Hertha und die große Chance

Sinan Kurt

Hauptstädter in der Bundesliga-Spitze

Hertha und die große Chance

Von Olaf Jansen

Allenfalls einen Platz im Mittelfeld hatten Experten der Berliner Hertha vor der Saison prophezeit. Jetzt steht der Klub nach einer Klasse-Hinrunde auf Rang drei - es ist eine riesige Chance.

Wenn Sinan Kurt im kommenden Sommer wieder mit Leroy Sané und Mahmoud Dahoud in den Urlaub fährt, möchte er ähnliches geschafft haben wie seine beiden Kumpels. Er möchte dann von sich sagen können: "In der Rückrunde war ich Stammspieler in der Bundesliga." Damit das gelingt, ist der 19-Jährige in der Winterpause von den Münchener Bayern zur Berliner Hertha gewechselt - hier hofft der junge Offensivmann nun rascher den Durchbruch zu schaffen, als bei den großen Bayern.

Talent von den Bayern geholt

Schnell ist Kurt, technisch stark, er hat zudem einen ausgesprochen starken linken Fuß, den er auch bei Standards gewinnbringend einsetzen kann. Kurt wird allgemein eine große Karriere zugetraut, er könnte durchaus zu einem weiteren Volltreffer für die Berliner auf dem Transfermarkt werden. Vielleicht schon in der Rückrunde. Wundern würde es angesichts des Laufs der Berliner in dieser Saison wohl kaum jemanden.

Zehn Siege aus 17 Partien, Platz drei nach der Hinrunde, Kurs klar auf die Champions League - das hatte den Berlinern vor der Saison wohl niemand zugetraut. Zu holprig war die vorangegangene Spielzeit verlaufen, zu wenig spektakulär erschienen die Neuzugänge.

Dardai hat den richtigen Ton gefunden

Dardai und Brooks

Pal Dardai hat offenbar den richtigen Ton gefunden

Doch offenbar hat Trainer Pal Dardai, der die Spieler bekanntermaßen eher an der langen Leine lässt, mit seiner lockeren Art den richtigen Ton gefunden. Das Team wirkt kompakt, hat in der Hinrunde einen starken Zusammenhalt bewiesen und tritt auffällig dizipliniert auf. Da scheint die Zigarette, die Dardai seinen Spielern außerhalb des Stadions ausdrücklich nicht verbietet, keinen Abbruch zu tun.

Die große Stärke der Berliner in der Hinrunde war die defensive Stabilität. Erfahrene Leute wie Sebastian Langkamp und Marvin Plattenhardt brachten Stabilität in die letzte Reihe, auf der Sechs hat Per Skjelbred wohl die Halbserie seines Lebens absolviert. Und vorn? Da haben mit Salomon Kalou und Vedad Ibisevic zwei Spieler wie am Schnürchen getroffen, die viele eigentlich schon abgeschrieben hatten.

Kalou und Ibisevic überraschen

Salomon Kalou

Salomon Kalou - ein Volltreffer in der Hinrunde

Kalou und Ibisevic - zwei erfahrene Vollprofis, die nicht gerade als pflegeleicht gelten, aber in Topform eben auch den Unterschied ausmachen können. Dardai hat diese Topform aus ihnen herausgekitzelt.

Die Kernfrage in Berlin lautet jetzt natürlich, ob das Team diese tolle Hinrunde wird bestätigen können. Die Hertha hatte gelegentlich etwas Glück, knappe Partien kippten oft durch Kleinigkeiten in Richtung der Berliner. Als großer Vorteil für Dardais Jungs könnte sich erweisen, das sie - anders als die Konkurrenten Leverkusen, Wolfsburg und Schalke - nicht international gefordert sind. So können alle Kräfte auf die Bundesliga konzentriert werden.

Rückkehrer machen Hoffnung

Wie weit die Berliner vor Beginn der Rückrunde schon wieder sind, ist noch schwer zu beurteilen. In den vier Tests gab zwei Siege (1:0 gegen Hannover und Vaduz), ein Remis (2:2 gegen Gladbach) und eine klare Niederlage (1:4 gegen Bochum), die sich allerdings die Zweitvertretung der Berliner einfing. Rückkehrer wie Peter Pekarik (nach Schulter-OP), Niklas Stark (Leiste), Änis Ben-Hatira (Zeh) und Thomas Kraft (Schulter) bekamen schon wieder etwas Spielpraxis und werden Dardais Möglichkeiten weiter vergrößern.

Stammplatz im Sinne der Urlaubsfreude

Und dann ist da ja auch noch der neue: Sinan Kurt jedenfalls drängt vehement auf seine Einsätze in Berlins Startelf. Damit er sich im Sommerurlaub mit seinen beiden Kumpels nicht hinter selbigen verstecken muss.

Stand: 19.01.2016, 08:30

Bundesliga | Tabelle

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1. Bayer Leverkusen 0 0
1. Bayern München 0 0
  ...    
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1. Werder Bremen 0 0

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