Traditionsklubs im Abstiegsstrudel

Friedhelm Funkel, Ewald Lienen, Norbert Meier und Vitor Pereira

Zweitliga-Kellerkinder

Traditionsklubs im Abstiegsstrudel

Gleich fünf echte Traditionsklubs des Deutschen Fußballs bangen aktuell noch um den Klassenerhalt in der 2. Liga - ein sechster ist wohl bereits abgestiegen. Vier der fünf Wackelkandidaten treffen an diesem Spieltag aufeinander.

Die Traditionsklubs im Unterhaus sind in Sorge: Der Karlsruher SC steht bei zehn Punkten Abstand auf das rettende Ufer fünf Spieltage vor dem Ende schon mit einem Bein in Liga 3. Der aktuell 17. Arminia Bielefeld muss gegen die starken Heidenheimer unbedingt punkten. Und dann sind noch ein paar traditionsreiche Teams unter sich: Der 1. FC Kaiserslautern und der TSV 1860 München spielen ebenso gegeneinander wie Fortuna Düsseldorf und der FC St. Pauli.

Fortunas Hinrundenpolster fast aufgebraucht

Die Ausgangslagen sind allesamt ähnlich (prekär) - und doch irgendwie nicht. Düsseldorf steht mit 35 Zählern und einer Tordifferenz von -1 auf Rang elf. In der Vorsaison feierte die Fortuna am Ende mit 35 Punkten den Klassenverbleib. Dieses Jahr sind die noch kein Ruhekissen, sondern bedeuten lediglich drei Punkte Vorsprung auf Relegationsrang 16, den Erzgebirge Aue einnimmt.

Sorgen macht die aktuelle Form: Düsseldorf ist seit vier Partien ohne Sieg und auch wenn man gegen Dynamo Dresden klar dominierte - die Lage ist gefährlich. "Mit Unentschieden kommen wir nicht von der Stelle, wir müssen zusehen, dass wir gegen St. Pauli gewinnen", erklärte Fortuna-Profi Oliver Fink.

Lienens Kiezkicker sind in Form

Beim Kiezklub geht der Trend genau in die andere Richtung: Die Hinrunde beendete das Team von Trainer Ewald Lienen mit elf Punkten auf Platz 18. In der Rückrunde holte St. Pauli bereits 21 Zähler und kletterte vorerst auf Rang 14. Gegen Würzburg fiel der 1:0-Siegtreffer durch Christopher Buchtmann erst in der 88. Minute.

Aziz Bouhaddouz (l) von St. Pauli jubelt mit seinem Kollegen Christopher Buchtmann

"Es ist wichtig, die Ruhe zu bewahren. Die Mannschaft hat sich das erarbeitet und verdient", meinte Lienen. Sein Düsseldorfer Kollege Friedhelm Funkel ist gleichwohl davon überzeugt, dass sein Team Nervenstärke beweist: "Wir werden die nötigen Punkte noch holen."

Kaiserslautern im freien Fall

Im anderen Duell zwischen Kaiserslautern und 1860 München sind beide mit der aktuellen Entwicklung auch nicht wirklich zufrieden. Kaiserslautern will seine Talfahrt nach nur einem Sieg aus den zurückliegenden acht Partien stoppen. In der heißen Phase des Abstiegskampfes warten noch einige Spiele gegen direkte Konkurrenten. "Es gilt jetzt gegen 1860 die Weichen so zu stellen, dass wir in den letzten vier Spielen eine bessere Ausgangssituation haben als München", erläuterte FCK-Sportdirektor Uwe Stöver.

Sportlich und vor allem finanziell wäre ein Abstieg kaum zu verkraften, gewaltig sind die Lasten, die der Verein zu tragen hat. Allein die Pacht der überdimensionierten WM-Arena, die im kommenden Jahr auf 2,62 Millionen Euro pro Saison steigt, wäre wohl nicht mehr zu stemmen.

Drei Traditionsvereine als Absteiger?

1860 München wartet immerhin auch seit drei Partien auf einen Sieg und holte in den bisherigen 14 Auswärtspartien lediglich acht Punkte. Coach Vitor Pereira monierte nach dem jüngsten 1:1 gegen Sandhausen, dass seine Mannschaft nicht aktiv genug gewesen sei. Investor Hasan Ismaik forderte für den Saison-Schlussspurt Zusammenhalt. "Richtig ist, dass wir in den nächsten Wochen noch enger zusammenrücken müssen", erklärte der streitbare Funktionär mit Blick auf die 1860-Fans.

Rein theoretisch wäre es möglich, dass alle fünf noch bedrohten "Traditionsklubs" die Klasse halten und stattdessen Erzgebirge Aue und die Würzburger Kickers auf den Plätzen 16 und 17 landen. Auch der SV Sandhausen ist mit seinen 35 Punkten noch nicht am rettenden Ufer - letztendlich ist es aber auch nicht unwahrscheinlich, dass am Ende der Spielzeit die letzten drei Plätzen nur von Traditionsvereinen belegt werden.

Düsseldorf, St. Pauli, Kaiserslautern, Bielefeld und die Löwen vereinen gemeinsam sechs Meistertitel, sechs Pokalsiege und den Titel des "Weltpokalsiegerbesiegers" auf sich, doch zwei dieser vier Vereine könnten am Ende den bitteren Gang in die 3. Liga antreten müssen. An diesem Freitag werden sie alle alles dafür tun, dass dieses Szenario nicht Realität wird, vier davon eben im direkten Aufeinandertreffen.

Thema in: Sport aktuell, Freitag, 21.04.17, 22.50 Uhr, Deutschlandfunk

dpa/red | Stand: 20.04.2017, 14:08

2. Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.VfB Stuttgart2957
2.Braunschweig3057
3.Hannover 963057
4.Union Berlin2954
5.Dynamo Dresden3046
 ...  
16.Erzgebirge Aue3033
17.A. Bielefeld3031
18.Karlsruher SC3022
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