Ratlose Braunschweiger kämpfen um Anschluss

Braunschweig-Trainer Torsten Lieberknecht

Zu wenig Torgefahr beim Aufstiegskandidaten - jetzt nach Duisburg

Ratlose Braunschweiger kämpfen um Anschluss

Von Christian Hornung

Statt um den Aufstieg mitzuspielen, ist Eintracht Braunschweig vor der Partie beim MSV Duisburg nur noch drei Punkte vom Relegationsplatz entfernt. Es herrscht ein wenig Ratlosigkeit, beklagt werden Verletzungspech und Abschlussschwäche.

Es klappt wieder mit dem Toreschießen. Von daher hat Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht die Länderspielpause mit seiner Mannschaft sinnvoll genutzt. Am vergangenen Freitag (06.10.2017) gab es ein Testspiel, bei dem sich die in dieser Saison an chronischer Ladehemmung leidenden Braunschweiger mal so richtig den Frust vom Leib schossen: 10:1 stand es zur Halbzeit, 21:1 am Ende.

Sieben Testspiel-Tore von Abdullahi

Nun war der Gegner nicht ganz die Kategorie des MSV Duisburg, wo die Eintracht am Freitagabend (13.10.2017 um 18.30 Uhr, Live-Ticker bei sportschau.de) antritt. Es ging nur gegen den benachbarten Bezirksligisten Adenbüttel/Rethen, doch was heißt schon nur: Den in der Liga so oft vor dem gegnerischen Gehäuse strauchelnden Hendrick Zuck (null Saisontore), Suleiman Abdullahi (null Saisontore) und Nachwuchs-Hoffnung Phillip Tietz (erst ein Joker-Einsatz, aber auch null Saisontore) werden ihre jeweils vier Treffer sicher gut getan haben - und darum ging es.

Suleiman Abdullahi

Hat sich für Duisburg warmgeschossen: Eintracht-Stürmer Suleiman Abdullahi.

Zusammen mit dem zweiten Test seit dem bitteren 0:2 gegen St. Pauli haben die Braunschweiger nun also 28 Mal getroffen. Zwei Tage vor Adenbüttel/Rethen hatte bereits der MTV Gifhorn beim 1:7 seine Unterlegenheit anerkennen müssen, und der MTV spielt immerhin Oberliga. Auch in dieser Partie deutete Abdullahi mit drei Treffern an, dass er in Duisburg gern in der Startelf stehen würde. In der ersten Halbzeit stand es allerdings gerademal 1:0 für den BTSV, und diese 45 Minuten spiegelten einiges vom bisherigen Saisonverlauf wider: viele Chancen, wenig Ertrag.

Nur drei Punkte bis Platz 16

Doch dann lief es vor allem dank Abdullahi. Torgefährliche Spieler braucht Braunschweig dringend, denn der Abstand zur Abstiegszone ist nach fünf Remis und zwei Niederlagen aus neun Spielen inzwischen kleiner als der nach oben. Dabei hatten viele Beobachter nach dem begeisternden 2:2 am Auftaktspieltag in Düsseldorf die Eintracht als Aufstiegskandidaten eingestuft.

Lieberknecht klingt so, als würde er noch keinen Anlass zu größerer Besorgnis sehen, doch so richtig in die Tiefen der Analyse taucht er vor dem Duisburg-Spiel nicht ein: "Das Wichtigste ist, dass wir gewinnen." Wie das genau gehen soll? "Wir arbeiten jeden Tag optimistisch weiter und sehen, wie das Team agiert. Die letzten Niederlagen waren dazu unglücklich."

Pech nur die halbe Wahrheit

Das stimmt insofern, als die Eintracht von großem Verletzungspech geplagt wird: Allein in der ersten Halbzeit gegen St. Pauli verletzten sich Ken Reichel und Jan Hochscheidt, auch jetzt in der Länderspielpause gingen die schlechten Nachrichten weiter: Mirko Boland zog sich einen Innenbandriss im Knie zu und fällt für den Rest der Hinrunde aus. Phasenweise fehlten auch Christoffer Nyman, Domi Kumbela, Patrick Schönfeld und Steve Breitkreuz.

Aber nur Pech? Das 1:2 gegen Regensburg beispielsweise erstritten sich die Lieberknechte mit drei Platzverweisen selbst. Und beim 0:2 gegen St. Pauli war Pech auch maximal die halbe Wahrheit: Die Eintracht gewann nur 45,7 Prozent der Zweikämpfe, hatte nur 45,1 Prozent Ballbesitz sowie die schlechtere Passquote (76,5 zu 80,4 Prozent). Und vor allem: Braunschweig lief auch 3,2 Kilometer weniger als der Gegner. Führend war die Eintracht nur bei den Torschüssen, aufs Tor der Kiez-Kicker kamen immerhin zehn. Dass davon keiner reinging, ist nun aber gegen Gifhorn und Adenbüttel/Rethen aufgearbeitet worden.

sid | Stand: 13.10.2017, 10:07

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