1. FC Köln - Mehr Umbruch geht nicht

Jörg Jakobs, Frank Schaefer, Holger Stanislawski (v.l.)

Vor dem Zweitligastart

1. FC Köln - Mehr Umbruch geht nicht

Von Volker Schulte

Neuer Trainer, neuer Vorstand, neue Mannschaft - der 1. FC Köln hat sich innerhalb eines Jahres von Grund auf renoviert. Das einzige altbekannte Gesicht in der Führungsebene ist das von Frank Schaefer, der kölschen Allzweckwaffe. Der 48-Jährige erklärt im Gespräch mit sportschau.de, wie der FC den Neuaufbau in der 2. Bundesliga meistern will.

Die wichtigsten Transfers der zweiten Liga

Am 3. August beginnt die Zweitliga-Saison - genügend Zeit, um am Kader zu arbeiten. Mit zwölf Abgängen und 18 neuen Spielern ist der 1. FC Köln bislang Transfer-König der zweiten Liga. Aber auch bei den anderen Klubs hat sich einiges getan.

Torhüter Michael Rensing wirft sich einem Ball hinterher

Der 1. FC Köln hat seine Mannschaft von einem Erstliga- zu einen Zweitligakader umgebaut. 18 neue Köpfe stehen in der A-Auswahl. Verteidiger Dominic Maroh kommt aus Nürnberg, vom Erstliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf wechselten Adam Matuschyk (Mittelfeld) und Thomas Bröker (Sturm) nach Köln. Dem gegenüber stehen die Abgänge absoluter Leistungsträger: Torhüter Michael Rensing (Foto), Kapitän Pedro Geromel und Milivoje Novaković stehen zum Beispiel nicht mehr im Kader. Schwerwiegendster Verlust bleibt Lukas Podolski - er stürmt jetzt für den FC Arsenal.

Der 1. FC Köln hat seine Mannschaft von einem Erstliga- zu einen Zweitligakader umgebaut. 18 neue Köpfe stehen in der A-Auswahl. Verteidiger Dominic Maroh kommt aus Nürnberg, vom Erstliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf wechselten Adam Matuschyk (Mittelfeld) und Thomas Bröker (Sturm) nach Köln. Dem gegenüber stehen die Abgänge absoluter Leistungsträger: Torhüter Michael Rensing (Foto), Kapitän Pedro Geromel und Milivoje Novaković stehen zum Beispiel nicht mehr im Kader. Schwerwiegendster Verlust bleibt Lukas Podolski - er stürmt jetzt für den FC Arsenal.

Der 1. FC Kaiserslautern steht auf Rang zwei der Transfer-Tabelle. Ex-Nürnberger Albert Bunjaku (rechts im Bild) soll Tore schießen; außerdem verpflichtete Lautern Mimoun Azaouagh vom VfL Bochum und Mahamadou Idrissou aus Frankfurt. Gleichzeitig kehren die Ausleihspieler Chadli Amri und Ilijan Micanski (beide FSV Frankfurt) zurück. Auf der anderen Seite geht Mittelfeldspieler Oliver Kirch zu Meister Dortmund, Sandro Wagner stürmt wieder für Bremen, Christian Tiffert geht in die USA, Richard Sukuta-Pasu nach Österreich und Stammkeeper Kevin Trapp wechselt zu Erstliga-Aufsteiger Eintracht Frankfurt.

Gladbacher Mathew Leckie (Foto) soll mehr Spielpraxis sammeln - Gelegenheit dazu bekommt der vielseitige Offensivmann beim FSV Frankfurt. Überhaupt legt der FSV viel Wert auf eine starke Offensive: Mit Edmond Kapllani (FC Augsburg) und John Verhoek (Stade Rennes, Frankreich) verpflichtet der FSV zwei weitere Erstliga-Stürmer, dazu Defensivspieler Moise Bambara aus Ingolstadt. Mit N'Diaye, Benyamina, Ausleih-Spieler Micanski und Chrisantus verlassen aber auch vier Stürmer den Verein.

