Ruhe und Geld bei 1860 München

Moritz Stoppelkamp

Vor dem Zweitligastart

Ruhe und Geld bei 1860 München

Von Volker Schulte

Laut Plan des Investors soll 1860 München innerhalb der kommenden drei Jahre in die Fußball-Bundesliga zurückkehren. Doch schon in dieser Saison gelten die 60er als heißer Aufstiegskandidat. Denn während manch anderer Verein vor dem Zweitligastart am 3. August noch große Baustellen hat, herrschen in München Ruhe und Zuversicht.

Als Reiner Maurer 2010 das Traineramt beim TSV 1860 übernahm, stand der Verein finanziell am Abgrund. "Es ging damals wöchentlich um Konkurs", sagte Maurer der Abendzeitung. "Wir wussten lange nicht, wie es weitergeht. Jetzt können wir planen, das erste Mal seit langem." Die neue Sicherheit hat der Verein dem jordanischen Investor Hasan Ismaik zu verdanken, der die 60er vor einem Jahr mit 18 Millionen Euro vor dem Aus bewahrt hat. Jetzt heißt das Ziel: Aufstieg innerhalb von drei Jahren. Dafür stellt der Geschäftsmann fünf Millionen Euro pro Saison als Darlehen zur Verfügung, "vielleicht auch mehr", wie Ismaik sagte.

Plötzlich hatte die sportliche Leitung Spielraum. Nach dem Abgang von einigen Profis, darunter auch Leistungsträger wie Kevin Volland, Stefan Aigner und Antonio Rukavina, sollten sechs Neue kommen. Trainer Maurer und Sportdirektor Florian Hinterberger stellten eine Kandidatenliste auf - und verpflichteten einen Wunschkandidaten nach dem anderen. "Das ist uns gut gelungen", findet Maurer. Der Kader trägt nun eindeutig die Handschrift des Trainers.

Blanco soll die Tore schießen

Trainer Reiner Maurer, Ismael Blanco und Guillermo Vallori (v.l.)

Als letzten Zugang holten die 60er den ablösefreien Argentinier Ismael Blanco an Bord. Der 29-Jährige hatte zuletzt recht erfolglose Monate in Mexiko und Polen verbracht, war aber auch schon zweimal Torschützenkönig in Griechenland - 2008 und 2009 als Stürmer von AEK Athen. Blanco ist genauso ein heißer Kandidat für die Startelf wie der griechische Nationalspieler Grigoris Makos, der für knapp 500.000 Euro von AEK Athen kam. Maurer plant den 25-Jährigen als Nummer sechs ein. Er beschreibt Makos denn auch so, wie man sich einen idealen defensiven Mittelfeldspieler vorstellt: "Er ist ein Allrounder, ballsicher, zweikampf- und kopfballstark, stellt sich 100 Prozent in den Dienst der Mannschaft."

Erfahrung bringen Offensivmann Moritz Stoppelkamp (25, von Hannover 96) und Außenverteidiger Moritz Volz (29, FC St. Pauli) mit. Der frühere kroatische U21-Nationalspieler Marin Tomasov (24, Hajduk Split) ist ein Kandidat fürs Mittelfeld, der polnische Nationalspieler Grzegorz Wojtkowiak (28, Lech Posen) für die Abwehr. "Unser Kader ist noch sehr dünn, aber qualitativ jetzt sehr gut", sagt Maurer.

Sorgen bei der Konkurrenz

Es gibt zwar noch Spekulationen um einen möglichen weiteren Stürmer, aber ansonsten herrscht Ruhe in München. Davon können die meisten anderen Aufstiegskandidaten nur träumen: Vor allem Hertha BSC und der 1. FC Köln stecken nach den unerwarteten Abstiegen in finanziellen Schwierigkeiten. Sie müssen noch teure Stars loswerden, bevor sie über weitere Verpflichtungen nachdenken können. Beim 1. FC Kaiserslautern gibt es Unruhe um Ex-Kapitän Christian Tiffert, der unter dem neuen Trainer Franco Foda einen schweren Stand hat, und um Stefan Kuntz. Der Klub-Chef wird als neuer Sportdirektor beim DFB gehandelt.

Andere Konkurrenten wie den FC St. Pauli hat der TSV 1860 in Sachen Marktwert bereits überholt, die Münchner sind deshalb mehr als nur ein Geheimfavorit. Umso mehr bemühen sich die Verantwortlichen zu betonen, dass das Projekt Aufstieg drei Jahre Zeit hat. "Wir haben nur Spieler unter 30 geholt, alle haben Perspektive, alle haben langfristige Verträge", sagt Maurer. "Wir müssen es im nächsten Jahr nicht schaffen. Aber wir wollen es natürlich."

