VfL Bochum setzt vorerst auf Trainerduo Neitzel und Reis

Karsten Neitzel

Nach der Entlassung von Andreas Bergmann

VfL Bochum setzt vorerst auf Trainerduo Neitzel und Reis

Nach der Entlassung von Coach Andreas Bergmann setzt der VfL Bochum auf die beiden Co-Trainer Karsten Neitzel und Thomas Reis - jedenfalls vorerst.

Beim VfL Bochum geht die Angst um. Aus dem einst stolzen UEFA-Pokal-Teilnehmer ist ein Abstiegskandidat in der zweiten Fußball-Bundesliga geworden. Nach der Trennung von Trainer Andreas Bergmann einen Tag nach dem desaströsen 1:6 bei Erzgebirge Aue und dem Sturz auf Tabellenplatz 17 ist der Revierklub erneut auf schwieriger Suche nach einem passenden Chefcoach. Dabei werde man sich Zeit lassen, betonte Sportdirektor Jens Todt: "Wir lassen und nicht treiben oder hetzen. Es wird nur eine Lösung geben, von der wir hundertprozentig überzeugt sind."

Interimscoach Karsten Neitzel, der das Team zusammen mit Co-Trainer Thomas Reis zunächst im DFB-Pokalspiel beim Regionalligisten TSV Havelse am Dienstag (30.10.12) betreut, will nicht mehr zurückblicken auf die Pleite in Aue. "Das 1:6 müssen wir völlig ausblenden. Die Mannschaft war danach unfassbar selbstkritisch. Jetzt gibt es nur ein Ziel: In Havelse eine Runde weiterkommen."

Auch finanziell am Abgrund

Bei der Nachfolgerregelung könne man sich "einen Fehlgriff nicht leisten", räumte Todt ein. Denn der VfL steht nicht nur sportlich am Scheideweg, sondern auch finanziell am Abgrund. Ein Aus beim Regionalliga-Dritten könnte böse Folgen haben, weil dem klammen Klub Achtelfinal-Einnahmen von rund 500.000 Euro entgingen. So ist der Erfolgsdruck für das Interimsduo Neitzel/Reis und das Team enorm. "Das weiß auch die Mannschaft", sagte Neitzel, der womöglich auch im Heimspiel gegen Energie Cottbus noch auf der Bank sitzt.

Aus menschlichen Erwägungen bedauerte Todt das Schichtende für den sympathischen Bergmann. Doch Vorstand und Aufsichtsrat blieb nach sieben Spielen ohne Sieg und nur sechs Toren in elf Partien keine andere Wahl. "Die Entscheidung war das Ergebnis der sportlichen Talfahrt sowie des Dilemmas, dass sich die positiven Ansätze des eingeleiteten personellen Umbruchs in der Tabelle nicht widerspiegeln", erläuterte Todt.

Stetig bergab

Sollte der 1848 gegründete TraditionsKlub in die 3. Liga absteigen, doht ihm ein ähnliches Schicksal wie anderen NRW-Vereinen in der jüngsten Vergangenheit. Alemannia Aachen steht vor der Insolvenz, Rot-Weiß Oberhausen wurde in die Regionalliga durchgereicht, Schlusslicht MSV Duisburg steht ebenfalls vor dem Sturz in Liga drei. Und Arminia Bielefeld konnte nur durch mehrere Kraftakte das Schlimmste verhindern, ist in der 3. Liga derzeit aber auf gutem Weg.

Seit dem Weggang von Stefan Kuntz 2008 nach Kaiserlautern und erst recht nach dem Ausstieg des mächtigen Chefs Werner Altegoer, der stets schützend seine Hand über den VfL hielt, geht es mit dem "Bundesliga-Rekordwiederaufsteiger" stetig bergab. Nach dem Rauswurf von Marcel Koller 2009 mühten sich die Trainer Frank Heinemann, Heiko Herrlich, Dariusz Wosz, Friedhelm Funkel und Bergmann - ohne Erfolg.

"Nachhaltige Lösung" gesucht

Und wer kommt jetzt? "Wir wollen eine nachhaltige Lösung", betont Aufsichtsratschef Hans-Peter Villis. Eine Rückkehr von Peter Neururer gilt als ausgeschlossen. Als Kandidaten gelten der Ex-Lauterer Macro Kurz oder der in St. Pauli entlassene André Schubert. Vielleicht erinnert man sich beim VfL ja auch an einen Ex-Profi und Fußball-Lehrer aus den eigenen Reihen: Torhüter und VfL-Coach (1999-2001) Ralf Zumdick leitete nach dem Abschied aus dem Iran zuletzt im VDV-Auftrag den Trainerlehrgang für vertragslose Profis und würde "große Erfahrung und viel Herzblut" einbringen.

sid/dpa | Stand: 29.10.2012, 13:29