Kurz nimmt Platz auf Fortuna-Schleudersitz

Marco Kurz beim Trainingsauftakt in Düsseldorf

Trainingsauftakt beim Zweitligisten

Kurz nimmt Platz auf Fortuna-Schleudersitz

Marco Kurz hat bei Zweitligist Fortuna Düsseldorf das Training aufgenommen - und damit einen heiklen Job angetreten. Er würde gerne lange bleiben, aber an diesem Vorhaben sind bei der Fortuna schon viele gescheitert.

Die Worte klangen gewichtig: "Marco Kurz zu verpflichten, war eine wegweisende und wichtige Entscheidung für den Verein. Er wird wieder für Kontinuität sorgen." Das sagte Düsseldorfs Sportdirektor Rachid Azzouzi bei der Vorstellung des neuen Fortuna-Trainers am Donnerstag (07.01.2016). Auch der kommissarische Vereinschef Paul Jäger schwärmte. "Der wichtigste Mann im Verein ist der Trainer. Wir haben deshalb bei unserer Suche die größte Sorgfalt walten lassen und ich bin mir sicher, dass wir die beste Lösung für den Verein gefunden haben."

Vier Wochen lang hatte sich die Fortuna im Dezember Zeit genommen, um einen Nachfolger für den wenig erfolgreichen Frank Kramer zu finden. In der Zwischenzeit führte Co-Trainer Peter Hermann die Mannschaft aus den Abstiegsrängen, auf ein Cheftrainer-Amt hatte der 63-Jährige aber keine Lust. Jetzt rückt Hermann wieder zurück in die geliebte zweite Reihe hinter Kurz. "Ich kann von Peter viel lernen und profitieren und freue mich auf die Zusammenarbeit", sagte der 46-Jährige.

Zwei Jahre Pause

Der neue Hoffnungsträger der Fortuna hat gerade eine gut zweijährige Auszeit hinter sich, nachdem seine vorherigen Stationen denkbar schlecht verlaufen waren. Bei den ambitionierten Klubs TSG 1899 Hoffenheim und FC Ingolstadt endete seine Tätigkeit bereits nach zehn beziehungsweise elf erfolgsarmen Spielen.

Sarkastisch könnte man sagen: Mit derart kurzen Amtszeiten passt Kurz perfekt nach Düsseldorf. Denn bei der Fortuna sind im vergangenen Jahr vier Trainer gekommen und gegangen. Auch in der sportlichen Leitung und der Vereinsführung herrschte in jüngster Vergangenheit große Fluktuation, auf ein ruhiges Umfeld kann Kurz daher kaum hoffen.

Aufstieg mit Kaiserslautern

Alle hoffen nun darauf, dass der gebürtige Stuttgarter an seine erfolgreichste Zeit als Trainer anknüpft: Die Arbeit beim 1. FC Kaiserslautern ab Sommer 2009. Damals stieg Kurz mit dem FCK in die Bundesliga auf und schaffte im Folgejahr den beachtlichen Sprung auf Platz sieben. Kurz war damals ein gefragter Name in der Branche. Doch nach den Entlassungen in Kaiserslautern, Hoffenheim und Ingolstadt wurde es ruhig um den ehemaligen Bundesligaprofi.

In seiner Pause war Kurz nach eigenen Angaben aber nicht untätig. "Ich habe nach einer Phase der Aufarbeitung und der Reflektion, in der ich mich auch fußballerisch weitergebildet habe, auf den richtigen Moment gewartet. Und der ist jetzt gekommen." Sein Vorhaben mit Düsseldorf klingt erst einmal bescheiden, man kann auch sagen: realistisch. "Unser erstes Ziel ist der Klassenerhalt, alles Weitere sehen wir dann." Wie er den unausgewogen wirkenden Kader auf Vordermann bringen will, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Bei der Vorstellung fielen eher klassische Trainerzitate wie: "Wir werden viel Leidenschaft, viel Einsatz zeigen und wollen jedes Spiel gewinnen."