Nach dem Abstieg aus der ersten Liga kann Hertha BSC seinen teuren Kader eigentlich nicht halten: Raffael, Ottl, Lell, Ebert, Torun und Mijatovic verlassen deshalb den Verein. Für Adrian Ramos wird noch ein interessierter Verein gesucht. Auf der Einkaufsseite scheint es Hertha mit dem Sparen nicht ganz so eng zu sehen. Hertha verpflichtete den Schalker Mittelfeldspieler Peer Kluge (Foto), außerdem in einem überraschenden Dreierpack Sandro Wagner (Werder Bremen), Sami Allagui (FSV Mainz 05) und den israelischen Nationalspieler Ben Sahar (Espanyol Barcelona).

Der Abgang von Roger Schmidt zu RB Salzburg tat weh - aber der SC Paderborn fand Ersatz: den Wolfsburger U-19-Trainer Stephan Schmidt (Foto). Schmidt kann unter anderem mit zwei neuen Erstliga-Profis planen: Manuel Zeitz kommt als Ausleihe vom 1. FC Nürnberg, Manuel Gulde von 1899 Hoffenheim. Außerdem kommt Tobias Kempe vom Liga-Rivalen Aue. Und noch zwei schmerzhafte Abgänge: Torjäger Nick Proschwitz wechselt zu Hull City, Mehmet Kara in die Türkei.

Er war mit Griechenland im Viertelfinale der EM - jetzt kickt Grigoris Makos für 1860 München. Neben dem Griechen holten die Löwen Moritz Stoppelkamp von Erstligist Hannover 96, den polnischen Nationalspieler Grzegorz Wojtkowiak (2010 polnischer Meister mit Lech Posen) und den argentinischen Angreifer Ismael Blanco. Abwehrspieler Jonatan Kotzke verkauften die Löwen an den Liga-Rivalen Jahn Regensburg.

In der vergangenen Saison gelang Eintracht Braunschweig souverän der Klassenerhalt - trotzdem blieben die Braunschweiger bescheiden, was den Transfermarkt anging. Nur vier Neuzugänge - gemeinsam mit Union Berlin ordnet sich der Verein am Ende der Transfer-Tabelle ein. Verstärkung kommt mit Jonas Erwig-Drüppel (Schalke II, Foto Mitte) und Björn Kluft (Preußen Münster, Foto rechts) aus der Regionalliga. Außerdem holte die Eintracht Drittliga-Profi Kevin Kratz (Alemannia Aachen) und Stürmer Orhan Ademi (links im Bild) aus der zweiten österreichischen Liga.

Mit Tobias Schweinsteiger (Foto) verlor Jahn Regensburg seinen stärksten Angreifer an die zweite Mannschaft der Bayern. Dafür wechselte Flügelstürmer Koray Altinay von den Bayern zum Jahn. Zweiter wichtiger Neuzugang: Jonatan Kotzke von Liga-Konkurrenz 1860 München. Aus der dritten Liga kommen außerdem Denis Weidlich (Rot-Weiß Erfurt) und Abdenour Amachaibou (SpVgg Unterhaching) zu den Regensburgern - und aus der Regionalliga stößt Angreifer Francky Sembolo zum Jahn.

Florian Fromlowitz (Foto) hatte seinen Stammplatz im Duisburger Tor in der letzten Saison verloren - in Dresden will der Keeper sich einen neuen Platz erkämpfen. In der Abwehr verstärkte sich Dynamo Dresden mit Bjarne Thoelke (VfL Wolfsburg) und Cüneyt Köz (Bayern München II). Köz spielte bei den Bayern in der dritten und der Regionalliga, fuhr allerdings mit den Profis ins Wintertrainingslager in Dubai und kam in der Vorbereitung zum Einsatz. Die Rückkehr seines besten Torschützen Zlatko Dedic (13 Treffer) zum VfL Bochum dürfte dem Dresdner Verein allerdings weh tun.

Vom Karlsruher SC wechselte Alexander Iashwili (Foto) zum VfL Bochum. Der Stürmer bringt etwas mit, was die Bochumer nach dem Abgang von Giovanni Federico dringend brauchen: Erfahrung. Mit seinen 34 Jahren soll Iashwili im recht jungen Bochumer Team zum Führungsspieler werden. Mit Kevin Scheidhauer (VfL Wolfsburg) und Sören Bertram (Hamburger SV) kommen zwei weitere Verstärkungen im Sturm. Außerdem holte der VfL Mittelfeldspieler Yusuke Tasaka aus Japan.

