Der gelungene Umbau bei Werder Bremen

Nouri mit Abwehrspieler Sané

Euphorie an der Weser

Der gelungene Umbau bei Werder Bremen

Von Jens Mickler

Werder Bremen ist die Mannschaft der Stunde in der Fußball-Bundesliga. Nach miserablem Jahres-Start gab es die Trendwende mit vier Siegen aus fünf Spielen - auch weil Trainer Nouri seine Abwehr umbaute.

Werder-Wahnsinn, Super-Serie, Bremer Traumtore - Schlagzeilen wie diese waren ein wenig in Vergessenheit geraten in Zusammenhang mit Werder Bremen. Nach dem famosen 3:0-Erfolg über den Rangzweiten RB Leipzig war aber wieder Zeit für Superlative. Mit der jüngsten Erfolgsserie machte Werder einen Satz auf Rang 13 der Tabelle - die beste Platzierung seit dem siebten Spieltag.

Vorbehalte gegen Nouris Pläne

Die Stimmung an der Weser könnte derzeit besser kaum sein, waren die Bremer doch so mies ins Jahr 2017 gestartet. Vier Niederlagen in Serie legten sie nach der Winterpause hin. Es wurde unruhig rund ums Weserstadion. Sportchef Frank Baumann musste die ersten scharfen Angriffe auf Trainer Alexander Nouri abwehren, behielt aber die Ruhe.

Das sollte sich - Stand jetzt - auszahlen. Doch wie schaffte Nouri den Turnaround? Schon in der Winterpause hatte sich der Bremer Coach überlegt, seiner Abwehr ein neues System zu verpassen. Mit Dreierkette, die mittlerweile in der Liga "en vogue" geworden ist, wollte Nouri in der Defensive spielen. Zunächst gab es große Vorbehalte, auch weil den Bremer Verteidigern Milos Veljkovic und Lamine Sané die spielerische Klasse abgesprochen wurde.

Augsburg als Tiefpunkt

Und die Zweifler sollten zunächst Recht behalten. Tiefpunkt aus Bremer Sicht: die 2:3-Niederlage gegen Augsburg, als Werder mit einer der schlechtesten Saisonleistungen vor allem auch defensiv versagte.

Alexander Nouri zog Konsequenzen aus den sportlichen Tiefschlägen. Der 37-Jährige nahm den überforderten Youngster Ulisses Garcia aus der Mannschaft und kehrte vorübergehend zum althergebrachten 4-4-2-Abwehrsystem zurück - mit Erfolg. Werder feierte einen Auswärts-Doppelpack mit den Siegen gegen Mainz 05 und den VfL Wolfsburg. Auch wenn der Sieg bei den "Wölfen" äußerst glücklich war: Werder festigte sich weiter, siegte auch gegen Darmstadt 98.

Zwei Gegentore aus fünf Partien

Nach diesen drei Erfolgen entschied Nouri, erneut zur Dreierkette zurückzukehren - diesmal mit neuem Personal. Veljkovic, Sané und Niklas Moisander bildeten in Leverkusen den Verbund. Es funktionierte, auch wenn es beim 1:1 keinen Sieg gab. Mit der gleichen Formation folgte dann der "Wow-Effekt" (Weser-Kurier) gegen RB Leipzig. Unter dem Strich stehen nur zwei Gegentore aus den letzten fünf Spielen und drücken Bremens neue Stabilität aus, an der auch zwei weitere Männer großen Anteil haben.

Torwart Wiedwald jubelt mit Abwehrspieler Moisander

Felix Wiedwald jubelt mit Abwehrspieler Moisander.

Neuzugang Thomas Delaney, der im Winter vom FC Kopenhagen losgeeist wurde, brauchte kaum Anlaufzeit, um sich im Team zurechtzufinden. Der dynamische Däne strahlt in der Mittelfeld-Zentrale enorme Präsenz aus. Zweiter großer Gewinner der vergangenen Wochen ist Torwart Felix Wiedwald, der sich zu einem starken Rückhalt entwickelt hat und mehrfach als "Man of the Match" gefeiert wurde.

Alternativen in der Offensive

Mit mehr Gelassenheit und der Euphorie aus den jüngsten Siegen kann Werder nun in die Länderspielpause gehen. Danach bieten sich in der Offensive wieder Alternativen, wenn die verletzten Serge Gnabry und Max Kruse zurückkehren. Gute Aussichten also für die Bremer, auch wenn die große Gefahr längst nicht gebannt ist. In Freiburg und dann gegen Schalke 04 müssen die Grün-Weißen die jüngsten Erfolge bestätigen.

Noch hat Frank Baumann nicht entschieden, wie es mit Alexander Nouri weitergeht. Der Trainer arbeitet auf Bewährung, noch sind Zweifel an seiner Arbeit vorhanden. Doch mit den jüngsten Erfolgen und der Art und Weise, wie sie zustande kamen, liefert Nouri starke Argumente für eine Weiterbeschäftigung über die Saison hinaus.

Stand: 20.03.2017, 13:40

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