Bundesliga setzt auf den Video-Beweis

Hellmut Krug erklärt den Videobeweis

Einführung ab der Saison 2017/18

Bundesliga setzt auf den Video-Beweis

Das Videozentrum in Köln, ein Bildschirm für den Schiedsrichter am Spielfeldrand, Entscheidungen in Echtzeit: Sieben Monate vor der Einführung des Videobeweises in der Bundesliga haben die Deutsche Fußball Liga und der Deutsche Fußball-Bund die Rahmenbedingungen für den Video-Assistenten vorgestellt.

Schon jetzt ist klar, dass sich das Spiel ab der kommenden Saison verändern wird - der American Football lässt grüßen. "Wir wollen klare Fehlentscheidungen aus dem Spiel nehmen", sagte der für die Schiedsrichter zuständige DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann bei einer Pressekonferenz am Montag (23.01.17) in Frankfurt/Main: "Bis zur Winterpause der laufenden Saison gab es 44 klare Fehlentscheidungen, 33 davon hätten durch den Videoassistenten aufgeklärt werden können."

Es wird weiter Fehler geben

Damit ist klar, dass es trotz des Videobeweises auch zukünftig Fehler und Diskussionen geben wird. Aktuell wird das technische Hilfsmittel in einer "Offline"-Phase ohne Eingriff des Video-Assistenten in das Spielgeschehen getestet. In der nächsten Spielzeit wird es dann ernst für das System, das Ausgaben im siebenstelligen Bereich für den DFB und die DFL mit sich bringen wird.

Nach den Vorgaben des International Football Association Board (IFAB) - den Regelhütern des Weltverbandes FIFA - sind ab der kommenden Saison grundsätzlich vier entscheidende Situation durch den Video-Assistenten überprüfbar: Tor, Elfmeter, Platzverweis (nicht Gelb-Rot) und Spielerverwechslung bei Gelben und Roten Karte.

Zwischen zehn und 40 Sekunden

Ob die Technologie endgültig eingeführt wird, will der IFAB im März 2018 entscheiden - rechtzeitig vor der WM in Russland. Der frühere FIFA-Schiedsrichter und Projektleiter Hellmut Krug machte deutlich, wie das Prozedere ab August ablaufen wird. "Über allem steht die Frage, ob die Entscheidung des Schiedsrichters klar falsch ist. Nur dann kann der Video-Assistent eingreifen", sagte Krug: "Wir müssen also größtmögliche Einheitlichkeit erreichen. Derzeit brauchen wir zumeist zwischen zehn und 40 Sekunden, um der Sache auf den Grund zu gehen. Wir sind mit diesem Stand sehr zufrieden."

Seit dem Beginn der laufenden Spielzeit werden die kommenden Video-Assistenten (aktive Schiedsrichter oder gerade ausgeschiedene Referees) in Köln geschult. In der Domstadt soll das Videozentrum auch in der kommenden Saison bleiben - für alle 306 Partien.

Bildschirm-Geste des Vierten Offiziellen

Mit Blick auf den Ablauf im Stadion wird es mehrere Neuerungen geben:
1. Der Vierte Offizielle wird durch eine Bildschirm-Geste zu erkennen geben, dass eine Szene überprüft wird.
2. Am Spielfeldrand wird es einen Bereich geben, in dem sich der Schiedsrichter die strittige Szene im Zweifel auch selbst noch einmal auf einem Bildschirm anschauen kann.
3. Um Protesten der Profis vorzubeugen, wird es sehr schnell Verwarnungen geben, wenn Spieler eine Video-Überprüfung einfordern.
4. Der Schiedsrichter kann auch selbst eine Überprüfung einfordern.

Die FIFA testete die Technik bereits im Dezember bei der Klub-WM in Japan, auch beim Länderspiel zwischen Deutschland und Italien (0:0) Mitte November gab es einen Probelauf. "Wir sind sehr zufrieden. Natürlich ist noch nicht alles perfekt, aber wir testen ja noch", sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino danach.

Seifert will die "besten Schiris der Welt"

DFL-Boss Christian Seifert hatte zuletzt von den Schiedsrichtern gefordert, dass sie den Umgang mit der Technik ab dem Sommer perfekt beherrschen. "Der Anspruch der Bundesliga muss es sein, die besten Schiris der Welt zu haben", äußerte der DFL-Geschäftsführer: "Die Umsetzung des Videobeweises wird da ein ganz entscheidender Baustein sein."

sid/red | Stand: 23.01.2017, 16:23

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