Offensivschwäche

Weil die Fortuna in der Hinrunde Probleme mit dem Toreschießen hatte, hoffen viele Fans auf eine Verstärkung im Angriff. Trotz des Liga-Minuswerts von 15 Toren Treffern hält Kurz den Kader für konkurrenzfähig, "aber wir halten die Augen offen". Hoffnung macht die Bilanz unter Interimstrainer Hermann von sieben Punkten aus vier Spielen. Kurz' erster Prüfstein ist das Heimspiel gegen Heidenheim am Samstag, 6. Februar. Der Zuschauerschnitt ist in den vergangenen Monaten kontinuierlich geschrumpft und unter die 26.000er-Marke gefallen. Mit Kurz soll nun die Euphorie nach Düsseldorf zurückkehren - und vor allem möglichst lange halten.

Fortuna Düsseldorf - Das Chaos in Bildern

Frank Kramer musste gehen, jetzt sucht Fortuna Düsseldorf mal wieder einen neuen Trainer. Der ganze Klub ist eine einzige Baustelle, auf allen Ebenen herrscht seit Monaten Chaos - nicht zuletzt auf der Führungsebene.

Frank Kramer

Nun also Frank Kramer: Der 43 Jahre alte Trainer ist der nächste Angestellte von Fortuna Düsseldorf, der seinen Job vorzeitig verliert. Beim Zweitligisten herrscht Chaos auf allen Ebenen, seit zwei Jahren geht es bei der Fortuna zu wie in einem Taubenschlag. Zunächst ein Blick auf die Trainerbank: Nachdem Norbert Meier dort fünf Jahre lang erfolgreich arbeiten konnte, begann im Sommer 2013 das Durcheinander.

Nun also Frank Kramer: Der 43 Jahre alte Trainer ist der nächste Angestellte von Fortuna Düsseldorf, der seinen Job vorzeitig verliert. Beim Zweitligisten herrscht Chaos auf allen Ebenen, seit zwei Jahren geht es bei der Fortuna zu wie in einem Taubenschlag. Zunächst ein Blick auf die Trainerbank: Nachdem Norbert Meier dort fünf Jahre lang erfolgreich arbeiten konnte, begann im Sommer 2013 das Durcheinander.

Mike Büskens übernimmt im Sommer 2013 die schwierige Aufgabe, das Team nach dem Abstieg aus der Bundesliga wieder in die Spur zu bringen. Die Ansprüche in Düsseldorf sind deutlich gestiegen - und Büskens wird ihnen nicht gerecht. Ende November ist für ihn schon wieder Schluss, die Fortuna liegt auf Platz 15.

Nach einer drei Wochen langen Suche, in der Interimstrainer Oliver Reck zwei von drei Spielen gewinnt, entscheidet sich die Fortuna für Lorenz-Günther Köstner als Büskens-Nachfolger. Der Ex-Wolfsburger übernimmt vor der Winterpause, schafft in der Rückrunde in neun Spielen allerdings nur einen Sieg und sechs Remis. Köstner erkrankt an einer bakteriologischen Infektion, muss sich krankschreiben lassen.

Oliver Reck zum Zweiten, nach Köstners Erkrankung muss der Torwarttrainer erneut ran. Unter Reck legt die Mannschaft einen fulminanten Schlussspurt hin, gewinnt fünf der sechs letzten Saisonspiele, spielt einmal Unentschieden. Der Lohn: ein Cheftrainervertrag ab der Saison 2014/15. Doch hundertprozentig ist die Rückendeckung im Verein nie, Ende Februar 2015 wird Reck entlassen, Düsseldorf liegt auf Platz sieben.