Die wichtigsten Transfers der zweiten Liga

Am 3. August beginnt die Zweitliga-Saison - genügend Zeit, um am Kader zu arbeiten. Mit zwölf Abgängen und 18 neuen Spielern ist der 1. FC Köln bislang Transfer-König der zweiten Liga. Aber auch bei den anderen Klubs hat sich einiges getan.

Torhüter Michael Rensing wirft sich einem Ball hinterher

Der 1. FC Köln hat seine Mannschaft von einem Erstliga- zu einen Zweitligakader umgebaut. 18 neue Köpfe stehen in der A-Auswahl. Verteidiger Dominic Maroh kommt aus Nürnberg, vom Erstliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf wechselten Adam Matuschyk (Mittelfeld) und Thomas Bröker (Sturm) nach Köln. Dem gegenüber stehen die Abgänge absoluter Leistungsträger: Torhüter Michael Rensing (Foto), Kapitän Pedro Geromel und Milivoje Novaković stehen zum Beispiel nicht mehr im Kader. Schwerwiegendster Verlust bleibt Lukas Podolski - er stürmt jetzt für den FC Arsenal.

Der 1. FC Köln hat seine Mannschaft von einem Erstliga- zu einen Zweitligakader umgebaut. 18 neue Köpfe stehen in der A-Auswahl. Verteidiger Dominic Maroh kommt aus Nürnberg, vom Erstliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf wechselten Adam Matuschyk (Mittelfeld) und Thomas Bröker (Sturm) nach Köln. Dem gegenüber stehen die Abgänge absoluter Leistungsträger: Torhüter Michael Rensing (Foto), Kapitän Pedro Geromel und Milivoje Novaković stehen zum Beispiel nicht mehr im Kader. Schwerwiegendster Verlust bleibt Lukas Podolski - er stürmt jetzt für den FC Arsenal.

Der 1. FC Kaiserslautern steht auf Rang zwei der Transfer-Tabelle. Ex-Nürnberger Albert Bunjaku (rechts im Bild) soll Tore schießen; außerdem verpflichtete Lautern Mimoun Azaouagh vom VfL Bochum und Mahamadou Idrissou aus Frankfurt. Gleichzeitig kehren die Ausleihspieler Chadli Amri und Ilijan Micanski (beide FSV Frankfurt) zurück. Auf der anderen Seite geht Mittelfeldspieler Oliver Kirch zu Meister Dortmund, Sandro Wagner stürmt wieder für Bremen, Christian Tiffert geht in die USA, Richard Sukuta-Pasu nach Österreich und Stammkeeper Kevin Trapp wechselt zu Erstliga-Aufsteiger Eintracht Frankfurt.

Gladbacher Mathew Leckie (Foto) soll mehr Spielpraxis sammeln - Gelegenheit dazu bekommt der vielseitige Offensivmann beim FSV Frankfurt. Überhaupt legt der FSV viel Wert auf eine starke Offensive: Mit Edmond Kapllani (FC Augsburg) und John Verhoek (Stade Rennes, Frankreich) verpflichtet der FSV zwei weitere Erstliga-Stürmer, dazu Defensivspieler Moise Bambara aus Ingolstadt. Mit N'Diaye, Benyamina, Ausleih-Spieler Micanski und Chrisantus verlassen aber auch vier Stürmer den Verein.

Nach dem Abstieg aus der ersten Liga kann Hertha BSC seinen teuren Kader eigentlich nicht halten: Raffael, Ottl, Lell, Ebert, Torun und Mijatovic verlassen deshalb den Verein. Für Adrian Ramos wird noch ein interessierter Verein gesucht. Auf der Einkaufsseite scheint es Hertha mit dem Sparen nicht ganz so eng zu sehen. Hertha verpflichtete den Schalker Mittelfeldspieler Peer Kluge (Foto), außerdem in einem überraschenden Dreierpack Sandro Wagner (Werder Bremen), Sami Allagui (FSV Mainz 05) und den israelischen Nationalspieler Ben Sahar (Espanyol Barcelona).

