Schalke und der Nervenkrieg

Schalkes Trainer Jens Keller

Endspiel um die Champions-League-Quali-Runde

Schalke und der Nervenkrieg

Im Millionen(end)spiel um die Champions-League-Quali steht für Schalke die ganze Saison auf der Kippe. Wehe, Königsblau verliert ...

Bekommen die Schalker bei ihrer "Partie des Jahres" gegen den SC Freiburg ihre Nerven in den Griff? Zweifel sind angebracht angesichts jener Leistung, die das Team von Jens Keller zuletzt bei der 1:2-Heimpleite gegen den VfB Stuttgart darbot. Während der Trainer auch nach dieser Niederlage cool blieb und die Champions-League-Qualifikation nur als "verschoben" einordnete, wurde sein Chef Clemens Tönnies deutlicher: "Wenn sich eine solche Chance bietet, dürfen sie so eine Einstellung nicht an den Tag legen. Die Spieler müssen sich ihrer Verantwortung dem Verein und den Fans gegenüber langsam mal bewusst werden. Wir registrieren schon länger, dass es hier Defizite gibt", sagte der Schalker Aufsichtsratsboss der Sport Bild.

Versöhnlicher Saison-Abschluss und Millioneneinnahmen

Nun geht es gegen Freiburg und für Schalke um die ganze Spielzeit. Schließlich hatten die Knappen die Teilnahme an der Königsklasse als Saisonziel ausgegeben. Bundestrainer Joachim Löw bringt das Schalker Problem auf den Punkt: "Freiburg hat nichts zu verlieren, Schalke dagegen muss es schaffen. Die Schalker haben den Anspruch, in der Champions League zu spielen." Für Königsblau geht es aber auch um den versöhnlichen Abschluss einer oft holprigen Spielzeit. Und natürlich um dringend benötigte Millioneneinnahmen. Angesichts der finanziell angespannten Situation des Vereins ist die Teilnahme an der Champions League fast schon Pflicht. Auch die Kaderplanung für die kommende Saison hängt maßgeblich vom Ergebnis in Freiburg ab. "Wir spielen lieber in der Champions League. Aber es gehört dazu, sich auch auf andere Szenarien einzustellen", sagte Manager Horst Heldt. Der "Worst Case" würde allerdings die Stimmung in Gelsenkirchen über Monate vergiften.

Höwedes: "Haben die bessere Mannschaft"

Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes

Markige Worte: Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes

Und so machen sich die Schalker selber Hoffnung. "Sicherlich ist eine Anspannung zu spüren, aber die Mannschaft ist nicht nervös, sondern konzentriert und zuversichtlich. Im Fußball ist immer ein enormer Druck zu spüren, wir sind aber alle optimistisch", sagte Trainer Keller. Kapitän Benedikt Höwedes zeigt eine breite Brust: "Wir sind Schalke 04 und haben die bessere Mannschaft. Wenn wir als geschlossene Einheit auftreten, werden wir unser Ziel auch erreichen." Dabei fehlen allerdings weiterhin fehlen fünf Langzeitverletzte, zudem ist Linksverteidiger Sead Kolasinac angeschlagen. Immerhin kehrt Julian Draxler nach Gelbsperre zurück ins Team.

Öffentlichkeit ausgeschlossen

Wie angespannt die Lage in Gelsenkirchen tatsächlich ist, zeigt jedoch, dass Keller sein Team abschottete wie noch nie. Keine Fans, keine Medien, keine Außenstehenden waren am Donnerstag und Freitag auf dem Trainingsgelände zugelassen. Der Trainer und seine Mannschaft bleiben unter sich. Eine bei den volksnahen Königsblauen ungewöhnliche Maßnahme, die nur in Ausnahmefällen und vor besonders wichtigen Spielen ergriffen wird. Der Tabellenvierte Schalke (52) braucht beim einen Punkt schlechteren Verfolger Freiburg ein Unentschieden, um in die Playoffs zur europäischen Königsklasse einzuziehen. In diesem Fall darf der Tabellensechste Eintracht Frankfurt (50) jedoch nicht mit mehr als vier Toren Unterschied gegen den VfL Wolfsburg gewinnen.

Freiburg ganz entspannt

Freiburgs Trainer Christian Streich

Locker: Freiburgs Trainer Christian Streich

Bei Freiburg hingegen ist die Lage völlig entspannt. Trainer Christian Streich nahm im Vorfeld der Partie jeden Druck von seinen Profis: "Ein schlechtes Ende gibt es in diesem Jahr nicht mehr. Bei den Spielern gibt es keine besondere Spannung, aber wir werden alles in die Waagschale werfen", sagte er. Der Coach weigerte sich sogar immer noch, das Wort Champions League überhaupt in den Mund zu nehmen. "Ich rede nicht über zukünftige Dinge, die im Konjunktiv stehen."

Streich: "Richtigen Kampf bieten"

Immerhin kündigte Streich an, seine Elf werde den Gästen einen "richtigen Kampf bieten". Anspannung herrsche aber keine. Dennoch schottete auch er sein Team vor dem Saisonfinale ab, um sich nicht ablenken zu lassen. "Wir wollten uns auf unsere Arbeit konzentrieren, und die Jungs haben genug Zeit zum Ausruhen bekommen", sagte der Coach. Mit dem gesperrten Daniel Caligiuri wird einer der besten Freiburger Offensivspieler beim Saisonfinale fehlen. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat seinen Einspruch gegen die die gegen Greuther Fürth erhaltene Gelbe Karte als unzulässig verworfen. Der Einsatz des angeschlagenen Mensur Mujdza ist fraglich.

Sportclub feiert in jedem Fall

Jubelnde Freiburger

So wollen die Freiburger auch am Samstag jubeln

Egal, wie das Millionenendspiel um die Champions-League-Quali-Runde ausgeht: Nach dem Spiel werden die Freiburger Profis auf einer Bühne mit den Fans das Saisonende feiern. Dabei werden Johannes Flum, Daniel Caligiuri, Max Kruse, Jan Rosenthal, Erik Jendrisek und Ezequiel Calvente offiziell verabschiedet. Sie alle verlassen den Sportclub.

red/sid/dpa

Bundesliga | Tabelle

Rang Team S P
1. Bayern München 31 81
2. Bor. Dortmund 31 64
3. FC Schalke 04 31 58
4. Bayer Leverkusen 31 54
5. VfL Wolfsburg 31 53
  ...    
16. Hamburger SV 31 27
17. 1. FC Nürnberg 31 26
18. E. Braunschweig 31 25