Einen konkreten Plan für Recks Nachfolge hat die Fortuna nicht. Also darf U23-Trainer Taskin Aksoy ran und startet ordentlich mit sieben Punkten aus den ersten vier Spielen. Allerdings folgen in den letzten acht Partien nur noch fünf weitere Punkte. Mitte April gibt der Verein bekannt, dass Frank Kramer zur Saison 2015/16 Cheftrainer wird.

Nachdem auch Kramer gescheitert ist, übernimmt erst einmal Peter Hermann das Ruder. Er war bereits in den 90er-Jahren dreimal Interimstrainer für Bayer Leverkusen, kennt sich also mit kurzzeitigen Cheftrainerposten aus. Das ist in Düsseldorf sicherlich kein Nachteil. Unruhe auf dem Trainerstuhl ist immer auch ein Indiz für eine unstabile sportliche Leitung. Deshalb ein Blick auf die Managerebene ...

Der langjährige Sportdirektor Wolf Werner hat die Fortuna zurück in die Bundesliga geführt und dann, nach dem direkten Wiederabstieg, den Stab im Februar 2014 an Helmut Schulte übergeben. An dessen Arbeit scheiden sich die Geister. Er hat den Verein modernisiert, 2014 ordentlich eingekauft (Schauerte, Schmitz, Pohjanpalo, da Silva Pinto, Tah ...), aber in der Winterpause trotz vieler Verletzungen nicht nachgelegt. Auch bei Recks Entlassung und der Nachfolgersuche machte Schulte keine gute Figur. Im Mai 2015 musste er überraschend gehen.

Schultes Nachfolger Rachid Azzouzi steht ebenfalls in der Kritik, obwohl der aktuelle Kader immer noch Schultes Handschrift trägt. Zugänge wie Christian Srohdiek, Julian Koch, Kevin Akpoguma und die Trainer Frank Kramer und Peter Hermann sind bereits von Schulte kontaktiert worden. Azzouzi verpasste es, eigene Akzente zu setzen. Er holte ehemalige Bundesligaspieler wie Karim Haggui, Didier Ya Konan und Alexander Madlung, die ihren Zenit offensichtlich überschritten haben. Keine Konstanz also beim Sportdirektorposten - das hängt auch mit der Führungsebene zusammen.

Der Vorstand ist derzeit eine einzige Baustelle, denn seit der Trennung von Dirk Kall Anfang Oktober sucht die Fortuna einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Kall war nur 20 Monate im Amt, schon länger umstritten und hatte zuletzt keinen Rückhalt mehr im Aufsichtsrat. Wirtschaftlich arbeitete Kall durchaus erfolgreich, aber die sportliche Talfahrt fiel auch auf ihn zurück.

Aktuell hat Finanzvorstand Paul Jäger den Vorsitz kommissarisch inne. Er galt schon vor Kall als Kandidat, ist es nun erneut - aber auch ihm fehlt der Rückhalt. Zahlreiche Fangruppen haben sich in einer Stellungnahme gegen das langjährige Vorstandsmitglied ausgesprochen, sie fordern einen Neuanfang.

Neben Jäger ist derzeit nur noch Sven Mühlenbeck Vorstandsmitglied. Laut Satzung muss der Vorstand allerdings mit drei bis fünf Personen besetzt sein. Die Suche läuft, Thomas Allofs, Dirk Dufner und Düsseldorfer Stadtgrößen werden als Kandidaten gehandelt. Selbst auf höchster Ebene herrscht bei der Fortuna derzeit also große Unruhe. Da ist es kein Wunder, dass es auch auf dem Rasen nicht läuft.

Stand: 23.12.2015, 18:43

2. Bundesliga | Tabelle

Rang Team S P
1. 1. FC Heidenheim 0 0
1. 1. FC K'lautern 0 0
1. 1. FC Nürnberg 0 0
1. Union Berlin 0 0
1. Arm. Bielefeld 0 0
  ...    
1. VfB Stuttgart 0 0
1. VfL Bochum 0 0
1. Würzbur. Kickers 0 0
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