Kaiserslautern droht der Niedergang

Lauterns Baris Atik

"Rote Teufel" in der Krise

Kaiserslautern droht der Niedergang

Der 1. FC Kaiserlautern steckt in der wohl größten Krise seiner Vereinsgeschichte - und das ohne Trainer. Auch wirtschaftlich geht der Klub schweren Zeiten entgegen.

Markus Kauczinski, Stefan Ruthenbeck und Maik Walpurgis werden sich gestern sicherlich das Spiel des 1. FC Kaiserslautern bei Union Berlin angesehen haben. Die Pfälzer suchen nach der Entlassung von Norbert Meier nach einem neuen Trainer, und das Trio gehört zu den Kandidaten. Doch ob einer der drei nach der Partie in Berlin noch Lust hat, den Job zu übernehmen, ist fraglich.

Denn der kommt einem Himmelfahrtskommando gleich. Mit 0:5 ging Lautern in der Hauptstadt im Spiel eins nach Meier unter. Die von Interimstrainer Manfred Paula und U19-Coach Alexander Bugera betreute Mannschaft war vom Anpfiff weg heillos unterlegen. Die Gäste hatten dabei sogar noch das Glück, dass Berlin mit einer 4:0-Pausenführung in der zweiten Halbzeit einen Gang zurückschaltete.

Der schlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte

Kaiserlautern ist das einzige Team in der zweiten Liga, das nach acht Spieltagen noch keinen Sieg eingefahren hat. Das Torverhältnis von 3:17 ist desolat. Der Abstand auf Rang 15 beträgt schon jetzt sechs Punkte. Es ist der schlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte, und Fußball-Nostalgiker dürfen sich damit trösten, dass der große Fritz Walter das alles nicht mehr erleben muss.

Dabei fuhr Lautern durchaus selbstbewusst nach Berlin. "Unser Kader ist absolut konkurrenzfähig. Wir haben auf jeden Fall die Chance, in Berlin zu punkten", sagte Paula vor der Partie. Bugera berichtete, die Mannschaft sei "sehr fokussiert und hellwach". Wie man sich täuschen kann. Die Fußball-Weisheit, dass neue Besen gut kehren, bestätigte sich so überhaupt nicht.

Desaster begann 2012

Fakt ist: Dem tief gefallenen Traditionsverein droht der endgültige Niedergang. Das Desaster begann 2012. Da stieg der FCK zum dritten Mal in seiner Vereinsgeschichte aus der Bundesliga ab. Ein Jahr später verpasste man die sofortige Rückkehr und verlor als Zweitliga-Dritter die Relegation gegen 1899 Hoffenheim. Danach reichte es zwei Mal in Folge nur zu Platz vier, und seitdem geht es in der Tabelle kontinuierlich bergab.  

Kuntz-Abschied eine Zäsur

Eine Zäsur war der Weggang von Stefan Kuntz. Der Ex-Profi war von 2008 bis 2016 Vorstandsvorsitzender. Er verließ "seinen" Klub wegen unüberbrückbarer Differenzen mit dem Aufsichtsrat, es ging um unterschiedliche Auffassungen über die weitere Ausrichtung und die Strategien des Vereins.

Sein Nachfolger Thomas Gries erklärte bei seiner Amtseinführung, es hätte sich "ein Kindheitstraum" erfüllt. "Ich freue mich riesig, das ist der geilste Job der Welt", sagte Gries. Doch seitdem fehlen Ruhe und Konstanz beim FCK. Mit Meier musste in der rund eineinhalbjährigen Amtszeit des Vorstands um Gries schon der dritte Trainer vorzeitig den Betzenberg verlassen. Zuvor mussten schon Konrad Fünfstück und Tayfun Korkut gehen. Meier hatte sein Amt erst im Januar angetreten.

Meisterschafts-Jubiläum als Absteiger, Problem Stadion

Im kommenden Mai wollten sie eigentlich feiern beim FCK. Dann ist es 20 Jahre her, dass die "Roten Teufel" als Aufsteiger unter Trainer Otto Rehhagel sensationell die deutsche Meisterschaft holten. Doch wenn es so weiter geht, wird der Klub dann schon als Absteiger feststehen. Problem ist, dass die 3. Liga für den Verein wahrscheinlich nicht finanzierbar ist.

Dort fallen Fernsehgelder weg und Zuschauereinnahmen gehen zurück. Die Kosten für das Stadion aber bleiben. Rund 2,6 Millionen Euro zahlt Lautern pro Jahr an die städtische Stadiongesellschaft. Hinzu kommt der laufende Betrieb mit Platzunterhalt und Sicherheitsdienst. Alles in allem fallen jährlich etwa zehn Millionen Euro an. Eine Summe, die im Abstiegsfall nicht zu stemmen wäre.

Entgegenkommen kann die Stadt dem Klub nicht. Denn sie muss jedes Jahr 2,9 Millionen Euro Zinsen für einen 65 Millionen Euro-Kredit für das Stadion zahlen. Diese Summe hatte sie vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bei Übernahme und Ausbau des Fritz-Walter-Stadions aufnehmen müssen.

Gang in die Regionalliga droht

Bliebe der Gang in die Regionalliga. Doch dort löst sich das Stadionproblem auch nicht in Luft auf, zumal keine andere Spielstätte in Frage kommt. Fans fürchten deshalb schon das endgültige Aus für den 1. FC Kaiserslautern - sprich: die Insolvenz.

Am Freitag (29.09.2017) kommt der Tabellen-Vorletzte Greuther Fürth an den Betzenberg. Es ist ein Schicksalsspiel. "Gegen Greuther Fürth geht es um alles", sagt FCK Sportdirektor Boris Notzon. Die völlig mutlose und verunsicherte Truppe wird dann wohl wieder von Paula und Bugera betreut. "Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die beiden dann noch dabei sind", erklärt Notzon. Zu hoffen bleibt, dass das Team etwaige Kandidaten dann nicht noch weiter vergrault.

vdv/dpa/sid

Darstellung: