St. Pauli sucht noch die Balance

Ewald Lienen

Vor dem Rückrundenstart in der 2. Liga

St. Pauli sucht noch die Balance

Von Michael Ostermann

Der FC St. Pauli hat in der Winterpause vor allem an der Offensive gearbeitet. Im letzten Test wackelte dafür die Defensive. Trainer Ewald Lienen muss bis zum Auftakt in Fürth noch die richtige Balance finden.

Wenn es stimmt, dass eine missglückte Generalprobe eine gelungene Premiere zur Folge hat, dann muss dem FC St. Pauli vor dem ersten Spiel nach der Winterpause in der Zweiten Liga am kommenden Wochenende nicht bange sein. Im letzten Test unterlag das Team von Trainer Ewald Lienen 2:4 gegen den dänischen Erstligisten Aalborg BK. "Wir haben nicht gegen Laufkundschaft gespielt", betonte Lienen nach der Partie.

Abwehr bislang das Prunkstück

So einfach wie im Theater ist es im Fußball zudem auch nicht. Zumal das Ensemble am Sonntag (07.02.16), wenn die Hamburger bei der SpVgg Greuther Fürth antreten, nicht in der selben Besetzung wie gegen Aalborg wird antreten können. Mittelfeldspieler Sebastian Meier erlitt gegen die Dänen einen Zerrung und fällt definitiv aus. Ein Fragezeichen steht auch hinter Enis Alushi, dem ein Hexenschuss zu schaffen macht. Lienen wird also über Alternativen nachdenken müssen. Was ihm angesichts des im Mittelfeld ausgeglichenen Kaders nicht schwer fallen dürfte.

Größeres Kopfzerbrechen bereitet dem Trainer die Anfälligkeit in der Defensive, die auch schon in den beiden Testspielen zuvor auffällig war. Dabei galt die Abwehr bislang als das Prunkstück des FC St. Pauli. Lienen hat seit dem Beginn seiner Tätigkeit in Hamburg im Dezember großen Wert darauf gelegt, dass Team defensiv zu stabilisieren. Mit Erfolg: Nur 20 Gegentreffer hat sein Team in den bisherigen 19 Spielen kassiert, der fünftbeste Wert der Liga. Dass die Kiezkicker als Tabellenviertern zu den Aufstiegskandidaten zählen, hat viel mit der Defensivarbeit zu tun. Doch schon in den letzten Partien vor der Winterpause erwies sich die Abwehr nicht mehr ganz so sattelfest - vor allem bei den Heimniederlagen gegen den 1. FC Nürnberg (0:4) und den Karlsruher SC (1:2).

Flügelspiel und Konterverhalten

Lienen hat den Schwerpunkt im Trainingslager in Belek in der Türkei auf die Offensive gelegt. Flügelspiel und Konterverhalten standen auf dem Übungsplan. Denn mit 22 Treffern haben St. Paulis Angreifer mit Abstand die schwächste Quote jener Teams, die sich noch Hoffnungen auf den Aufstieg in die Bundesliga machen dürfen. Im Angriff ist die Mannschaft dünn besetzt. Lennart Thy ist mir sechs Treffern quasi der Alleinunterhalter im Sturm. John Verhoek hat in der Vorbereitung zwar den Anschluss gefunden, will den Verein aber wohl lieber heute als morgen verlassen.

Lennart Thy

Wechselt im Sommer nach Bremen: Lennart Thy

Für den kommenden Sommer hat der Niederländer bereits einen Vertrag beim Ligakonkurrenten 1. FC Heidenheim unterschrieben. Ein vorzeitiger Wechsel wäre aus Sicht des FC St. Pauli aber nur dann sinnvoll, wenn man bis zum Ende der Transferperiode am Montagabend einen adäquaten Ersatz findet. Danach sieht es jedoch nicht aus. "Wenn wir jetzt einen Stürmer hätten, von dem wir glauben, dass er besser ist als John und  uns sofort helfen kann, dann hätten wir das schon längst gemacht", erklärte Lienen. Sportdirektor Thomas Meggle wird in den kommenden Wochen und Monaten den Stürmermarkt aber dennoch weiter ganz intensiv beobachten müssen. Denn auch Thy wird den Verein nach der Saison verlassen. Der 23-Jährige wechselt im Sommer zu Werder Bremen. Damit steht der FC St. Pauli für die kommende Spielzeit quasi ohne Stürmer da.

Hoffnung auf Miyaichi

Der Stadteil-Klub ist auch ansonsten nicht aktiv geworden im Winter-Transfergeschäft. Lediglich der 20 Jahre alte Leroy Mickels wurde unter Vertrag genommen. Der 20 Jahre alte offenisve Mittelfeldspieler war ihm letzten halben Jahr vereinslos und spielte zuvor für das U23-Team von Borussia Mönchengladbach. Mickels wird allerdings erst einmal im Nachwuchsteam zum Einsatz kommen. "Er ist ein talentierter Junge, jemand, den man auf Sicht aufbauen kann", sagt Lienen.

Mittelfristig soll Ryo Miyaichi der Offensive neuen Schwung verleihen. Der Japaner, im Sommer vom FC Arsenal nach Hamburg gekommen, ist nach seinem Kreubandriss in der Saisonvorbereitung auf dem Weg zurück ins Team und hofft im Februar seinen ersten Pflichtspieleinsatz für St. Pauli zu absolvieren. Bis dahin wird Trainer Ewald Lienen die Balance zwischen Defensive und Offensieve wieder austarieren müssen.

Offiziell ist der Aufstieg in die Bundesliga kein Thema. Abwehrchef Lasse Sobiech, vom Fachmagazin "kicker" zum besten Innenverteidiger der Hinrunde ernannt, glaubt aber, dass für den FC St. Pauli alles möglich ist. "Der Auftakt in Fürth ist ganz wichtig, Leipzig danach wird auch nicht einfacher ", sagte Sobiech der "Hamburger Morgenpost". "Wenn man die ersten drei Spiele verliert, ist man schnell wieder unten dabei." Erst die Premiere am Sonntag wird einen Hinweis darauf geben, wohin die Reise für den Kiezklub geht.

Stand: 01.02.2016, 12:51

Darstellung: