Berti Vogts - der "Terrier" ist 70

Berti Vogts - der "Terrier" ist 70

Er war erfolgreich als Spieler und als Trainer. Am Freitag hat Berti Vogts seinen 70. Geburtstag gefeiert - dennoch fühlt sich der langjährige Gladbach-Profi noch lange nicht als Fußball-Rentner.

Berti Vogts

Hans-Hubert "Berti" Vogts wird 70 Jahre alt. Der am 30. Dezember in Kaarst geborene Fußballer blickt auf eine lange Erfolgsgeschichte zurück - als Spieler und als Trainer. Dennoch ist er seiner bescheidenen Rolle stets treu geblieben. Daher wird es auch keine große Geburtstags-Feier geben - im Gegenteil. Er feiere alleine, sagte Vogts. "Mit einem guten Glas Rotwein. Saint Estephe oder Saint Julien, mal sehen."

Hans-Hubert "Berti" Vogts wird 70 Jahre alt. Der am 30. Dezember in Kaarst geborene Fußballer blickt auf eine lange Erfolgsgeschichte zurück - als Spieler und als Trainer. Dennoch ist er seiner bescheidenen Rolle stets treu geblieben. Daher wird es auch keine große Geburtstags-Feier geben - im Gegenteil. Er feiere alleine, sagte Vogts. "Mit einem guten Glas Rotwein. Saint Estephe oder Saint Julien, mal sehen."

Der nach dem frühen Tod seiner Eltern als Waise aufgewachsene Vogts hatte erst noch Werkzeugmacher gelernt, bevor er als 18-Jähriger für 28.000 Mark Ablöse vom VfR Büttgen zu seiner großen Liebe Borussia wechselte. Dort begann 1965 seine Bundesliga-Karriere.

Während seiner Zeit als Profi trug Vogts, der sich als knallharter Rechtsverteidiger einen Namen machte, trotz verlockender Angebote aus dem Ausland immer die Raute auf der Brust - und im Herzen. 419 Bundesligaspiele (32 Tore) bestritt er für die Fohlen-Elf - Vereinsrekord.

Auch seine Titelsammlung ist beeindruckend: Als Mannschaftskapitän führte der heute 70-Jährige die Borussia 1975 und 1979 jeweils zum UEFA-Pokal-Sieg und war beim Gewinn aller fünf Meisterschaften des Vereins Teil der Mannschaft. Nicht zu vergessen, der Triumph im DFB-Pokal 1973.

Nur eines hat Vogts nicht erreicht. "Dass ich mit Borussia nie in München gewinnen konnte, wurmt mich heute noch", sagte Vogts.

Vogts war immer ein Kämpfer, was ihm den Spitznamen "Terrier" einbrachte. Dennoch blieb er dabei immer fair. In 14 Profijahren als Verteidiger sah Vogts lediglich 14 Gelbe Karten und flog in einem Pflichtspiel nie vom Platz. Lediglich bei einem Freundschaftsspiel in Südamerika sah er die Rote Karte, als er dem Schiedsrichter den Ball an den Kopf warf.

Vogts war aber auch ein Visionär. Nach dem Sieg im UEFA-Cup 1979 gegen Roter Stern Belgrad forderte er mitten in der Euphorie seine Mitspieler auf: "Schaut Euch diesen Pokal genau an, es wird der letzte Titel sein, den die Borussia für lange Zeit gewinnt." Er sollte richtig liegen. Bis zum Pokalsieg 1995 vergingen 16 Jahre.

In der deutschen Nationalmannschaft spielte Vogts von 1967 bis 1978. Sein erstes von insgesamt 96 Länderspielen war das mit 0:1 verlorene EM-Qualifikationsspiel in Belgrad gegen Jugoslawien am 3. Mai 1967. In zwölf Jahren im DFB-Dress erzielte Vogts jedoch nur einen einzigen Treffer - per Flugkopfball beim 8:0-Erfolg gegen Malta in der EM-Qualifikation 1976.

Als Höhepunkt seiner Länderspiel-Karriere gilt der WM-Sieg 1974 in Deutschland. Bei der gewonnenen Europameisterschaft 1972 gehörte er zwar zum Kader, kam aber verletzungsbedingt nicht zum Einsatz.

Nach seiner aktiven Karriere wurde Vogts zunächst von 1979 bis 1990 Nachwuchstrainer beim DFB. Es sei nicht immer so einfach gewesen damals, erinnerte sich Vogts: "Als ich als Nachwuchstrainer 16 Stützpunkte in Deutschland haben wollte, haben sie gesagt: 'Wir haben kein Geld, Herr Vogts'. Heute gibt es über 300 Stützpunkte."

Die Nummer eins in seiner langen Erfolgsliste ist, wie er selbst sagt, der WM-Triumph von 1990 - damals war Vogts Assistent von Teamchef Franz Beckenbauer. "Dabei sind 18 Spieler Weltmeister geworden, die bei mir in der Jugend oder der U21 gespielt haben", erklärt er heute noch mit Stolz.

1990 wurde der frühere Verteidiger dann selbst Bundestrainer – allerdings begann dieser Karriere-Abschnitt eher holprig. Doch trotz der bitteren Niederlage im EM-Finale 1992 gegen Außenseiter Dänemark hat sich Vogts durchgekämpft und machte Deutschland 1996 in England zum Europameister. Es sollte für lange Zeit der letzte Titel für den DFB bleiben, bis Joachim Löw 2014 mit dem Nationalteam Weltmeister wurde. Nach dem Aus im WM-Viertelfinale 1998 gegen Kroatien war für Vogts dann aber Schluss.

Nach einem Kurzgastspiel als Trainer von Bayer Leverkusen in der Saison 2000/01 suchte der "Terrier" im Ausland seine Chance. Er trainierte die Nationalmannschaften von Kuwait, Schottland - er ist bis heute der einzige Nicht-Schotte, der dieses Amt bekleidete -, Nigeria und Aserbaidschan. Zuletzt war er als Berater von Jürgen Klinsmann in den USA aktiv.

Auch mit 70 lässt Vogts der Fußball nicht los, in den Stadien der Bundesliga ist er regelmäßig Gast. Als Rentner sieht er sich dabei keinesfalls. "Nein, nein", Schluss soll jetzt noch nicht sein mit dem Fußballgeschäft, stellte Vogts klar: "Zuhause sitzen oder jeden Tag auf dem Golfplatz den Ball ins Aus hauen - das kann ich nicht." Man werde sehen, was sich tut, so Vogts vielsagend. Jetzt will er aber erstmal in Ruhe seinen Geburtstag genießen.

Stand: 29.12.2016, 12:05 Uhr

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