Der Abgang von Roger Schmidt zu RB Salzburg tat weh - aber der SC Paderborn fand Ersatz: den Wolfsburger U-19-Trainer Stephan Schmidt (Foto). Schmidt kann unter anderem mit zwei neuen Erstliga-Profis planen: Manuel Zeitz kommt als Ausleihe vom 1. FC Nürnberg, Manuel Gulde von 1899 Hoffenheim. Außerdem kommt Tobias Kempe vom Liga-Rivalen Aue. Und noch zwei schmerzhafte Abgänge: Torjäger Nick Proschwitz wechselt zu Hull City, Mehmet Kara in die Türkei.

Er war mit Griechenland im Viertelfinale der EM - jetzt kickt Grigoris Makos für 1860 München. Neben dem Griechen holten die Löwen Moritz Stoppelkamp von Erstligist Hannover 96, den polnischen Nationalspieler Grzegorz Wojtkowiak (2010 polnischer Meister mit Lech Posen) und den argentinischen Angreifer Ismael Blanco. Abwehrspieler Jonatan Kotzke verkauften die Löwen an den Liga-Rivalen Jahn Regensburg.

In der vergangenen Saison gelang Eintracht Braunschweig souverän der Klassenerhalt - trotzdem blieben die Braunschweiger bescheiden, was den Transfermarkt anging. Nur vier Neuzugänge - gemeinsam mit Union Berlin ordnet sich der Verein am Ende der Transfer-Tabelle ein. Verstärkung kommt mit Jonas Erwig-Drüppel (Schalke II, Foto Mitte) und Björn Kluft (Preußen Münster, Foto rechts) aus der Regionalliga. Außerdem holte die Eintracht Drittliga-Profi Kevin Kratz (Alemannia Aachen) und Stürmer Orhan Ademi (links im Bild) aus der zweiten österreichischen Liga.

Mit Tobias Schweinsteiger (Foto) verlor Jahn Regensburg seinen stärksten Angreifer an die zweite Mannschaft der Bayern. Dafür wechselte Flügelstürmer Koray Altinay von den Bayern zum Jahn. Zweiter wichtiger Neuzugang: Jonatan Kotzke von Liga-Konkurrenz 1860 München. Aus der dritten Liga kommen außerdem Denis Weidlich (Rot-Weiß Erfurt) und Abdenour Amachaibou (SpVgg Unterhaching) zu den Regensburgern - und aus der Regionalliga stößt Angreifer Francky Sembolo zum Jahn.

Florian Fromlowitz (Foto) hatte seinen Stammplatz im Duisburger Tor in der letzten Saison verloren - in Dresden will der Keeper sich einen neuen Platz erkämpfen. In der Abwehr verstärkte sich Dynamo Dresden mit Bjarne Thoelke (VfL Wolfsburg) und Cüneyt Köz (Bayern München II). Köz spielte bei den Bayern in der dritten und der Regionalliga, fuhr allerdings mit den Profis ins Wintertrainingslager in Dubai und kam in der Vorbereitung zum Einsatz. Die Rückkehr seines besten Torschützen Zlatko Dedic (13 Treffer) zum VfL Bochum dürfte dem Dresdner Verein allerdings weh tun.

Vom Karlsruher SC wechselte Alexander Iashwili (Foto) zum VfL Bochum. Der Stürmer bringt etwas mit, was die Bochumer nach dem Abgang von Giovanni Federico dringend brauchen: Erfahrung. Mit seinen 34 Jahren soll Iashwili im recht jungen Bochumer Team zum Führungsspieler werden. Mit Kevin Scheidhauer (VfL Wolfsburg) und Sören Bertram (Hamburger SV) kommen zwei weitere Verstärkungen im Sturm. Außerdem holte der VfL Mittelfeldspieler Yusuke Tasaka aus Japan.

Er wurde zwar mit Dortmund Meister, aber viel Anteil daran hatte er nicht: Florian Kringe (rechts im Bild) kam in der letzten Saison nur ein einziges Mal zum Einsatz. Jetzt hat der FC St. Pauli den Mittelfeldspieler verpflichtet. Dort will der auch defensiv einsetzbare Kringe endlich wieder eine tragende Rolle übernehmen. Mit Lennart Thy (vorher Werder Bremen) verpflichtete St. Pauli außerdem einen torgefährlichen U-20-Nationalspieler, der immerhin schon auf fünf Erstligaeinsätze kommt. Weitere Neuzugänge: Vom VfL Wolfsburg kommt Akaki Gogia als Leihgabe; von Liga-Konkurrent Bochum holte St. Pauli den Stürmer Daniel Ginczek.

