Videobeweis - es soll besser werden

Nach einem Lehrgang der Schiedsrichter

Videobeweis - es soll besser werden

Beim Lehrgang auf Mallorca haben die deutschen Fußball-Schiedsrichter ihre Erfahrungen mit dem viel kritisierten Videobeweis aufgearbeitet. In der Rückrunde soll es besser werden - doch im Prinzip herrscht Zufriedenheit.

Schiedsrichter Deniz Aytekin

Schiedsrichter Deniz Aytekin

Spieler und Fans haben sich immer noch nicht damit angefreundet. Vereine und Funktionäre setzen dagegen darauf, dass er in der Rückrunde endlich vernünftig funktioniert: Der Videobeweis wird die Fußball-Bundesliga auch 2018 beschäftigen und soll vom Ärgernis zu einer echten Hilfe werden. "In der Umsetzung und in der Kommunikation ist sicher nicht alles gut gelaufen", sagt Borussia Mönchengladbachs  Borussia Mönchengladbachs Sportchef Max Eberl und gibt damit den Tenor vieler Verantwortlicher bei den Klubs wider.

"Nicht jede Situation im Spiel sezieren"

Die Spitzenreferees geloben Besserung. Beim Lehrgang auf Mallorca haben sie die Erfahrungen aus einem halben Jahr Testphase aufgearbeitet. "Das Ziel ist es, die wirklich unerträglichen Fehler aus dem Spiel zu nehmen, und nicht, jede Situation im Spiel zu sezieren", sagte DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich: "Wir wollen keine Videoassistenten, die detektivisch arbeiten."

In der Rückrunde sollen sich die Unparteiischen noch häufiger selbst ein Bild in der "Review-Area" am Spielfeldrand machen, bestenfalls soll das aber schneller gehen als in der Hinrunde. "Es geht nur um die eine klare Frage, ob eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung vorliegt", sagte Fröhlich. Für die Assistenten vor den Bildschirmen in Köln gelte: "Je mehr Perspektiven gesichtet werden müssen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass es sich um einen klaren und offensichtlichen Fehler handelt."

DFB: "37 Fehlentscheidungen verhindert"

Der DFB stellte bei der Pressekonferenz aber vor allem auch die Vorzüge des Videobeweises heraus. So wurden in der Hinrunde 37 Fehlentscheidungen der Schiedsrichter verhindert. Insgesamt hat es 50 "Empfehlungen zur Entscheidungsumkehr" aus dem Video-Kontrollzentrum in Köln gegeben. 48 Mal änderte der Unparteiische daraufhin seine Entscheidung, elf Mal war das falsch. Zweimal wurde korrekterweise eine Entscheidung beibehalten. "Der DFB und die DFL sind absolut davon überzeugt, dass der Videobeweis das Spiel gerechter macht", sagte Ansgar Schwenken, DFL-Direktor für Fußballangelegenheiten und Fans: "Das soll jetzt auch in der Rückrunde so sein."

Insgesamt wurden in 153 Spielen 1041 Situationen überprüft (6,8 pro Spiel), bei 241 davon kam es zu einer Kommunikation zwischen dem Schiedsrichter auf dem Feld und dem Videoassistenten in Köln. Die 50 Handlungsempfehlungen bedeuten einen Schnitt von 0,3 Situationen pro Spiel.

Fröhlich zufrieden

Grundsätzlich war DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich zufrieden mit den Unparteiischen. "Die Leistungen waren gut aus unserer Sicht", sagte er: "Wir haben am Ende nicht allzu viele gravierende Fehlentscheidungen erlebt. Das stimmt uns sehr zuversichtlich. Schiedsrichter haben das Problem, dass sie keine Tore schießen - aber Erfolge können wir trotzdem vermelden."

Ob das alles die Kritiker besänftigt?  Fast die Hälfte der 219 Bundesligaprofis sprach sich in einer "Kicker"-Umfrage für eine Abschaffung des Videobeweises aus.

Videobeweis wohl auch bei der WM in Russland

Was den aber sicherlich nicht aufhalten wird. Im März wird entschieden, ob der Videobeweis auch bei der WM angewendet wird. DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, dass er sich bei der Council-Sitzung des Weltverbandes FIFA für den Einsatz beim Weltturnier einsetzen wird. Wenn es so kommt, könnte sich dann jedes Land für die dauerhafte Einführung des technischen Hilfsmittels in der nationalen Liga entscheiden.

Die Entscheidung trifft das International Football Association Board IFAB. "Generell denke ich, dass es viel besser läuft, als die Leute erwartet haben, und beinahe jede Woche bekommen wir eine weitere Anfrage von einer anderen Liga, die den Videoschiedsrichter nutzen will", sagte David Elleray, Technischer Direktor des IFAB, der englischen Zeitung "Times". Fröhlich glaubt an einen Einsatz des Videobeweises bei der WM. "Ich denke, der Videobeweis wird bei der WM zum Einsatz kommen", sagte er.

Positive Bilanz in Italien

Der Videobeweis wurde bislang in 13 Ländern getestet, unter anderem auch in der italienischen Serie A und der amerikanischen MLS sowie auf internationaler Bühne unter anderem beim Confederations Cup, der Klub-WM und Freundschaftsspielen. In Italien zogen die Unparteiischen eine positive erste Bilanz der Testphase. In den ersten fünf Monaten der Meisterschaft sei der Videoassistent 900 Mal zum Einsatz gekommen. Nur fünf Fehler seien dabei begangen worden, berichtete der Präsident des italienischen Schiedsrichterverbands, Marcello Nicchi. In 20 Fällen habe die Technik zu einer Änderung der Schiedsrichterentscheidung geführt. Was die Umsetzung angeht, gehen die Italiener genauso vor wie die deutschen Schiedsrichter.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Donnerstag, 11.01.18., ab 22.50 Uhr

red/dpa/sid | Stand: 11.01.2018, 12:59

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