Er wurde zwar mit Dortmund Meister, aber viel Anteil daran hatte er nicht: Florian Kringe (rechts im Bild) kam in der letzten Saison nur ein einziges Mal zum Einsatz. Jetzt hat der FC St. Pauli den Mittelfeldspieler verpflichtet. Dort will der auch defensiv einsetzbare Kringe endlich wieder eine tragende Rolle übernehmen. Mit Lennart Thy (vorher Werder Bremen) verpflichtete St. Pauli außerdem einen torgefährlichen U-20-Nationalspieler, der immerhin schon auf fünf Erstligaeinsätze kommt. Weitere Neuzugänge: Vom VfL Wolfsburg kommt Akaki Gogia als Leihgabe; von Liga-Konkurrent Bochum holte St. Pauli den Stürmer Daniel Ginczek.

2004 gehörte Angelos Charisteas zu der griechischen Mannschaft, die völlig überraschend den Europameister-Titel gewann. Charisteas lief früher unter anderem für Werder Bremen und Schalke 04 auf - jetzt hatte der SV Sandhausen mit ihm verhandelt. Doch am Ende entschied man sich gegen Charisteas. Dagegen fiel die Entscheidung für zwei Zweitligaprofis: Sandhausen holte Verteidiger Fabio Morena (St. Pauli) und Torhüter Michael Langner (FSV Frankfurt).

André Mijatovic (links im Bild) gehörte zu denen, die den zu teuren Hertha-Kader nach dem Abstieg verließen - jetzt soll er für den FC Ingolstadt 04 verteidigen. Weiterer hochkarätiger Neuzugang ist Danny da Costa von Bayer Leverkusen. Er spielte mehrfach in der ersten Liga und durfte sogar in der Champions League gegen den FC Barcelona ran. Bis 2014 verleiht Bayer Leverkusen den Verteidiger an die Ingolstädter. Dafür verlassen Moise Bambara und Adam Nemec den Verein.

Einen erfahrenen Verteidiger aus der ersten Liga hatte sich der VfR Aalen gar nicht erhofft - aber es hat geklappt. Der Vertrag von Oliver Barth (links im Bild) wurde beim SC Freiburg nicht verlängert. Nach einigen Gesprächen kam der ehemalige Freiburger Vizekapitän deshalb ablösefrei auf die Ostalb. Insgesamt schlug Aalen umfangreich zu: Neun neue Spieler holte der Klub, vor allem aus der dritten und der Regionalliga.

Fußballfans kennen seinen Namen: Boubacar Sanogo (Mitte) stürmte in 100 Partien in der ersten Bundesliga. Unter anderem stand er für Werder Bremen und den Hamburger SV auf dem Platz. Nach einer Verletzung war er zuletzt ohne Arbeitgeber - jetzt steht er in Diensten von Energie Cottbus. Gemeinsam mit dem Franzosen Nicolas Farina und Guillaume Rippert (beide Evian Thonon Gaillard FC, erste französische Liga) und Daniel Brinkmann vom Bundesligisten FC Augburg sicherte sich Cottbus damit drei hochrangige Verstärkungen.

Bisher spielte Jakub Sylvestr für den kroatischen Meister Dinamo Zagreb - jetzt verleihen die Kroaten den 23-Jährigen (Foto, dunkles Trikot) an Erzgebirge Aue. Dort freut man sich auf die Torgefahr des U-21-Nationalspielers - die er im Testspiel mit drei Treffern schon unter Beweis stellte. Außerdem holte sich Aue mit Tom Neukam einen talentierten Torhüter aus der A-Jugend von Werder Bremen. Er soll die Lücke füllen, die der Abgang von Aues drittem Keeper Michael Arnold hinterlassen hat.

