapp 15.000 Menschen wohnen in der Stadt etwa acht Kilometer südlich von Heidelberg. Der Klub hat das Image inzwischen gerne angenommen. "Wir sind gerne ein Dorfklub. Ich sehe das nicht als Beleidigung. Ich mag Dorfmenschen. Und es ist ja auch einfach so, dass wir eine kleine Gemeinde sind", sagt Kocak.

Seitdem die Sandhäuser 2012 in die zweite Bundesliga aufgestiegen sind, gehörten sie im Grunde jedes Jahr zu den vermeintlich heißesten Abstiegskandidaten. Dennoch gelang dem Klub jedes Mal wieder den Klassenerhalt - oft mit dem niedrigsten Etat der Liga und 2015/16 sogar trotz eines Sechs-Punkte-Abzugs aufgrund von Lizenzverstößen. Unter Kocak, der seit Juli 2016 die Geschicke des SVS leitet, hat das Team allerdings einen Sprung nach vorne gemacht. Da verwundert es nicht, dass der Klub zuletzt den Vertrag mit dem Coach vorzeitig bis 2020 verlängert hat.

"Wir haben einen Plan"

"Wir sind der SV Sandhausen. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen", warnt der Trainer sinnbildlich vor dem Spiel in Düsseldorf vor allzu großen Ambitionen und verweist einen möglichen Aufstieg erneut ins Reich der Fabel.

Dennoch tritt der 37-Jährige durchaus selbstbewusst die Reise an den Rhein an. Die letzten drei Gastspiele in Düsseldorf wurden allesamt gewonnen. "Das wird eine große Herausforderung. Wir wissen, was auf uns zukommt, fahren aber in keinster Weise mit zittrigen Knien dort hin. Wir haben ausreichend Qualität und das Selbstbewusstsein, das Spiel gewinnen zu wollen. Wir haben einen Plan und hoffen, dass er aufgehen wird", erklärt der 37-Jährige.

Mit Platz neun völlig zufrieden

Kompakt und zweikampfstark auftreten, den Gegner nicht ins Spiel kommen lassen und vorne auf das eigene Glück hoffen. Das ist in der Regel Kocaks Plan. Was nicht negativ gemeint ist, denn andere Möglichkeiten hat Sandhausen nicht. Deshalb ist es vielleicht auf für den Klub das Beste, nicht in die Bundesliga aufzusteigen. Das sieht auch Kocak so. "Wenn wir am Ende Neunter werden, also einen Platz besser als in der vergangenen Runde, bin ich zufrieden", sagt er.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Freitag, 02.02., ab 22.50 Uhr

red/dpa/sid | Stand: 01.02.2018, 12:52

2. Bundesliga | Tabelle

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1.1. FC Nürnberg2344
2.Fort. Düsseldorf2444
3.Holstein Kiel2337
4.MSV Duisburg2437
5.Jahn Regensburg2436
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17.SV Darmstadt 982322
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