1860 München steigt in die Dritte Liga ab

Niedergeschlagene Profis von 1860 München

TSV 1860 München - SSV Jahn Regensburg 0:2 (0:2)

1860 München steigt in die Dritte Liga ab

Von Olaf Jansen

Jahn Regensburg hat den Sprung in die Zweite Liga geschafft. Im Relegations-Rückspiel war der Drittligist Gegner 1860 München erstaunlich überlegen. Für die "Löwen" dürften endgültig schwere Zeiten anbrechen.

Vitor Pereira hatte nach rund 60 Minuten genug gesehen. Resigniert ließ sich der portugiesische Coach von 1860 München auf die Trainerbank sinken und die letzten 30 Minuten des Relegations-Rückspiels gegen Jahn Regensburg regelrecht über sich ergehen. 0:2 (0:2) verlor sein Team letztlich gegen den Dritten der Dritten Liga und hat nach dem 1:1 im Hinspiel damit seinen Platz in der Zweiten Liga verspielt.

Wie es mit den Löwen nach diesem Abstieg weitergeht, ist offener denn je. Wird Investor Hasan Ismaik den Klub auch in der Dritten Liga finanzieren? Kann der Verein einen sofortigen Wiederaufstieg überhaupt ernsthaft ins Auge fassen?

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Sportschau | 30.05.2017 | 02:13 Min.

Jahn Regensburg waren derlei Überlegungen nach 90 aufregenden Minuten in der Münchener Arena egal. Das Team um Trainer Heiko Herrlich hatte sich den Sieg und den damit verbundenen Aufstieg mit einer kämpferisch und spielerisch eindrucksvollen Vorstellung in München redlich verdient. "Ich freue mich riesig", meinte Herrlich nach der Partie. "Es war eine harte Saison mit vielen schweren Trainingseinheiten. Jetzt haben wir uns belohnt", so der Coach. Von den "Löwen" stellte sich nur Kapitän Kai Bülow zum Interview: "Es ist traurig, dass wir bei einer solchen Kulisse ein so schlechtes Spiel abliefern. Es tur mir unendlich leid für die Fans."

Regensburg übernimmt rasch die Initiative

Jubel bei Jahn Regensburg

Marco Grüttner (l.) und Marc Lais bejubeln den Coup des SSV Jahn

Rund 5.000 mitgereiste Regensburger Fans unter den 60.000 Zuschauern hatten schon bald nach Anpfiff der Partie allen Grund zur Zuversicht. Ihr Team übernahm nach kurzer Phase des Abtastens die Regie, drängte die Gastgeber Zug um Zug tiefer in deren Hälfte zurück. Mittelstürmer Marco Grüttner eröffnete sich die erste Chance, doch sein Schuss aus 14 Meter Torentfernung nach Erik Thommys Freistoß zischte über das Löwen-Tor (11.).

Nach rund 20 Minuten konnten die Münchener noch einmal eine vage Torchance verbuchen, als Schiri Daniel Siebert Angreifer Christian Gytkjaer wegen vermeintlicher Abseitsstelung zurückpfiff. Eine Fehlentscheidung. Doch das war es dann auch mit den Angriffsbemühungen der Gastgeber. Regensburg übernahm nun vollends die Initiative.

Pusch mit Traumtor zum 0:1

In der 29. Minute wurde Thommy links glänzend freigespielt, sein Schlenzer aus 15 Metern wurde aber noch abgeblockt. 60 Sekunden später war es dann soweit: Wieder vernaschte Thommy, den die Löwen überhaupt nicht in den Griff bekamen, auf der linken Außenbahn Gegenspieler Marnon Busch und flankte von der Grundlinie maßgerecht zurück auf den Elfmeterpunkt. Der aufgerückte Kolja Pusch donnerte die Kugel humorlos in den linken Winkel - 0:1.

Die Regensburger hatten nun das Tor, das sie unbedingt brauchten, um weiter im Geschäft zu bleiben. Und den Akteuren von 1860 rutschte sichtlich das Herz in die Hose. Es spielte nun nur noch Regensburg. Angebtrieben von Leihspieler Thommy, der beim FC Augsburg unter Vertrag steht und in diesem Jahr von Regensburg ausgeliehen ist, generierte der Jahn nun Torchance auf Torchance.

"Löwen" außer Rand und Band

Und ausgerechnet, als Gytkjaer einen feinen Pass von Aigner fast zum 1:1 verwertet hätte, klingelte es im Gegenzug wieder im 1860-Tor. Marcel Hofrath hatte auf der linken Bahn viel Platz, flankte scharf auf den kurzen Pfosten, wo Marc Lais mit einem wunderbaren Kopfball zum 0:2 traf (41.). 1860 war nun außer Rand und Band und hatte Glück, mit dem 0:2 in die Pause zu kommen. Denn wenn Grüttner eine Minute vor dem Pausenpfiff freistehend aus 14 Metern nicht an Keeper Daniel Ortega gescheitert wäre, hätte es schon 0:3 gestanden.

So kamen die Münchener noch mit einem Funken Hoffnung aus der Kabine, allerdings brauchten sie nun ihrerseits ja schon drei Treffer, um noch erfolgreich zu sein. Und diese Tore waren weiter entfernt denn je. Denn nicht die "Löwen" sondern der Jahn übernahm auch in der zweiten Halbzeit das Kommando und verbuchte den Großteil der Spielanteile.

Kein Aufbäumen mehr zu sehen

Seltsam, wie leblos das Team der 1860er das Aus über sich ergehen ließ. Dienst nach Vorschrift wäre wohl noch die freundlichste Beschreibung des Auftritts der "Löwen", die im zweiten Abschnitt keine einzige echte Tormöglichkeit mehr herausarbeiten konnten.

Und so hatte 1860 noch Glück, dass es nur beim 0:2 blieb, das die Fans allerdings mit zunehmender Fassungslosigkeit zur Kenntnis nahmen. Wütende Sprechchöre von den Tribünen begleiteten das Team in den zweiten 45 Minuten und auf ihrem eingeschlagenen Weg in Liga drei.

Ausschreitungen der Löwen-Fans

Und als noch zehn Minuten zu spielen waren, musste Schiedsrichter Siebert die Partie auch noch unterbrechen, weil wütende Löwen-Anhänger hinter dem Tor von Keeper Ortega Gegenstände aufs Spielfeld warfen. Erst nach quälend langen 15 Minuten Unterbrechung und der Installation eines dichten Riegels von Sicherheitskräften auf dem Rasen hinter dem Tor konnten die 90 Minuten wenigstens noch zu Ende gebracht werden.

Stand: 30.05.2017, 19:50

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