Union Berlin setzt in der kommenden Saison auf einen Ziehsohn des Vereins: Björn Kopplin (Foto). Bis zur U-17 spielte er bei Union, dann verließ er den Verein. Die vergangenen beiden Saisons spielte er beim VfL Bochum. Jetzt kommt der frühere U-19-Europameister ablösefrei zurück. Dazu kommt mit Daniel Haas (1899 Hoffenheim) eine neue Nummer eins im Tor. Ebenfalls aus dem Oberhaus stammt Fabian Schönheim (1. FSV Mainz 05). Der ausgeliehene Innenverteidiger stand bereits 19 mal auf dem Erstliga-Rasen. Außerdem kommt Ingolstadts Adam Nemec an die Alte Försterei, während Ahmed Madouni zum FC Nantes geht.

Ein weiterer Rückkehrer. Julian Koch hatte schon in der Saison 2010/2011 leihweise für den MSV Duisburg gespielt, kehrte dann zu seinem Arbeitgeber Borussia Dortmund zurück (rechts im Bild). Aufgrund einer langwierigen Verletzung fehlt Koch aber Spielpraxis - die darf er sich erneut beim MSV verdienen. Mit Sören Brandy (SC Paderborn 07) kommt ein vielseitiger Zweitliga-Veteran zu den Zebras, außerdem holte der MSV Verteidiger Adli Lachheb von Erzgebirge Aue und Angreifer Ranislav Jovanovic von Fortuna Düsseldorf.

Die neue Geschäftsführung

Claus Horstmann und Oliver Leki sind als Geschäftsführer noch im Amt, haben ihren Rücktritt "aus privaten Gründen" zum Saisonende aber bereits angekündigt. Damit ist der Umbruch auf allen Ebenen komplett. Horstmann und Leki sind seit vielen Jahren beim FC und haben deshalb mitzuverantworten, dass der Verein mehr als 30 Millionen Euro Schulden angesammelt hat. Unter Ex-Präsident Overath und den ehemaligen Managern Michael Meier und Volker Finke wirtschaftete der Verein deutlich über seinen Verhältnissen.

Dass teure, aussortierte Spieler wie Milivoje Novakovic, Pedro Geromel und Michael Rensing noch keinen neuen Klub gefunden haben, trägt nicht gerade zur Beruhigung bei. "Wir haben nie geleugnet, dass wir in einer schwierigen Situation sind", sagt Schaefer. "Die Lage ist schwierig, aber kalkulierbar und beherrschbar."

Die neue Mannschaft

Timo Horn

Hoffnungsträger im Tor: Timo Horn

Völlig umgekrempelt ist auch der Kader: Neben Geromel, Rensing und Slawomir Peszko sollen noch einige weitere Spieler weg, Lukas Podolski, Martin Lanig, Sascha Riether, Miliovoje Novakovic und die ausgeliehenen Henrique Sereno und Ammar Jemal sind es längst. Der FC will fortan verstärkt auf die Jugend setzen und eine Mannschaft formen, die "begeisterungsfähigen Fußball spielt, mit dem sich die Fans identifizieren", wie Schaefer sagt.

In dieses Muster passen die österreichischen Zugänge Daniel Royer (22, ausgeliehen von Hannover 96) und Kevin Wimmer (19, LASK Linz). Weil jede Mannschaft aber auch erfahrene Spieler braucht, verpflichtete der FC die Bundesliga-erfahrenen Matthias Lehmann (29, Eintracht Frankfurt) und Dominic Maroh (25, 1. FC Nürnberg) sowie den Düsseldorfer Aufstiegshelden Thomas Bröker (27). Besonders stolz ist der Verein auf sein Eigengewächs Timo Horn, der 19-Jährige gilt als eines der größten Torwarttalente Deutschlands.

Die neuen Ziele

Bisher war der 1. FC Köln in der 2. Bundesliga stets der Aufstiegsfavorit. Derzeit sind die Töne bescheidener. "Wir werden nicht die Rolle von Eintracht Frankfurt im vergangenen Zweitligajahr oder von Hertha BSC im Jahr davor spielen", betont Schaefer. Die neue Mannschaft werde Zeit benötigen, bis sie eingespielt sei. "Deshalb ist es wichtig, dass der Erwartungsdruck nicht zu groß ist und unsere Fans die nötige Geduld mit unserer Mannschaft haben." In Köln ist das ein ziemlich frommer Wunsch.

Stand: 01.08.2012, 08:00