2004 gehörte Angelos Charisteas zu der griechischen Mannschaft, die völlig überraschend den Europameister-Titel gewann. Charisteas lief früher unter anderem für Werder Bremen und Schalke 04 auf - jetzt hatte der SV Sandhausen mit ihm verhandelt. Doch am Ende entschied man sich gegen Charisteas. Dagegen fiel die Entscheidung für zwei Zweitligaprofis: Sandhausen holte Verteidiger Fabio Morena (St. Pauli) und Torhüter Michael Langner (FSV Frankfurt).

André Mijatovic (links im Bild) gehörte zu denen, die den zu teuren Hertha-Kader nach dem Abstieg verließen - jetzt soll er für den FC Ingolstadt 04 verteidigen. Weiterer hochkarätiger Neuzugang ist Danny da Costa von Bayer Leverkusen. Er spielte mehrfach in der ersten Liga und durfte sogar in der Champions League gegen den FC Barcelona ran. Bis 2014 verleiht Bayer Leverkusen den Verteidiger an die Ingolstädter. Dafür verlassen Moise Bambara und Adam Nemec den Verein.

Einen erfahrenen Verteidiger aus der ersten Liga hatte sich der VfR Aalen gar nicht erhofft - aber es hat geklappt. Der Vertrag von Oliver Barth (links im Bild) wurde beim SC Freiburg nicht verlängert. Nach einigen Gesprächen kam der ehemalige Freiburger Vizekapitän deshalb ablösefrei auf die Ostalb. Insgesamt schlug Aalen umfangreich zu: Neun neue Spieler holte der Klub, vor allem aus der dritten und der Regionalliga.

Fußballfans kennen seinen Namen: Boubacar Sanogo (Mitte) stürmte in 100 Partien in der ersten Bundesliga. Unter anderem stand er für Werder Bremen und den Hamburger SV auf dem Platz. Nach einer Verletzung war er zuletzt ohne Arbeitgeber - jetzt steht er in Diensten von Energie Cottbus. Gemeinsam mit dem Franzosen Nicolas Farina und Guillaume Rippert (beide Evian Thonon Gaillard FC, erste französische Liga) und Daniel Brinkmann vom Bundesligisten FC Augburg sicherte sich Cottbus damit drei hochrangige Verstärkungen.

Bisher spielte Jakub Sylvestr für den kroatischen Meister Dinamo Zagreb - jetzt verleihen die Kroaten den 23-Jährigen (Foto, dunkles Trikot) an Erzgebirge Aue. Dort freut man sich auf die Torgefahr des U-21-Nationalspielers - die er im Testspiel mit drei Treffern schon unter Beweis stellte. Außerdem holte sich Aue mit Tom Neukam einen talentierten Torhüter aus der A-Jugend von Werder Bremen. Er soll die Lücke füllen, die der Abgang von Aues drittem Keeper Michael Arnold hinterlassen hat.

Union Berlin setzt in der kommenden Saison auf einen Ziehsohn des Vereins: Björn Kopplin (Foto). Bis zur U-17 spielte er bei Union, dann verließ er den Verein. Die vergangenen beiden Saisons spielte er beim VfL Bochum. Jetzt kommt der frühere U-19-Europameister ablösefrei zurück. Dazu kommt mit Daniel Haas (1899 Hoffenheim) eine neue Nummer eins im Tor. Ebenfalls aus dem Oberhaus stammt Fabian Schönheim (1. FSV Mainz 05). Der ausgeliehene Innenverteidiger stand bereits 19 mal auf dem Erstliga-Rasen. Außerdem kommt Ingolstadts Adam Nemec an die Alte Försterei, während Ahmed Madouni zum FC Nantes geht.

Ein weiterer Rückkehrer. Julian Koch hatte schon in der Saison 2010/2011 leihweise für den MSV Duisburg gespielt, kehrte dann zu seinem Arbeitgeber Borussia Dortmund zurück (rechts im Bild). Aufgrund einer langwierigen Verletzung fehlt Koch aber Spielpraxis - die darf er sich erneut beim MSV verdienen. Mit Sören Brandy (SC Paderborn 07) kommt ein vielseitiger Zweitliga-Veteran zu den Zebras, außerdem holte der MSV Verteidiger Adli Lachheb von Erzgebirge Aue und Angreifer Ranislav Jovanovic von Fortuna Düsseldorf.

Stand: 24.07.2012, 12:08